Kaum in Schramberg angekommen, sind die Teilnehmer des Orgelwettbewerbs am Üben – wie hier an der Späth-Orgel in der Heilig-Geist-Kirche. Foto: Fritsche

Orgelklänge tönen seit Mittwoch aus den katholischen Kirchen in der Talstadt: Die Teilnehmer des Walcker-Orgelwettbewerbs sind angekommen und bereiten sich auf die Wertungsspiele vor.

Schramberg - Mittwoch war Anreisetag der nun noch zehn Teilnehmer des Wettbewerbs um den sechsten internationalen Schramberger Eberhard-Friedrich-Walcker Preis. Zwei der ursprünglich 13 Teilnehmer sind erkrankt, einer ist aus anderen Gründen verhindert. Und nun erst mal von den Reisestrapazen erholen? Von wegen – kaum angekommen, eilten die ersten schon zu den Orgelspieltischen in St.Maria und der Heilig-Geist-Kirche. "Die Teilnehmer müssen sich an die für sie ungewohnten Instrumente herantasten, sie müssen die Register für die klangliche Gestaltung ausprobieren", erläutert Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer. Jeder Wettbewerbsteilnehmer hat zweieinhalb Stunden Zeit für das "Einregistrieren".

Die Juroren hatten eine Reihe von Orgelwerken der deutschen Romantik bestimmt, zum Beispiel von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms oder Robert Schumann und Josef Rheinberger. Im Unterschied zu den früheren Wettbewerben können die Organisten ihre Stücke aus diesem von der Jury gesteckten Rahmen selbst auswählen. "Für die Zuhörer ergibt sich ein besonderer Reiz dadurch, dass während des Preisspiels und im Finale verschiedene Stücke zu hören sein werden", erklärt Gebhard Pfaff, Vorsitzender des Vereins Schramberger Orgelkonzerte.

Weiterer Ablauf

Bewertet wird das Spiel der zehn Jungorganisten von einer hochkarätigen Jury aus Frederica Ianella (Padua), Jozef Serafin (Warschau), Michel Bouvard (Toulouse), David Franke (Freiburg) und Ludger Lohmann (Lindau). Die erste Auswahlrunde ist am Montag und Dienstag, 23. und 24. Mai, 12 und 18 Uhr, in St. Maria. Die zweite Auswahlrunde mit dann sechs Teilnehmern findet am Donnerstag, 26. Mai, 11 und 17 Uhr, in der Heilig-Geist-Kirche statt. Die Auswahlrunden sind öffentlich. Das Finale der dann noch drei Wettbewerber mit Voting für den Publikumspreis und Preisverleihung ist am Freitag 27. Mai, um 18 Uhr in der St.-Maria-Kirche. Ein eigenes Abschlusskonzert für den Sieger gibt es diesmal nicht. Für ihn wird zu einem späteren Zeitpunkt ein eigens Konzert veranstaltet.

Aufgrund der pandemie-bedingten Beschränkungen ist der Besuch des Finals nur mit Eintrittskarte möglich. Diese können im Bürgerbüro der Stadtverwaltung im Vorverkauf für fünf Euro, Abendkasse zehn Euro, erworben werden.

Die Teilnehmer

■Alan Zsilka, Jahrgang 1995, stammt aus der Slowakei und studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Bei mehreren internationalen Wettbewerben oder Orgelfestivals erhielt er Preise, vor allem für seine Interpretationen der Werke von J.S.Bach.

■Nataliya Abryutina, Jahrgang 1993, begann mit sechs Jahren Orgel zu spielen und schloss 2019 das Studium am Moskauer Konservatorium mit Auszeichnungen ab. Nun lebt sie in Lübeck und studiert an der dortigen Musikhochschule.

■Pedro Gomes, Jahrgang 1995, stammt aus Portugal: Nach dem Bachelor-Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart studiert er zur Zeit Kirchenmusik an der Musikhochschule Freiburg.

■Johannes Krahl studiert Kirchenmusik und Orchesterdirigent an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, wo – obwohl in Bautzen geboren, derzeit sein musikalischer Schwerpunkt liegt. Er sammelte Erfahrungen durch die erfolgreiche Teilnahmen an mehreren Wettbewerben und an bedeutenden Instrumenten, etwa in der Londonder Westminster Abbey.

■Anna Orlova studierte, anfänglich als Pianistin, am Moskauer Konservatorium und an der Hochschule für Musik in Stuttgart. Eine rege Konzerttätigkeit führte sie durch halb Europa und in die USA.

■Stephan Pollhammer, Jahrgang 1998, studiert seit 2015 als Konzertfach Orgel an der Universität Mozarteum in Salzburg. Auch er hat schon eine Reihe von Erfolgen bei Orgelwettbewerben erzielt und spielte unter anderem als Solist zur Festspieleröffnung in Salzburg.

■Kanaka Shimizu absolvierte an der Tokio Universität der Künste das Masterstudium mit dem Hauptfach Orgel. Weiterführende Studien führten sie 2015 bis 2017 an das Conservatoire de Toulouse in Frankreich. In dieser Zeit erhielt sie den begehrten ersten Preis und Publikumspreis beim Internationalen Pierre de Manchicourt-Orgelwettbewerb.

■David Kiefer, geboren 1996 in Gengenbach, ist Wettbewerbs-Lokalmatador: Er schloss seine kirchenmusikalische Bachelor-Ausbildung an der Hochschule für Musik Freiburg 2020 ab und vertiefte im Anschluss seine kirchenmusikalische Ausbildung in Paris und Toulouse.

■Silvan Meschke, Preisträger des Bundeswettbewerbes "Jugend musiziert" in der Kategorie Orgel, ist seit 2019 Student an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

■Mitchell Miller machte 2019 seinen Abschluss in Orgel und Germanistik am Oberlin College and Conservatory in den USA. Seither belegt er, auch dank eines dank einiger Auszeichnungen erhaltenes renommiertes Stipendium, die Master-Studiengänge Orgel sowie Historische Tasteninstrumente an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.