Gegen Wespennester und Rattenplage hilft oft nur eins: der Kammerjäger. Welche Aufgaben in der Schädlingsbekämpfung anfallen und was Laien selbst gegen das Ungeziefer tun können, erklärt Thorsten Haug aus Grosselfingen.
Wenn der Sprühnebel den Raum durchdrungen hat und die Kakerlaken aus den Ritzen krabbeln, dann ist das wie bei „Men in Black“. Das schildert Thorsten Haug, Schädlingsbekämpfer aus Grosselfingen. Lange war der hauptberufliche Mikrotechnologe der einzige Kammerjäger im Zollernalbkreis. Mit welchen Schädlingen er es täglich zu tun hat und was man besser nicht machen sollte, um die lästigen Tiere anzulocken – die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:
Was macht ein Kammerjäger überhaupt?
Wenn Menschen sich durch unerwünschte Nagetiere gestört fühlen, Insekten etwas kaputtmachen oder die Hausbewohner unter Allergien leiden, rufen sie Thorsten Haug. Der Kammerjäger versucht dann, die Schädlinge umzusiedeln – wenn das nicht möglich ist, kommen etwa Giftköder zum Einsatz, so Haug. So habe er einmal ein Wespennest mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter entfernen und die Wespen darin töten müssen, denn: „Ab einer bestimmten Größe kann man sie nicht mehr umsiedeln.“ Er betont: „Ich bin kein Tierquäler.“ Stattdessen versuche er, den Leuten, die unter den Tieren leiden, zu helfen. Die Lebens- und Essgewohnheiten der verschiedenen Tiere kennt er genau, auch Aufklärungsarbeit gehört zu seinem Job, wie er erzählt.
Welche Schädlinge bekämpft Thorsten Haug?
In der Hauptsaison von Juni bis Ende Oktober hat Thorsten Haug es vor allem mit Insekten zu tun, berichtet er. Vorrangig Wespen und Hornissen machen Probleme, in diesem Jahr habe es aber auch eine regelrechte Ameisenplage gegeben. Wegen des vielen Regens im Frühjahr, so erzählt Haug, gibt es zudem viele kleine Wespennester. Er betont: „Eigentlich sind Wespen nützlich.“ Die Tiere fressen ein Dreiviertel Kilo Insekten – und das täglich, sagt der Grosselfinger. Da sei es auch kein Wunder, dass Menschen nach der Entfernung eines Wespennests oftmals von anderen Insekten wie Stechmücken geplagt werden. Auch mit Nagetieren, allen voran mit Ratten und Mäusen, aber auch mit Mardern oder sogar mal einem Siebenschläfer muss sich Thorsten Haug auseinandersetzen. Das sei vor allem in der Nebensaison der Fall, wenn die Vierbeiner nach Nahrung und Unterschlupf suchen würden, erklärt Haug.
Warum nimmt die Rattenplage zu?
Kammerjäger Thorsten Haug weiß, warum „im Untergrund mehr Ratten leben als Menschen obendrüber“: Laut ihm sparen viele Gemeinden an der Bekämpfung der Schadnager in der Kanalisation. Wenn das Problem an einem Ort überhandnimmt, hängen die Gemeinden irgendwann dann doch wasserfeste Giftköder in den Schacht – gut zu erkennen am bunten Kreuz auf dem Schachtdeckel, so Haug weiter.
Er appelliert: „Den Außendämmschutz an Häusern unbedingt dichtmachen“. Durch den Wärmeschutz fänden nämlich viele Nager den Weg ins Innere des Hauses. Auch offene Balkon- oder Haustüren seien eine regelrechte Einladung für die Schädlinge, sagt der Schädlingsbekämpfer.
Was können Privatpersonen gegen die Schädlinge tun?
Eine Sache sollte man laut Haug jedenfalls nicht tun: Wespennester selbst entfernen. Sonst drohen Strafen bis zu 80 000 Euro, das sage das Landratsamt, wie Thorsten Haug warnt. Auch bei Kakerlaken kann man selbst nichts ausrichten; frei verkäufliches Gift, etwa gegen Ratten, bringt auch nichts, weil die Tiere bereits Resistenzen entwickelt haben. Thorsten Haug kennt aber einige Tricks, die gegen Insekten helfen: Zum einen sei häusliche Hygiene immer vorteilhaft, wenn auch „der Erstbefall oftmals nichts mit Hygiene zu tun“ hat. Stoßlüften, Luftentfeuchter und engmaschige Fliegengitter können dabei helfen. Gegen Wespen helfe eine Mischung aus Fruchtsaft, Essig und optional etwas Spülmittel neben dem eigenen Essen. Das Gebot der Sauberkeit gelte aber auch für den eigenen Körper. Demnach sollte Mäuse oder Rattenkot nur mit Atemschutzmaske und Handschuhen entfernt werden – alte Ausscheidungen seien zum Einatmen sehr gefährlich.
Wie wichtig ist es, Joghurtbecher auszuwaschen?
Joghurtbecher hingegen müsse man vor der Entsorgung im Gelben Sack nicht extra auswaschen, das verbrauche mehr Energie als dass es Nutzen bringe. Stattdessen soll man die Gelben Säcke laut Haug besser in verschlossenen Boxen lagern und anderen Müll täglich rausbringen. Es gibt also so einiges zu beachten, um nachts nicht von schabenden Geräuschen im Dach geweckt zu werden oder stinkenden Mäusekot im Keller vorzufinden. Thorsten Haug bestätigt: „Schädlingsbekämpfung hat etwas mit Genauigkeit zu tun – das ist wie der Waffenschein.“