Ein Mähdrescher bei der Arbeit auf einem Getreidefeld: Aufgrund des dauernden Regenwetters ist das im Nordschwarzwald derzeit oft nicht möglich (Symbolfoto). Foto: Tom Weller/dpa

Das dauernde Regenwetter wird zum Problem für die Landwirte: Die Erntetage sind rar. Und wenn das Wetter trocken genug ist, sind es dann die Mähdrescher.

„Lebensmittel sind lebensnotwendig“, sagt Holger Nickel, der Dezernent für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung im Landratsamt Enzkreis. Die Krisen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass es in dem Bereich nicht gut sei, zu sehr von anderen abhängig zu sein. Deshalb sind Landwirte „für uns unverzichtbar“, erklärt Nickel bei einem Pressegespräch mit dem Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz, das in Eisingen bei Pforzheim stattfindet.

 

Doch die Herausforderungen für die Landwirte auch im Nordschwarzwald sind groß, das klingt aus deren Worten heraus, als sie vom Stand der Ernte und ihren alltäglichen Sorgen berichten.

Gestiegene Kosten sind auch ein Problem

Das Wetter Die größte Sorge ist zurzeit das Wetter. Eine weitere sind die gestiegenen Kosten etwa für Energie und Düngemittel, zählt Corinna Benkel, Leiterin des Landwirtschaftsamts, auf. Und selbst wenn die Ernte in Summe eine gute sei, bedeute das nicht, dass es allen Betrieben gleich gut gehe. Von Hof zu Hof kann die Situation sehr unterschiedlich sein.

Dies auch, weil das Wetter eben nicht das Wetter ist: Regnet es an einem Ort viele Liter innerhalb kurzer Zeit, kann das in der Nachbarschaft schon anders sein.

„Die Landwirte arbeiten mit dem Wetter“, erklärt Michael Maurer, der ebenfalls in der Behörde tätig und selbst Landwirt ist. 2024 sei ein „wahnsinnig nasses Jahr“ gewesen. Das Frühjahr 2025 war von den Niederschlagsmengen her zunächst eher normal, aber am Ende zu trocken. Und dann kam das, was Maurer als „wahnsinnige Vor-Sommer-Trockenheit“ bezeichnet: die heißen Tage im Juni und Anfang Juli.

Temperaturen über 30 Grad schaden dem Getreide: Es wird plötzlich und zu früh reif. Wegen der Hitze habe die Ernte im Enzkreis zügig begonnen, sei aber wegen des Dauerregens stark ins Stocken geraten.

Seit Fusion deckt Bauernverband großes Gebiet ab

Der Bauernverband Seit der Fusion der Bauernverbände aus den Landkreisen Calw, Böblingen, Freudenstadt und dem Enzkreis zum Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz umfasst dieser ein großes Gebiet. Doch trotz der Distanzen: Die Sorgen, die die Enzkreis-Landwirte im Pressegespräch schildern, sind dieselben, die auch die Bauern aus dem Kreis Calw umtreiben. Das zeigt sich im Gespräch mit Landwirt Markus Stollsteimer aus Nagold. Er ist Vorstandsmitglied im Verband.

Die Lage im Kreis Calw Im Kreis Calw hat die Ernte Mitte Juli, bei Stollsteimer am 14. des Monats, begonnen – und damit etwa drei Wochen später als im Enzkreis. Mitte Juli indes sei normal für den Kreis Calw. Die Hitzetage hatten dort deshalb kaum Auswirkungen auf den Erntebeginn. In der Regel dauert die Ernte vier bis sechs Wochen. Los ging es mit der Wintergerste. „Das ist das Erste.“

Dann kam der Regen: Das größte Problem, wenn es ständig regnet, ist, „dass wir einfach nicht dranbleiben können“, erklärt Stollsteimer. Zumindest ein Tag vor der Ernte sollte niederschlagsfrei sein, damit das Getreide trocknen kann. Weizen benötige sogar zwei Tage zum Abtrocknen. Auch Dinkel ist wegen seiner langen Trocknungszeit in Gefahr. Am Beispiel Braugerste wird klar, was passiert, wenn Getreide zu lange steht: Die Ähren knicken irgendwann ab und können nicht mehr gedroschen werden. Zudem leide die Keimfähigkeit, wenn die Braugerste zu lange stehe – ohne diese kann sie allerdings nicht mehr zum Bierbrauen genutzt werden.

Damit der Mähdrescher arbeiten kann, muss die Feuchtigkeit des Getreides unter 20 Prozent liegen, wie der Landwirt erklärt. Zum Einlagern des gedroschenen Getreides sind sogar 15 Prozent Feuchtigkeit das Maximum, sonst schimmelt es.

Die Ernte 2025 Von der Menge her, sagt der Nagolder, sei die Ernte im Kreis Calw bisher eine gute. Er habe aber Bedenken, dass der Weizen Schaden nehme. Ist die Qualität schlecht, kann man ihn nicht zum Backen verwenden. Dadurch sinkt der Marktwert. Für Getreide, das nur noch als Tierfutter genutzt werden kann, bekommen die Landwirte weniger Geld.

Im Landkreis Calw wird laut Markus Stollsteimer vor allem Weizen angebaut, gefolgt von Dinkel, Braugerste und Raps.

Stimmt das Wetter, können sie gedroschen werden – falls denn ein Mähdrescher verfügbar ist. Denn das klang beim Pressegespräch ebenfalls heraus und wird von Stollsteimer bestätigt: Nicht nur das Wetter, auch die Maschinenverfügbarkeit sorgen für Aufregung. Denn die wenigsten Landwirte haben eigene Erntemaschinen, sind also auf Lohnunternehmer angewiesen. Doch je weniger mögliche Erntetage es gibt, desto gefragter sind die Mähdrescher. Das macht die Ernte 2025 noch aufreibender. Oder, wie es Markus Stollsteimer formuliert: „Das ist schon ein bisschen nervendbelastend.“

Weitere Herausforderungen für Landwirte

Preise
 „Die Erzeugerpreise befinden sich derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau bei gleichzeitig sehr hohen Kosten für Betriebsmittel“, berichtet das Landwirtschaftsamt im Enzkreis. So erhielten Bauern im Februar noch 240 Euro je Tonne Weizen, derzeit sind es weniger als 200 Euro. Dafür stiegen die Einkaufspreise für Diesel, Dünger oder Pflanzenschutz stark an. Kalkammonsalpeter, ein Stickstoffdünger, etwa kostete im Frühjahr 2024 300 bis 320 Euro pro Tonne. Ein Jahr später lag der Preis zwischen 370 und 405 Euro. Fazit der Behörde: Wirtschaftlicher Ackerbau gestaltet sich derzeit schwierig. 

Verständnis
Immer wieder beschweren sich Bürger während der Erntezeit. Auch das war Thema im Pressegespräch. Die Enzkreisverwaltung appelliert an die Bevölkerung, Verständnis zu haben, dass derzeit vermehrt landwirtschaftliche Maschinen unterwegs sind und auch Nachtarbeit nötig ist. „Das gehört dazu, wenn wir landwirtschaftliche Betriebe haben“, erklärt Dezernent Holger Nickel.