Freiburger Haus der Graphischen Sammlung widmet sich dem Werk von Fritz Ascher, der als Jude von den Nazis ein Arbeitsverbot erhalten hatte.
„Ich bin müde, fühls am Tritt, Streben weicht in sich zurück. Und der Glaube der verwittert“, schreibt Fritz Ascher (1894–1970) in seinem Gedicht „Trübe Zeiten“, das er, versteckt in einem Keller in Berlin, in den 1940er-Jahren verfasste, als er von den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt und als Jude verfolgt und mit dem Tode bedroht war.
Zwölf Jahre lang war der schon als Jugendlicher für sein malerisches Talent hochgelobte Expressionist gezwungen, den Pinsel zur Seite zu legen und im Verborgenen Gedichte zu schreiben. „Ungemalte Bilder“, wie es im Katalog zur Ascher-Ausstellung „Liebe du Verrat“ im Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum zu lesen ist.
50 Werke sind zu sehen
Die Ausstellung zeigt 50 Werke Aschers, die allesamt von Privatsammlungen aus New York ausgeliehen wurden. Dort wurde vor zehn Jahren die Fritz Ascher Gesellschaft für verbotene Kunst gegründet, deren Gründerin Rachel Stern die Freiburger Ausstellung mit Museumsdirektorin Jutta Götzmann zusammengestellt hat.
Aschers Bilder sind ausdrucksstarke, kraftvolle Werke, die an die Ausstellung „Modern Times“ im Museum für Neue Kunst anknüpfen und die wie ein Vorgriff auf die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums in Freiburg im kommenden Jahr wirken. Denn die Frage, wie der künstlerische Weg des Malers wohl verlaufen wäre, wenn er nicht mit einem Arbeitsverbot belegt worden wäre, stellt sich unweigerlich beim Betrachten seiner Kunst.
Mit dem Ende des Kriegs nahm Ascher zwar die Malerei wieder auf, doch widmete er sich fortan mehr der Landschaftsmalerei.
Sein einstiges Hauptthema, der Mensch, interessierte ihn nach dem Krieg offenbar nur noch wenig. Das habe – erklärt Götzmann – damit zu tun gehabt, dass der Maler nach Jahren der Verfolgung und Einsamkeit in seinem Berliner Versteck, das Vertrauen in die Menschheit praktisch verloren hatte.
Die Ausstellung „Liebe und Verrat“ im Haus der Graphischen Sammlung im Freiburger Augustinermuseum ist bis zum 2. März 2025 zu sehen.