Beim Poetry Slam mit dabei (von links): Gewinnerin Antonia Prasser, Finalist Anruaj Sri Rajajendran, Phriedrich Chiller, Aileen Schneider, die Musiker Nadine Traoré und Niklas Bastian sowie Moderator Ansgar Hufnagel. Foto: Veronika Zettler

Rund 70 Besucher kamen ins Kesselhaus, um den Poetry Slam in Weil am Rhein zu erleben. Die Resonanz wächst von Ausgabe zu Ausgabe.

Durch den Abend führte erneut Ansgar Hufnagel, der mit literarischem Witz, spontanen Pointen und kleinen Quizfragen das Publikum einband; zu gewinnen gab es dabei jeweils eines seiner Bücher. Er hatte auch das hochkarätige Line-up zusammengestellt: Zwei Wortkünstler und zwei Wortkünstlerinnen, alle vier mit spannenden Werken im Gepäck, teils frei performt, teils vom Blatt gelesen. Die Regeln, maximal sieben Minuten pro Beitrag, keine Requisiten, keine Hilfsmittel – allein das gesprochene Wort zählte. Wer weiterkam, entschied die Lautstärke des Applauses.

 

Goethe und Chiller

Den direkten Sprung aus Runde eins ins Finale schaffte Anruaj Sri Rajajendran aus Kaiserslautern. In seinem ersten Text erklärte er, warum er eine „10 von 10“ sei – ein Auftritt, der mit abrupten Wechseln vom Komischen ins Tragisch-Traurige das Publikum gleichermaßen zum Lachen und zum Schlucken brachte.

Der Wettbewerb blieb indes bis zum Schluss spannend. Phriedrich Chiller aus Mannheim, zweimal rheinland-pfälzischer Landesmeister im Poetry Slam, sorgte zunächst mit seinen Vierzeilern über Ritter für viele Lacher. Sein Pseudonym, wie er erklärte, leite sich aus seiner Verehrung für Goethe her. Mit dem Text „Grenzgänger“ begeisterte er das Publikum dann nachdenklicher – eine Hommage an ein Europa ohne Grenzen, in dem „zusammenwächst, was zusammengehört“ und in dem jeder das Beste vom anderen adaptiert. Auch sein zweiter Text über soziale Gerechtigkeit wurde mit tosendem Beifall belohnt.

Starke feministische Akzente

Die beiden Slammerinnen setzten starke feministische Akzente. Aileen Schneider aus Frankfurt, studierte Opernregisseurin, Hessenmeisterin 2022 und Rheinland-Pfalz-Vizemeisterin 2024 im Poetry Slam, katapultierte sich weit nach vorne in der Gunst des Publikums – mit einem leidenschaftlich performten Text über die Wichtigkeit, gerade für Frauen, „Nein“ sagen zu können.

Nackte People Pleaser

Antonia Prasser aus Freiburg, Psychologin von Beruf, schien nach der ersten Runde mit einem Weihnachtstext noch nicht zu den Favoriten zu gehören. In der zweiten Runde holte sie jedoch kräftig auf – mit einem Beitrag über „People Pleaser“, die es allen recht machen wollen, warum diese Rolle häufig Frauen zukommt, warum sie sich selbst darin wiederfindet und weshalb diese Menschenspezies womöglich verhindert, dass alles auseinanderfällt. Mit der abgewandelten Zeile „Und bist du nicht pleasant, so brauch ich Gewalt“ kam auch hier Goethe zu Ehren.

Duell im Finale

Im Finale stand Prasser schließlich Anruaj Sri Rajajendran gegenüber. Sie trat mit einem ebenso stürmischen wie detailreichen Text über die Enttabuisierung der Menstruation an, er mit einem erneut eindringlichen Bericht über seine Erlebnisse im Fitnessstudio. Dort trifft er unter anderem einen „nackten weißen alten Mann“, von dem er zunächst hofft, „dass auch er rassistisch ist und mich nicht anspricht“, der aber stattdessen haarsträubende Theorien über Tigerangriffe zum Besten gibt. Am Ende setzte sich Antonia Prassers Periodenpoesie mit einem Hauch Vorsprung durch.

Foto: Veronika Zettler

Nadine Traoré und Niklas Bastian aus Freiburg begleiteten den Abend mit Bass und Gitarre. Nadine, die unlängst bei „The Voice of Germany“ aufgetreten ist, hatte einige selbst geschriebene Songs im Gepäck, die beim Publikum ebenso gut ankamen wie die Texte auf der Bühne.