Das historische Stadtbild Calws soll erhalten und die Stadt lebendig gestaltet werden. Foto: Fritsch

Die Innenstadt lebendig gestalten und dabei das Historische bewahren – das hat sich die Gruppe "Stadtentwicklung/Stadtgestaltung" des Arbeitskreises Innenstadt zum Ziel gesetzt. Dafür brauche es aber mehr als gute Ideen, sind die Mitglieder überzeugt. Sie wollen für Calw einen Denkmalpflegerischen Werteplan.

Calw - Wo andere Städte nach Alleinstellungsmerkmale suchen müssen, kann Calw eine ganze Reihe solcher ihr Eigen nennen, befand Gottfried Müller, Sprecher der Arbeitsgruppe "Stadtentwicklung/Stadtgestaltung" in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dort stellten er sowie sein Sprecher-Kollege Hans Roth die Ergebnisse ihrer bisherigen Bemühungen als Gruppe vor. Aufpassen müsse man jedoch, diese Alleinstellungsmerkmale nicht zu verlieren. Ein Dorn im Auge ist den beiden dabei vor allem der Paragraf 34 im Baugesetzbuch. Dieser besagt, vereinfacht gesagt, dass ein Bauvorhaben dann zulässig ist, wenn es sich in die Umgebung einfügt. Wobei davon in Einzelfällen abgewichen werden kann. Aus Müllers Sicht zu viel Freiheit, um eine historische Kernstadt wie Calw zu erhalten. Zumal es bislang kein übergeordnetes Wertesystem gebe, um dieses "kommunale Großprojekt" anzugehen.

Die Innenstadt ist die "gute Stube" Calws, fügte Roth an. Daher gebe es keine Notwendigkeit, "die Altstadt weiter zu zerstören". Als Beispiele für wenig schmeichelhafte Entwicklungen führte er die "unattraktive Schneise" von der Marktbrücke zur Salzgasse an, in der viel Verkehr herrscht. Oder die Kronengasse, in der früher das Leben spielte, die heute aber "erhebliche Defizite" aufweise.

"Fantasielose Neubauten"

Mit "fantasielosen Neubauten" in der Innenstadt sei aber keinem geholfen, betonte Roth. Vielmehr müsse man für Areale wie am Krankenhaus oder am Schlossberg, wenn die Polizei umgezogen ist, "umweltfreundliche, nachhaltige und alternative Wohnkonzepte" entwickeln.

Das steht so auch in der Broschüre, die die Arbeitsgruppe erstellt hat. In dem 15-seitigen Heft sind neben Bildern der Stadt auch die Aufgaben aufgeführt, die die Gruppe für Calw sieht. Und sie gehen darin auf ihr Hauptanliegen ein: die Erstellung einer Ortsanalyse mit Denkmalpflegerischem Werteplan für die historische Calwer Altstadt. "Die auf die Stadt zukommende große Aufgabenfülle und daraus folgende Planungen und strukturelle Entscheidungen können mit einem solchen übergeordneten Wertesystem leichter, kostensparender und zielgenauer erledigt werden", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Der Werteplan soll zusammen mit einer überarbeiteten Gestaltungssatzung als Grundlage für weiteres Handeln dienen – für Architekten, Bauherren, Gemeinderäte und Bürger. Und weiter: "Ein Werteplan trägt entscheidend dazu bei, dass sich alle Calwer Bürgerinnen und Bürger mit dem historischen Zentrum ihrer Stadt identifizieren können."

Und was kostet die Erstellung einer solchen Ortsanalyse mit Denkmalpflegerischem Werteplan? Je nach Umfang müsse man mit 10 000 bis 15 000 Euro rechnen, ist in der Sitzungsvorlage zu lesen. Unter Umständen, so die Idee der Arbeitsgruppe, könnte ein Teil des Untersuchungsgebiets dem Sanierungsgebiet Nördlicher Stadteingang zugerechnet werden, das bezuschusst wird. Der bürokratische Aufwand halte sich ebenso in Grenzen, erklärte Andreas Quentin, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Verkehr.

Früh erkannt

Das Gremium zeigte sich angetan von der Vorstellung der beiden Sprecher sowie von der Broschüre. Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw) regte an, die Altburger Straße mit in die weitergehenden Planungen einzubeziehen. Man müsse dadurch auch die Kernstadt attraktiver für junge Familien machen, anstatt Neubaugebiete zu erschließen. Dafür seien aber, hakte Roth ein, ordentlich sanierte Gebäude notwendig. Dann habe man – gerade für Familien – die perfekte Lage in der Innenstadt.

116 Kommunen haben einen Werteplan, wie er von der Arbeitsgruppe vorgeschlagen wurde, schon auf den Weg gebracht, meinte Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw). Darunter Rothenburg ob der Tauber. Eine Kleinstadt, die früh erkannt habe, dass man das, was man hat, schützen muss. Ansonsten drohe eine Stadt ihr Gesicht zu verlieren, mahnte Mannsfeld. Für sie, die sich selbst in der Gruppe engagiert, sei ein Werteplan darum ein "Herzensanliegen".

Einstimmig votierte der Gemeinderat schließlich dafür, eine Ortsanalyse samt Werteplan zu erstellen. Darüber hinaus soll die Verwaltung gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt beauftragt werden, den Umfang des Untersuchungsgebiets zu prüfen.