Mitten im Schwarzwald liegt der Ort, an dem es in diesem Jahr am meisten Niederschlag gab. Nirgendwo sonst in Deutschland hat es mehr geregnet. Wir klären auf, welches Wetterphänomen hinter den erstaunlichen Daten steckt.
Mit 916 Metern Passhöhe liegt der Ruhestein inmitten des Nationalparks Schwarzwald. Hier liegt das Nationalparkzentrum. Und im Winter zieht der dortige Ski- und Rodelhang zahlreiche Wintersportler an.
In vergangenen Jahrzehnten galt der Ruhestein meist als absolut schneesicher. In guten Jahren lief der Skilift monatelang. Dazu beigetragen haben reichliche Niederschläge,die oft in Form von Schnee fielen.
2024 macht der Ruhestein nun Deutschlandweit mit einem Niederschlagsrekord auf sich aufmerksam. Das belegen Daten der Plattform „Wetter Kontor“, die Mitglied der Deutschen Wetterdienstleister ist. Vom 1. Januar bis zum 28. November listet diese für den Ruhestein satte 2500,1 Liter Niederschlag auf.
Klassischer Steigungsregen
Grund für den vielen Regen ist die Schwarzwaldwestseite. Sie stellt sich wie ein Bollwerk den heranziehenden Wetterfronten in den Weg. Dadurch wird die feuchte Luft gezwungen aufzusteigen und kühlt dabei ab. Da kühlere Luft nicht so viel Feuchtigkeit aufnimmt, kondensiert das Wasser und es kommt zum sogenannten Steigungsregen.
Je weiter die Luft dann hinter der Westseite wieder absinkt, umso trockener ist sie dann. Das spiegelt sich auch in den geografischen Niederschlagslinien wider.
Freudenstadt ist mit durchschnittlich rund 1548 Litern Jahresniederschlag relativ regenreich. Der Teilort Kniebis – nur acht Kilometer weiter westlich gelegen und bis zu 1000 Meter hoch – bringt es durchschnittlich sogar auf 1814,1 Liter Niederschlag. Rund um Schopfloch sind es dann nur noch um die 1200 Liter. In Horb sind es sogar weniger als 1000 Liter.
Immer wieder verzeichnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Niederschlagsrekorde auf dem Ruhestein. Absoluter Spitzenreiter ist dabei der März 1914 mit 620 Liter. Der Juli 1980 brachte es auf satte 504,3 Liter Niederschlag. Und im Februar 1958 wurden 501 Liter Liter Niederschlag gemessen – das meiste davon Schnee.
Es gab aber auch deutlich trockenere Phasen. So wurden im April 1893 Null Liter Niederschlag gemessen. Und 1908 brachte es der Oktober auf gerade einmal zwei Liter.
Genug für zehn Badewannen
Der Schwarzwald ist neben dem Allgäu und Teilen der Alpen eine der niederschlagsreichsten Regionen Deutschland. Die 1548 Liter, die in Freudenstadt auf dem Kienberg gemessen wurden, hätten gereicht, um rund zehn Badewannen zu fühlen. Der Niederschlag auf dem Ruhestein hätte sogar für mehr als 16 Badewannen gereicht.
Viele der Niederschläge fallen im Sommer in Schauerform – und das bei meist erträglichen Temperaturen. Nicht umsonst wählen viele Spanier im Sommer die Schwarzwaldregion, um der Hitze im Heimatland zu entfliehen.