Er „macht“ das Wetter: Karl-Heinz Jetter checkt, wie viel Schnee vom Himmel gekommen ist. Foto: Silke Thiercy

Ausschlafen? Das kommt für Karl-Heinz Jetter nicht in Frage. Seit 45 Jahren betreibt der Heselwanger eine Wetterstation im Garten. Pünktlich, täglich und sprichwörtlich bei Wind und Wetter checkt er um 6.50 Uhr die Daten – der Deutsche Wetterdienst wartet darauf.

Mit seiner Mess-Station hat der Pensionär es bis in die Tagesschau gebracht: Immer wieder werden Wettervorhersagen aus Heselwangen im Laufbanner eingeblendet. Berlin, Hamburg, Heselwangen? Wie kommt’s?

 

Jetter war Lehrer, unterrichtete Erdkunde. „Das Wetter“ stand auf dem Lehrplan. Allein: „In den Büchern gab es nur Daten von entfernten Städten“, erinnert er sich. Also schrieb er einen Brief an den Deutschen Wetter-Dienst (DWD). „Liefern konnten sie nichts, aber sie haben einen Beobachter für Balingen gesucht.“

Die Wetterstation ist professionell ausgestattet

Den hatten sie dann mit dem passionierten Lehrer auch gefunden. „Anfangs habe ich nur die Regenmenge gemessen und gemeldet“, berichtet Jetter. Mit seinen Schülern allerdings beobachtete er an selbst gebastelten, kleinen Wetterstationen auch die Temperaturen.

Über die Jahre und „mit viel privatem Geld“ der Heselwanger sich eine professionelle Mess-Station im Garten gebaut. Auf einem hohen Mast zum Beispiel dreht sich ein kleiner Propeller, der die Windgeschwindigkeit misst, Sensoren erfassen den Lichteinfall, an mehreren Punkten wird die Temperatur gemessen. „Meine Frau Helga hat sich mit diesen „Kunstwerken“ arrangiert“, sagt Jetter und lacht.

Die Daten aus Heselwangen sind gefragt

Die gesammelten Daten trägt Jetter am Computer akribisch in die Maske des DWD ein. Hieraus errechnen die Meteorologen auch Prognosen. Jetters Daten sind auch beim Wetterdienst Meteomedia – ehemals Kachelmann-Wetter – gefragt. Dieser allerdings ruft die Daten per Fernabfrage ab.

Jetter betreut auch die Station Bronnhaupten. Dies allerdings per Fernabfrage. Die Regenmengen nimmt er in seinem Garten aber täglich persönlich unter die Lupe: „Das menschliche Auge ist immer noch genauer“, sagt der Experte.

Karl-Heinz und Helga Jetter sind beide seit 1980 freie Mitarbeiter bei unserer Zeitung. Mit dem damaligen Redakteur Walter Kronenberger und Kollegen hat Karl-Heinz Jetter viele gesellige Abende verbracht. Kronenberger hatte an einem launigen Abend eine Idee, erinnert sich Jetter. „Seit dem schreibe ich jeden Monat einen Wetter-Rückblick.“ Vor 45 Jahren freilich noch deutlich handgestrickter, die Grafiken hat der Hobby-Meteorologe damals von Hand gezeichnet.

Jetters Erhebungen interessieren auch Versicherungen

Der Heselwanger verfügt über einen immensen Datensatz. Auf den greifen zum Beispiel auch Versicherungen zurück, wenn es bei einem Schadensfall nicht klar ist, wie viel es tatsächlich geregnet hat. Auch bei der Hochwasserzentrale sind Jetters Messungen begehrt: „Ich ermittle, wie viel Wasser im Schnee ist, das kann für Prognosen wichtig sein, wenn es eine plötzliche Schmelze gibt.“

Die täglichen Daten schreibt Jetter wie vor 45 Jahren noch zuerst einmal in ein kleines, grünes Büchlein, ehe er sie in den PC überträgt. „Der Computer erleichtert meine Arbeit deutlich“, sagt er. Und dank ihm kann er auch nachschauen, wie das Wetter am 10. Geburtstag der Verfasserin war: Der 4. Juni 1981 war sonnig und mit 24 Grad angenehm warm.