Während Juni und Juli deutlich zu wenig Niederschlag hatten, regnete es im August (großes Bild) wieder mehr. Der Frühling hingegen erwieß sich als warm und sonnig – und auch deutlich zu trocken. Foto: Archiv/Beule/Bea

Warme, aber niederschlagsarme Periode im Frühjahr. Jahresmitteltemperatur von 11,6 Grad.

Während die Coronakrise die Themen des Jahres 2020 beherrschte, wurde dem Wetter nicht mehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie sonst in den Jahren zuvor. Vieles lief unspektakulär – wenn auch nur auf den ersten Blick.

Wolfach - Wirklich extreme Ereignisse blieben von Sturm "Sabine" und dem Hochwasser Anfang Februar abgesehen, weitgehend aus. Im Gegenteil, man durfte sich oft über schöne und warme Wetterperioden freuen. Das begann schon im März, als nach einem eher ausgefallenen Winter Mitte des Monats überaus sonniges und mildes Frühlingswetter einsetzte. Der April zeigte sich sogar als einer der sonnenscheinreichsten Aprilmonate überhaupt. Sehr negativ wirkte sich allerdings die Niederschlagsarmut dieses Monats aus, welche in der Fortsetzung die aus den Vorjahren resultierende Dürresituation nochmals verschärfte.

Der Frühling erwies sich als recht warm und vor allem sonnig und deutlich zu trocken. Während der März bei den Niederschlägen das Soll nahezu erfüllte, fiel im April lediglich ein Zehntel und im Mai die Hälfte der Sollmenge. Beim Sonnenschein konnte nur der Frühling 2011 noch wenige Stunden mehr aufbieten.

Auch der Sommer zeigte sich von seiner warmen und sonnigen Seite. Zwar wurden nicht die Extremwerte des Supersommers 2018 erreicht, doch danach hatten ehrlicherweise wohl nur wenige Sehnsucht. Während Juni und Juli nochmals deutliche Niederschlagsdefizite verbuchten, regnete es im August wieder etwas mehr, sodass erstmals seit Februar das Soll leicht übererfüllt wurde. Sonnenhungrige kamen im Sommer 2020 auf ihre Kosten: Alle drei Sommermonate hatten überdurchschnittlich viele Sonnenstunden, blieben aber doch merklich hinter den beiden Vorjahressommern zurück.

Ende Oktober wird es kühler

Der Herbst hatte im vergangenen Jahr zwei gute und einen schlechten Monat. Während der September bis zum kalendarischen Herbstanfang noch von den Nachwirkungen des Sommers profitieren konnte, setzte danach bis Ende Oktober eine kühlere und niederschlagsreiche Witterung ein. Endlich gab es den ersten nennenswerten Niederschlagsüberschuss seit Februar. Die Sonne machte sich dagegen rar und fuhr ein ziemliches Defizit (41 Prozent weniger) ein.

Das glich der November wieder mehr als aus, der 2020 den "goldenen Oktober" nachholte. Mit zu wenig Sonne, aber trotzdem nicht zu nass, schloss der Dezember das Jahr 2020 ab.

Insgesamt kam 2020 fast an das bisherige Rekordjahr 2018 heran. Die Jahresmitteltemperatur lag mit 11,6 Grad nur um 0,1 Grad unter der von 2018, was somit Rang zwei in der Wolfacher Wetterstatistik bedeutet. Alle Jahre des zweiten Jahrzehnts hatten in Wolfach eine Durchschnittstemperatur von mindestens zehn Grad, davon fünf Jahre mit mindestens elf Grad.

Im Zeitraum von 1961 bis 1970 gab es zum Vergleich lediglich ein einziges Jahr, wo eine Mitteltemperatur von zehn Grad gerade mal erreicht wurde. Dieser Anstieg ist wirklich beachtlich und gleichzeitig bedenklich, da er die Dynamik der derzeitigen Klimaerwärmung deutlich aufzeigt.

Wenn auch die Jahresniederschlagsmenge von 1102,6 Liter um 14 Prozent etwas zu niedrig ausfiel, war dieses Defizit vor allem durch die markante Niederschlagsarmut im Frühling und im Sommer deutlich spürbar. Die Trockenheit trat zusammen mit kräftiger Sonneneinstrahlung, sehr trockenen Ostwinden und langen niederschlagsfreien Perioden auf, was zu einer starken Austrocknung der Böden führte.

Am Ende des Jahres hatte die Sonne einen neuen Jahresrekord knapp verfehlt. Die in Wolfach zusammengezählten 1810 Sonnenstunden reichten nicht, um die Rekordhalter 2011 und 2003 mit je 1837 Stunden zu übertreffen, entschieden wurde das "Rennen" erst im Dezember, der mit nur 23,6 Sonnenstunden deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb.

Info: Die Daten

Jahresmittel: +11,6 Grad

Abweichung: +2,2 Grad

Maximum: +36,1 Grad am 31. Juli

Minimum: -5,3 Grad am 2. Januar

Sommertage: 79 (+23 Tage)

Heiße Tage: 17 (+drei Tage)

Frosttage: 56 (-zehn Tage)

Niederschlagssumme: 1102,6 Liter pro Quadratmeter (86 Prozent)

Größte Tagesmenge: 47,6 Liter pro Quadratmeter am 3. Februar

Niederschlagstage: 168 (-20 Tage)

Sonnenscheindauer: 1809,9 Stunden

Heitere Tage: 69 ( +22 Tage)

Trübe Tage: 140 ( -zehn Tage) Gewittertage: vier (- 16 Tage)

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