Es ist dringend! (Karikatur) Foto: Melanie Jilg

Unser Autor blickt auf das Rasthof-Drama von Mahlberg – und fasst zusammen, was man darauf lernen sollte.

Es ist wahrlich ein Horrorszenario: Nach stundenlanger Autofahrt drückt die Blase, man erreicht endlich den Rasthof, steigt aus, eilt zur Toilette – und steht vor verschlossenen Türen. So oder so ähnlich ging es einigen Autofahrern, die Anfang der Woche eine der beiden Mahlberger Raststätten ansteuerten.

 

Ein Wasserrohrbruch hat den Betrieb dort zeitweise komplett lahmgelegt. Sehr zum Leidwesen zahlreicher Autofahrer. Kein Wasser – keine Toilette, lautet die einfache Rechnung. Wohl denen, die nur ein kleines Geschäft erledigen mussten und schnell in die Büsche springen konnten. Nachträgliches Beileid an alle anderen, die unter großem Druck wieder zurück ins Auto springen und zig Kilometer weiter fahren mussten.

Ganz ehrlich: Die Geschichte braucht gar keine satirische Überzeichnung, um ins Kuriositätenkabinett einzuziehen. Vielmehr ergeben sich, wenn man seriös an das Thema herantritt, zwei spannende Erkenntnisse, aus denen es zu lernen gilt.

Erstens: Ohne Trinkwasser läuft nichts. Das Lebensmittel Nummer Eins plätschert für viele einfach selbstverständlich aus dem Wasserhahn. Tatsächlich steckt da aber seitens der Kommunen und deren Partner viel Arbeit und Know-how dahinter. Dafür sollten wir dankbar sein – auch noch bei der nächsten Preiserhöhung.

Zweitens: Wir schimpfen oft und oft auch zurecht auf die Bürokratie in Deutschland. Hier ein Formular ausfüllen, da ein Bericht erstellen – es kann sehr lästig werden. An der Mahlberger Raststätte aber litten Menschen ganz akut darunter, dass vor fast 60 Jahren nach dem Bau der Wasserleitung nicht dokumentiert wurde, wo diese entlangläuft. So ist das Leck nur schwer ausfindig zu machen und die Reparaturarbeiten verzögern sich.

Freilich sorgt nicht jedes abgeheftete (und in heutigen Zeiten hoffentlich digital abgespeicherte) Dokument einmal dafür, dass an Harndrang leidende Autofahrer das menschlichste aller Bedürfnisse verrichten können. Doch man weiß nie, wann man eine Akte doch noch einmal braucht.

Fest steht: Finden die Mahlberger das Leck, werden sie das dieses Mal genau dokumentieren. Die Blase dankt.