Betriebsleiter Armin Schober (links) hat eine Gruppe der Kolpingsfamilie durch den Martinshof geführt. Was hier von Behinderten gearbeitet wird, überraschte viele. Foto: Stopper

Menschen mit Behinderungen können durchaus hochpräzise Arbeit abliefern. Der Martinshof der Lebenshilfe in Hechingen zeigt, wie das geht.

Es ist groß, das Gebäude direkt neben dem Hechinger Campingplatz. Durch große Fenster sieht man viele Fahrräder, und wer auf dem Weg auf der Seite der Streuobstwiese an der Breite vorbeiläuft, sieht eine hübsch eingerichtete Gastronomie und schöne Möbel auf der Terrasse. Martinshof heißt das Gebäude, und es ist eine Werkstatt für Behinderte, die die Lebenshilfe Zollernalb hier betreibt. „Aber so genau weiß eigentlich keiner von uns, was hier passiert“, erklärte Isidor Eisenlohr, als er mit einer Gruppe der Hechinger Kolpingsfamilie dieser Tage dort zu einer Führung eingeladen war.

 

Als Mann, der das ändern konnte, erwies sich an diesem Tag Armin Schober, der Betriebsleiter des Martinshofs. Was er nun zeigen werde, sei ein „produktiver Betrieb“ der Lebenshilfe, dessen Aufgabe es sei, Menschen mit Behinderung eine Arbeit zu geben.

Ausgrenzung gibt es im Martinshof nicht

Und etwas war ihm gleich zu Beginn wichtig: „Wir sind aktuell 31 Mitarbeitende. Dabei unterscheiden wir nicht in solche mit und ohne Behinderung, wir begegnen uns alle auf Augenhöhe, Ausgrenzung gibt es bei uns nicht.“ Dazu kämen zehn, die nach einer Krankheitsphase wieder versuchen würden, den Einstieg in ein Arbeitsleben zu finden.

Der Martinshof hätte Stellen für 75 Mitarbeitende, hat diese Maximalzahl aber noch nie erreicht. Arbeitskräftemangel. Eine gewisse Zahl von Mitarbeitern mit Behinderung kommen aus Sonderschulen wie der Weiherschule an den Martinshof. Hier ist oft schon Jahre im voraus klar, dass sie hier mal eine Arbeit finden können.

Auch Plätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Aber es gibt auch Plätze für Menschen, die plötzlich psychisch erkrankt sind und dann nicht mehr in ihrer alten Arbeit eingesetzt werden können. Wie die zum Martinshof finden? „Unsere Prospekte liegen bei allen Psychologen aus“, so Armin Schober. Nach einer Erprobungsphase könne man dann bei einem Träger einen Aufnahmeantrag stellen, „und schon haben wir einen Mitarbeiter mehr“. Allerdings gibt es davon aktuell weniger, als es Plätze gibt. Eigentlich eine gute Nachricht, dass es nicht genügend Erkrankte gibt. Andererseits ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle Plätze voll sind. „Wir wachsen pro Monat durchschnittlich um 1,1 Personen“, erklärt Armin Schober.

Kabel und Fahrräder sind Hauptproduktionszweige

Kabel und Fahrräder, das sind aktuell die beiden Hauptproduktionsbereiche des Martinshofs. Eine Laserstation ist ebenfalls in Betrieb.

Die Kabel sind sehr dünn, werden an der Spitze mit Nadeln versehen, die Neurologen für Gehirnuntersuchungen benötigen. Hier geht es um Zehntelmillimeter Genauigkeit. Für viele Handgriffe gibt es genau angepasste Schablonen, damit Abweichungen nicht vorkommen.

Global Player aus der Schweiz ist treuer Geschäftspartner

Die Nadel am Kabel muss einen Zug von 30 Kilogramm aushalten. „Wir arbeiten mit 60 Kilo Mindestzug“, erklärt Armin Schober. Auftraggeber ist ein Schweizer Unternehmen. Seit es als Start-up begonnen hat, arbeitet es mit der Lebenshilfe zusammen. Mittlerweile ist es auf seinem Gebiet ein Global Player, und die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe besteht fort. Bedingung dafür ist ein extrem aufwendiges Kontroll- und Dokumentationssystem.

Ordnung ist in der Fahrradwerkstatt wichtig

Unten in der Fahrradwerkstatt werden Räder verschiedener Marken nach der Anlieferung zusammenmontiert, gewartet und repariert, wenn das notwendig ist. Hier arbeiten ausgebildete Handwerksmeister und Angelernte Hand in Hand zusammen. Was auffällt ist die penible Ordnung. „Die ist für unsere Mitarbeiter sehr wichtig“, erklärt Amin Schober. Die fertigen Räder werden im eigenen Laden verkauft.