Wann bekommt die Bürgerschaft von Haigerloch ein besseres Wertstoffzentrum? Eine Frage, die sich derzeit nicht so leicht beantworten lässt.
Man kennt die Bilder: An manchen Tagen herrscht auf dem Gelände des Haigerlocher Bauhofes regelrecht Stoßverkehr und es bilden sich längere Schlangen von Autos oder anderen Fahrzeugen – wahlweise mit oder ohne Anhänger.
Schuld daran sind die beengten Platzverhältnisse, denn die Container für die Anlieferung der Sachen sind ins hinterste Eck des Bauhofgeländes gezwängt, was alles andere als eine optimale Situation darstellt.
Idealbild ist Balingen
Die Stadtverwaltung ist sich dessen schon lange bewusst und ist gefühlt seit „ewigen Zeiten“ auf der Suche nach einer besseren Lösung. Bürgermeister Heiko Lebherz schwebt ein neues Wertstoffzentrum vor, das so ähnlich konzipiert ist, wie das der Stadt Balingen. Dieses befindet sich seit 2014 im Gewerbegebiet Bangraben auf Ostdorfer Gemarkung und wurde so gebaut, dass die Anlieferer über eine Ringstraße direkt an die jeweiligen Container heranfahren können, ohne Abfälle weit schleppen zu müssen.
Praktisch eine Ideallösung. Aber eine solche zu finden, damit tut sich die Stadt schwer. 2019 war man zumindest schon einmal nahe dran. In der Heisenbergstraße – nicht arg weit weg vom jetzigen Bauhof – erschien ein städtisches Grundstück an der Einbiegung des Marquart-Gulde-Weges ins Baugebiet „Stiegles Feld“ als durchaus geeignet. Mit 25 Ar bot es deutlich mehr Platz als das aktuelle Wertstoffzentrum auf lediglich 600 Quadratmetern.
Rolle rückwärts 2023
Doch je länger Stadt und Landkreis als Träger der Einrichtung über den neuen Standort nachdachten, desto mehr wuchs die Skepsis. Möglicher Ärger mit der Nachbarschaft im nahen Wohngebiet wurde befürchtet; die vollen Container wären nämlich wohl immer nachts um 22 Uhr abgeholt worden. Und die Rasenabfälle, die dort auch hätten gelagert werden dürfen, hätten Gär-Gerüche erzeugt, die 200 bis 300 Meter weit zu riechen gewesen wären.
Also machte man die Rolle rückwärts: Die Gedanken fokussierten sich wieder auf den jetzigen Standort und der bereits 2023 im Haigerlocher Gemeinderat vorgestellte Plan ging in die Richtung, zwischen dem Bauhofgelände und der Firma p&m Messe- und Ladenbau einen schlauchförmigen Geländestreifen abzutrennen, einzuzäunen und mit einer sechs Meter breiten Zufahrt zu versehen. Auf etwa 2000 Quadratmetern wären 1400 Quadratmeter für Fahrzeugstellplätze vorgesehen gewesen.
Kosten verdoppeln sich
Eine Lösung, mit der man sich hätte anfreunden können. Doch auch ihre Umsetzung ist mittlerweile ins Ungewisse gerückt. Denn die ursprünglich für das neue Wertstoffzentrum veranschlagten Baukosten lassen sich nicht mehr halten. Ein Anfang Mai im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik vorgestellte Ausschreibungsergebnis sorgte für Ernüchterung. Das wirtschaftlich günstigste Angebot lag bei 985.000 Euro – der Landkreis hatte in seinem Haushalt aber nur 500.000 Euro für die Maßnahme eingestellt. In der Hoffnung auf bessere Angebote empfahl der Ausschuss deshalb dem Kreistag die Neuausschreibung des Bauvorhabens, auch wenn die Kreisverwaltung diese Hoffnung nicht teilt.
Stadt geht wieder auf Suche
In der Stadt Haigerloch hat man diese unerwartete Wendung zur Kenntnis genommen und will darauf mit neuen Standortvorschlägen reagieren. „Es wird nicht einfach, aber wir sind guten Mutes, dass wir einen neuen Standort finden und dem Landkreis Vorschläge machen können“, gab sich Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck in der jüngsten Gemeinderatssitzung optimistisch. „Wir werden noch auf die Ortsvorsteher zukommen“, deutete Bürgermeister Heiko Lebherz an, dass man bei der Standortfindung den Suchkreis vermutlich über das Gewerbegebiet Madertal hinaus ausdehnt. Allerdings sollte auch ein neues Wertstoffzentrum noch relativ zentral liegen und für alle aus dem Stadtgebiet gleich gut erreichbar sein. Standorte wie Bad Imnau oder Hart dürften demnach wohl eher nicht in Frage kommen.