Sieht aus wie Frost, ist aber keiner: Haareis oder auch Eiswolle. Am Dienstagmorgen haben wir das seltene Phänomen zwischen Calw und Wimberg entdeckt. Wie es entsteht.
Wer die Augen offen hält, kann mit etwas Glück hin und wieder ein besonderes Naturschauspiel beobachten: Haareis. Feine Fäden aus Eis, die meist im Bogen „wachsen“.
Am Dienstagmorgen sprossen die Fäden, die auch unter dem Namen Eiswolle bekannt sind, an zwei Ästchen am Wegesrand zwischen Calw und Wimberg, etwas unterhalb des Zavelsteiner Sträßles.
Wasser des Haareises dringt aus dem Holz
Das Besondere daran: Die „Haare“ entstehen nur dann, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Und das sind viele.
Denn Haareis bildet sich auf morschem und feuchtem Totholz – und zwar aus dem Wasser, das im Holz gespeichert ist, nicht aus dem Wasser, das aus der Luftfeuchtigkeit stammt.
Es gefriert Stück für Stück
Die wichtigste Rolle dabei scheint aber ein Pilz im Holz zu spielen. Der Deutsche Wetterdienst berichtet dazu auf seiner Internetseite, ein Wissenschaftler habe das bereits im Jahr 1918 vermutet.
Neuere Untersuchungen wiesen ebenfalls darauf hin, dass ein lebender Pilz für die Bildung des Haareises verantwortlich ist. Dieser Pilz, so die These, stößt bei seinem Stoffwechsel Gase aus, die das Wasser gewissermaßen aus dem Holz schieben. Dabei gefriert es Stück für Stück – es bilden sich Fäden oder „Haare“.
Was ebenfalls darauf hinweist: Wurde der Pilz bei einem Experiment mit einem pilztötenden Mittel ausgeschaltet, bildete sich auch keine „Wolle“.
Als weitere wichtige Voraussetzung gilt indes, dass die umgebende Luft mit Wasser gesättigt ist. Und dass die Temperaturen nur knapp unter dem Gefrierpunkt liegen. Nur dann ist es einerseits warm genug, dass das Wasser im Holz flüssig bleibt, aber kalt genug, dass es gefrieren kann, wenn es an die Oberfläche tritt.