Die Künstlerin Angela M. Flaig mit einem aus kugelförmigen, verblühten Löwenzahnsamen geformten Werk.Fotos: Hübner Foto: Schwarzwälder Bote

Ausstellung: Angela M. Flaig zeigt hauchzarte Skulpturen

Königsfeld. Zur ersten Ausstellung nach dem Lockdown lud der Verein "Kunstkultur Königsfeld" am Sonntag ein. Überschrieben mit "fragil – stabil" zeigte die Künstlerin Angela M. Flaig Werke aus echten Flugsamen.

Die Ausstellung verlief anders als gewohnt. Statt einführender Worte waren die Vereinsmitglieder mit der Eingangskontrolle und Registrierung der Besucher beschäftigt, von denen maximal zwölf gleichzeitig eintreten durften.

Im Kunstraum bot sich ein ungewohnter Anblick mit dreidimensionalen Skulpturen, die hauchzart anmuteten. Der Grund dafür war das Material, das Flaig verwendet: Echte Flugsamen, die sie in der Natur gesammelt, getrocknet und dann mittels selbst entwickelten Techniken zu Gebilden geformt hatte.

Die Ausstellung zeigte Werke aus verschiedenen Schaffensperioden der 1948 geborenen, bei Rottweil lebenden Künstlerin. Die ältesten stammen aus der Zeit um 1977, dem Jahr ihrer ersten Ausstellungsbeteiligung.

Eines davon ist ein Windelflies, auf das sie mit einem Sieb Asche auftrug und das sie dann in kleine Rechtecke faltete. Ein anderes Werk zeigt Reibspuren von Sand oder leicht angekeimte Samen auf Papier.

Relativ bald begann Flaig damit, Flugsamen zu verwenden. Echte Fleißarbeit dürfte es gewesen sein, einzelne davon aufgerichtet in einem Raster anzuordnen. Die kleineren Werke haben teilweise schon über 1000 Samen, noch unzählige mehr sind es bei größeren Objekten wie der dreidimensionalen Skulptur eines Hauses oder einer Scheibe mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter, die aus kugelförmigen, verblühten Löwenzahnsamen geformt ist.

Verein bei den Coronahilfen durch alle Raster gefallen

Laut Flaig geht es bei ihren Werken immer um "Ordnung im Chaos", was besonders bei den Flugsamen deutlich wird, die "kein totes Material sind sondern von denen jeder anders aussieht". Die "Symbiose von Raster und Material" zieht sich durch ihre gesamte Schaffensperiode, die Verquickung der Gegensätze ist für sie "ein Symbol für Werden, Sein und Vergehen oder den großen Kreislauf von Leben und Tod". Ein Quadrat steht dabei für die vier Elemente, ein Kreis für die Ewigkeit. Für Flaig ist die zeitaufwendige Gestaltung ihrer Werke "ein Stück Meditation, ein zur Ruhe kommen und auf sich und die Natur hören".

Manfred Molicki, Vorsitzender des Vereins, freut sich mitsamt seinen Mitstreitern darüber, endlich wieder Besucher begrüßen zu können. Im vergangenen Jahr seien zwei große Ausstellungen abgesagt worden, die Jahresausstellung habe lediglich online stattgefunden. Nur zwischen den Lockdowns habe es eine Ausstellung gegeben, mit Werken von Otto Leiber. Trotzdem habe man in den vergangenen Monaten viel Zuspruch bekommen, auch bezüglich zweier Ausstellungen, die nur in den Schaufenstern zu sehen waren.

Der Kunstraum hänge sehr an Spenden, nur dank dieser könne man hoffen, weiterzumachen, da der Verein bei Coronahilfen durch alle Raster gefallen sei, so Molicki. Das Team sei weiterhin engagiert dabei, habe schon das künftige Programm erarbeitet. So sollen ab Mitte September Werke von Paul Revellio gezeigt werden, im nächsten Jahr Bildhauerei, Malerei, Lithographie, Mode der 1920er- bis 70er-Jahre oder "ein wenig Anatomie" mit Fotos aus dem medizinischen Bereich. Man werde auch ein künstlerisches Experiment mit Besuchern wagen, so Molicki.

Die jetzige Ausstellung ist bis 18. Juli zu besichtigen, jeweils samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr. Eingelassen werden nur genesene, getestete oder geimpfte Personen.

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