Ein Film rührt zu Tränen – und Ehrenamtliche begleiten in VS derzeit zwölf Familien im Kinderhospizdienst durch schwerste Stunden. Im Kino wird sichtbar, wie wertvoll das ist.
Kostenlos, aber nicht umsonst war ein ganz besonderer Kino-Abend im Schwenninger Capitol. „Oskar und die Dame in Rosa“ wurde nämlich gezeigt – ein Film, der tief unter die Haut geht und auf unvergleichliche Weise am Tag der Kinderhospizarbeit, dem 10. Februar, den Fokus auf ein unsagbar schweres, und genauso wichtiges Ehrenamt lenkte.
Der Hospizverein VS hatte eingeladen – etwa 80 Besucher waren der Einladung gefolgt und begleiteten den kleinen, krebskranken Oskar auf seiner letzten Reise. Dessen wichtigste Begleiterin aber war die „Dame in Rosa“, eine Pizzabotin, die sich eigentlich wider Willen zu einer Hospizbegleiterin par excellence mauserte. Mit viel Witz und Einfallsreichtum, nie um eine Antwort verlegen, schloss sie den Krebspatienten ebenso tief ins Herz wie das Kinopublikum es tat – Tränen inklusive.
Im Eiltempo erlebte Oskar in den zwölf ihm noch bleibenden Tage ein ganzes Leben – von der ersten Liebe über den ersten Trennungsschmerz, die Last der Verantwortung als Erwachsener und das mühsame und manchmal schmerzhafte Altern bis hin zum endgültigen Abschied.
Und das sind die „Damen in Rosa“ hier
Stille. Nachdenklichkeit. Trauer. Die Gefühle im Kinosaal waren greifbar. Und auch die vielen Fragen, die unausgesprochen über den Köpfen schwebten. Ines Flückiger, die Koordinatorin des Kinder- und Jugendhospizdienstes in Villingen-Schwenningen, räumte mit ihnen auf. Die „Damen in Rosa“ heißen im Ehrenamts-Team des Hospizdienstes zum Beispiel Amalia Rebmann, Christine Heinzelmann oder Nadia Kiefer.
Gemeinsam gaben sie Einblick in ihre schwierige Aufgabe von der Familienbegleitung über die Kinder- und Jugendtrauergruppe bis hin zur notwendigen Öffentlichkeitsarbeit und dem Projekt „Hospiz macht Schule“.
Was die Hebamme für die Geburt ist...
„Ich sage immer – ’so wie eine Geburt durch das Zutun einer Hebamme gut gelingen kann, kann auch das Sterben und der Tod gelingen, wenn es Menschen gibt, die auch hier wie eine Hebamme bereit sind, da zu sein“, schildert Ines Flückiger später im Redaktionsgespräch.
Zwölf Kinder werden aktuell vom doppelstädtischen Hospizdienst begleitet – im vergangenen Jahr waren es sieben Kinder „im Bereich Abschied nehmende Kinder“. Was trocken klingt, heißt de facto: siebenmal Eltern, die nicht alleine gelassen wurden, in den wohl schwersten Stunden ihres Lebens.
Es sind keine Pflegearbeiten und auch keine hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, die die Ehrenamtlichen im Kinderhospizdienst verrichten, sondern Unterstützung, wie die Familien sie ganz individuell benötigen und wünschen.
Eine große kleine Geste
Natürlich, sagt Nadia Kiefer, sei um den Patienten herum noch ein riesiger Pool aus Ärzten, Physiotherapeuten und sonstigen Fachkräften – „das Ehrenamt ist da eine kleine, zusätzliche Geste“, schildert sie bescheiden. Doch die kleine Geste ist groß: Eindrücklich erzählt Kiefer etwa von einer Familie, die sie vier Jahre lang begleitet hat – die Mutter ist an der unheilbaren Krankheit ALS erkrankt als ihre zwei Töchter gerade einmal acht und 17 Jahre alt waren. Einmal pro Woche schenkte sie der Familie Zeit – Hausaufgabenbetreuung, Spielen, Tee trinken und ganz viel Reden. Bis zuletzt. „Zuhören, lachen, weinen“, all das habe dazugehört. Und ja, auch Trauer.
Ob so eine Arbeit auch Freude macht? Ines Flückiger nickt im Gespräch kräftig. Der Sinn dahinter ist es, der sie erfüllt: „Als nicht Betroffene ’Da zu sein’ – ist für die Familien und Zugehörigen in der Hinsicht von großem Wert – man kann helfen, da die Kommunikation offener ist, wenn man nicht mitten in der ’Schwere des Geschehens’ steht.“ Oft gelinge es, sogar ein bisschen Leichtigkeit in die Familie zu bringen. Häufig sei der wöchentliche Besuch des ehrenamtlichen Mitarbeiters, wenn er sich erst einmal in seiner zu begleitenden Familie eingefunden habe, für die Kinder das „Highlight der Woche“. „Dieses positive Gefühl, das man nonverbal zu spüren bekommt, das nimmt man mit nach Hause“, sagt Ines Flückiger. „Ja, das macht Freude.“
Und das hat’s gebracht
Benefiz-Kinoabend
Bei freiem Eintritt haben rund 80 Besucher am Mittwoch einen einfühlsamen und informativen Filmabend im Schwenninger Capitol erlebt – die Familie Zivkovic hatte das Kino für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Statt Eintrittsgelder für die Kinokasse gab es Spenden für die Hospizarbeit – und das nicht zu knapp: 660 Spenden-Euros klimperten am Ende im Spendenkässchen des Hospizvereins. „Wir freuen uns riesig“, sagt Ines Flückiger stellvertretend für den Verein. Wiederholung womöglich nicht ausgeschlossen.