In der kalten Jahreszeit ist für Obdachlose besondere Hilfe gefordert. (Symbolfoto) Foto: Arne Dedert/dpa

Wenn die Temperaturen sinken, stehen obdachlose Menschen vor besonderen Herausforderungen. Welche Hilfsangebote gibt es für sie in Villingen-Schwenningen?

Eisige Kälte, Einsamkeit, tagtägliche Suche nach einer warmen Mahlzeit oder einem Bett: Um dagegen anzugehen, hat der Landgasthof Ritter XXL in Herzogenweiler vor einigen Tagen mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam gemacht.

 

Hier finden Menschen ohne festen Wohnsitz einen temporären Ort zum Aufwärmen, Duschen und Schlafen. Während diese Initiative neu in VS und Umgebung ist, aber auch zeitlich begrenzt, ist das Soziale Zentrum am Neckar der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schwenningen schon seit vielen Jahren zu einer fixen Anlaufstation für Wohnsitzlose geworden.

Breites Angebot

In der Talstraße gibt es für sie Unterstützung in Form von Fachberatung und einer Aufenthaltsmöglichkeit über den Tag mit Essen in der Wärmestube. Einen Schlafplatz finden die Wohnsitzlosen hingegen in der stationären Einrichtung in der Neckarstraße, die 17 Plätze in 16 Zimmern bietet, wie Einrichtungsleiter Ralf Großmann im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Das Haus sei stets ausgelastet – unabhängig von der Jahreszeit.

Doch wer hier einen Platz gefunden hat, der kommt nicht frisch von der Straße, sondern hat ein Prüfprozedere hinter sich. „Das alleinige Fehlen von Wohnraum der betroffenen Person reicht nicht aus“, erklärt der Sozialpädagoge. Erst müssten bestimmte Kriterien, etwa soziale Schwierigkeiten, erfüllt und bewilligt sein.

Mehr Langzeitplätze

Dann kann es aber vorkommen, dass die Personen über mehrere Jahre hinweg hier bleiben, wie die Entwicklung in den vergangenen Jahren zeigt. „Die Verweildauer ist immer länger geworden. Langzeitplätze wären vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen“, sagt Ralf Großmann mit Blick auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die Tatsache, dass Transferleistungsbezieher es generell schwieriger bei der Wohnungssuche hätten.

Die stationäre Wohnsitzlosenhilfe der AWO in der Schwenninger Neckarstraße ist mit 17 Personen voll ausgelastet. Foto: Mareike Kratt

In Sachen allgemeiner Obdachlosigkeit habe sich in den vergangenen Jahren ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Das typische Bild eines mit Hund umherziehenden Obdachlosen werde immer weniger. Vielmehr gebe es mittlerweile das Phänomen der verdeckten Obdachlosigkeit, auch in Form des sogenannten Couchhoppings, bei dem die betroffenen Personen immer wieder bei Freunden unterkommen.

Der Erfrierungsschutz

Doch Großmann weiß auch um diejenigen Menschen, die bei klirrender Kälte im Freien schlafen müssen, deren nasser Schlafsack ihnen zum Verhängnis wird und denen inzwischen immer weniger Rückzugsmöglichkeiten, etwa in Industriebrachen, zur Verfügung stehen. Hierbei verweist er auf den sogenannten kommunalen Erfrierungsschutz, der im Winter greift – und wie dieser funktioniere, das habe sich inzwischen unter den Wohnungslosen herumgesprochen.

Das kann auch die Pressesprecherin der Stadt, Madlen Falke, bestätigen. In diesen Wochen und Monaten gebe es beinahe täglich Personen, die aufgrund des Erfrierungsschutzes auf die Stadt oder das Polizeirevier zukommen oder auch aufgegriffen würden.

Dabei sprechen der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) und die Polizei die wohnungslosen Menschen aktiv an und bieten die Unterbringung an. „Es kann jedoch kein Mensch zu einer Unterbringung gezwungen werden.“

Neue Unterkunft seit 2017

Seit 2017 ist diese Unterbringung im Obdachlosenheim in der Schwenninger Schubertstraße möglich, die aktuell zu einem Viertel belegt sei. Hier kommen Bürger von VS unter, deren Daten polizeirechtlich erfasst und überprüft werden müssten, so Madlen Falke weiter.

Die Obdachlosenunterkunft in der Schwenninger Schubertstraße ist derzeit zu einem Viertel belegt. Foto: Mareike Kratt

Eine funktionierende Kooperation zwischen Stadt und Polizei ist dafür grundlegend, wie auch Daniel Brill, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Konstanz, deutlich macht. Mit der Stadt VS bestehe eine Übereinkunft hinsichtlich der Unterbringung in der Notunterkunft „Diesbezüglich verfügen wir über einen Schlüssel“, so Brill.

Vorgehen der Polizei

Doch wie geht die Polizei überhaupt im Rahmen des Erfrierungsschutzes vor? Sollten Personen bei winterlichen Temperaturen in eine Notlage geraten, so sei eine polizeiliche Aufgabe – öffentliche Sicherheit und Ordnung – gegeben, erklärt der Polizeisprecher. Sofern die Polizei von dieser Notlage erfahre, werde sie stets geeignete Maßnahmen treffen, um eine Lösung herbeizuführen. „Diese kann orts- und personenabhängig unterschiedlicher Art sein.“

Menschen reagierten unterschiedlich stark auf kritische Temperaturen, und auch die örtlichen Gegebenheiten erschwerten oder erleichterten eine Situation unter Umständen. Generell sei Kälte um den Gefrierpunkt herum als kritisch anzusehen.

Wenn die Polizei eine schlafende obdachlose Person antreffe, dann sei es nicht unwahrscheinlich, dass sie der Polizei bekannt ist. Dies soll nicht in negativem Kontext gesagt sein, betont Brill, aber dieser Personenkreis stehe öfter als die Allgemeinheit mit der Polizei in Kontakt.

Hilfe nie abgelehnt

Daher könne man möglicherweise eher einschätzen, ob eine Person Hilfe braucht oder nicht. Im Zweifel einer Notsituation sprechen die Beamten die Person an und erörtern die Umstände. „Bislang ist uns kein Fall bekannt, bei dem Hilfe abgelehnt wurde“, fügt der Pressesprecher hinzu.

Und noch ein Angebot

Die Vesperkirche
Die Vesperkirche öffnet vom 18. Januar bis 8. Februar in der Schwenninger Pauluskirche ihre Türen und lädt unter dem Motto „Gemeinsam an einem Tisch“ täglich von 11 bis 15 Uhr zu einer warmen Mahlzeit, Kaffee und Kuchen sowie Gesprächen ein. In dieser Zeit hat die AWO-Wärmestube in der Talstraße geschlossen.