Ein Polizeihubschrauber landet bei der Hubschrauberstaffel der Polizei am Stuttgarter Flughafen. Von dort starten die Fluggeräte zu Einsätzen in ganz Baden-Württemberg – auch in die Ortenau. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Wird ein Mensch vermisst oder ein Verbrecher gesucht, kommt die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg zum Einsatz. Sie unterstützt die Polizei vor Ort – auch in der Ortenau.

Wenn Menschen in der Ortenau vermisst werden oder in der Region nach jemandem gefahndet wird, kommt die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg ins Spiel.

 

Mit ihren insgesamt sechs Fluggeräten der Marke Airbus, Typ „H 145“, ist die Staffel landesweit im Einsatz – schnell und effektiv.

Unsere Redaktion hat bei Markus Schlatter von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Einsatz nachgefragt, welche Einsätze im Kreis besonders aufsehenerregend waren, was die Hubschrauber an Bord haben – und wie so ein Einsatz eigentlich abläuft.

Wärmebild- und Tageslichtkameras helfen bei der Suche

Von wo starten die Hubschrauber?

Der Hauptsitz der Polizeihubschrauberstaffel ist am Flughafen Stuttgart, erklärt Markus Schlatter auf Nachfrage. Zudem gibt es eine Außenstelle am Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden. Der Polizeihubschrauber werde im Bedarfsfall vom regionalen Polizeipräsidium beim Polizeipräsidium Einsatz, zu dem die Hubschrauberstaffel organisatorisch gehöre, angefordert. Grundsätzlich werde der Hubschrauber eingesetzt, der den einsatztaktischen Erfordernissen entspreche und den kürzesten Anflugweg habe.

Wann kommen Polizeihubschrauber zum Einsatz?

„Hauptsächlich bei der Suche nach vermissten Personen oder bei Fahndungen, um schnell und effektiv ein größeres Suchgebiet abdecken zu können“, heißt es. Mit einem Polizeihubschrauber sei es außerdem möglich, auf kurzfristige Lageänderungen schnell zu reagieren. Die Entscheidung über die Anforderung liege bei den jeweiligen regionalen Polizeipräsidien. Ob ein Einsatz fliegerisch auch durchführbar sei, entscheide der verantwortliche Pilot.

Welche Einsätze in der Region haben besonders Aufsehen erregt?

„Generell erregt jeder Einsatz eines Polizeihubschraubers ein großes Aufsehen in der Bevölkerung“, heißt es. Die Fahndung nach dem sogenannten „Waldläufer von Oppenau“ im Juni 2020 sei ein besonderer Einsatz gewesen, der gerade auch in den Medien für großes Aufsehen gesorgt habe.

Die Fahndung nach dem sogenannten „Waldläufer von Oppenau“ im Juni 2020 war für die Polizeihubschrauberstaffel ein Einsatz, der besonders in Erinnerung blieb. Der Oppenauer Sportplatz wurde damals zur Kommandozentrale umfunktioniert. Foto: Sdmg/Kohls

Wie läuft ein Einsatz ab?

Für Einsatzanforderungen stehe der Polizeihubschrauber auf dem Vorfeld der Staffel in Stuttgart, beziehungsweise der Außenstelle, bereit. Innerhalb weniger Minuten könne er starten. „Dazu kommt noch, je nach Strecke, die Anflugzeit zum Einsatzort. Da kann es aufgrund von Wetterbedingungen wie Gegenwind zu Verzögerungen kommen“, erklärt Schlatter. Bei einem vollen Tank und einer normalen Leistungsanforderung haben die Helikopter eine sichere Flugzeit von rund zweieinhalb Stunden.

Welche Geräte helfen an Bord bei der Suche?

Neben der visuellen Suche durch die Besatzung helfen auch die an der Außenseite des Fluggeräts montierten Wärmebild- und Tageslichtkameras sowie ein Hochleistungssuchscheinwerfer für Nachteinsätze.

In welcher Höhe sind die Polizeihubschrauber unterwegs?

„Generell wird die Hubschrauberbesatzung immer versuchen, die gesetzlichen Anforderungen an die Sicherheitsmindesthöhe zu erfüllen. Wenn es einsatztaktische Gründe oder Wetterbedingungen erforderlich machen, kann die Polizei im Einsatz aber auch davon abweichen“, erklärt Schlatter das Vorgehen. Der Pilot versuche immer, so hoch wie möglich zu fliegen, um die Lärmemissionen am Boden so gering wie möglich zu halten. „In Sachen Lärmemissionen bitten wir um Verständnis. Jeder könnte selbst einmal in eine missliche Lage geraten, wo der Einsatz des Hubschraubers lebensrettend sein könnte“, heißt es.

Wie sind die Hubschrauber besetzt?

Bei einer „normalen Einsatzkonfiguration“ für eine Such- oder Fahndungsaktion sind die Helikopter mit einem Piloten und einem Copiloten sowie einem Systemoperator, der die Wärmebild- und Tageslichtkamera bedient, besetzt. Wenn fundierte Ortskenntnis im Einsatz von Vorteil sein könnte, bestehe auch die Möglichkeit, einen ortskundigen Polizisten mit an Bord zu nehmen.

Wie wird die Besatzung auf Einsätze vorbereitet?

Die Piloten der Polizeihubschrauberstaffel wurden laut Pressestelle an der Luftfahrerschule für den Polizeidienst in St. Augustin-Hangelar in einem 18-monatigen Lehrgang zu Berufsluftfahrzeugführern für Hubschrauber ausgebildet. „Dort erhalten sie die fliegerische und einsatztaktische Ausbildung. Die Systemoperatoren werden hausintern von erfahrenen Operatoren geschult und besitzen keine fliegerische Lizenz“, so Schlatter.

Wie sieht ein Tag der Hubschrauberbesatzung aus?

„Zu den typischen Aufgaben gehören neben dem Einsatzgeschehen Vor- und Nachflugkontrollen, Schwerpunktberechnungen, Befassung mit dem Wettergeschehen und den „Notice to Airmen“ – wichtige Nachrichten und Informationen über Änderungen im Luftraum – , Einsatzvor- und Nachbereitung, Dokumentation des Einsatzes und der Flugstunden und so weiter“, gibt Schlatter Auskunft. Außerdem würden die Piloten andere Polizeidienststellen bei luftrechtlichen Vorfällen oder Flugunfällen beraten.

Die Flotte

Die Hubschrauberflotte der Polizei Baden-Württemberg wurde laut Innenministerium 2016 komplett erneuert. Das neue Modell, die „H145“ der Firma „Airbus Helicopters“, sei eine der modernsten und leistungsfähigsten Hubschrauber in ihrem Segment. Sie könne auch unter schwierigen Bedingungen eingesetzt werden.