Die Hesse-Bahn fährt seit rund drei Monaten zwischen Calw und Weil der Stadt. Dabei kam es auch bereits zu Pannen. Foto: Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn / Frank von Meißner

Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands der Hesse-Bahn, ist „sehr zufrieden, was den Betrieb anbelangt“. Vier größere Zwischenfälle gab es dennoch bereits. Ein Überblick.

Nach und nach nimmt die Hesse-Bahn Fahrt auf. Nachdem die Züge am 1. Februar mit einem recht knappen Fahrplan von 5.30 bis 18.30 Uhr und lediglich 26 Fahrten am Tag gestartet waren, sind es seit dem 12. April bereits 40 Fahrten, die letzte geht nach Mitternacht.

 

Doch noch immer verkehrt die Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt im Stundentakt. Ab dem 14. Juni soll sich auch das ändern, der Zug jede halbe Stunde kommen und 72 Fahrten am Tag absolvieren.

25.377 Fahrgäste beförderte die Hesse-Bahn im Februar

Calws Landrat Helmut Riegger und Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn, bewerteten darüber hinaus vor Kurzem auch die ersten Fahrgastzahlen positiv.

25.377 Fahrgäste beförderte die Hesse-Bahn demnach im Februar. Gewiss, eine ausbaufähige Zahl. Riegger und von Meißner rechnen jedoch damit, dass diese kräftig steige, wenn der Zug häufiger fährt und der parallel verkehrende Bahnbus ab Juli gar nicht mehr.

Aber fährt der Zug auch zuverlässig? Ja, sagte von Meißner unlängst im Gespräch mit unserer Redaktion. „Insgesamt sind wir sehr zufrieden, was den Betrieb anbelangt.“

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass bei der Hesse-Bahn von der Strecke über die Fahrzeuge bis zum Personal alles neu sei. Und es zudem nur eine kurze Testphase gegeben habe.

Aber, räumt der Geschäftsführer ein: „Nichtsdestotrotz hatten wir Ausfälle.“ Vier größere Vorkommnisse gab es in den vergangenen drei Monaten.

Die erste Panne trat bereits am zweiten Betriebstag Anfang Februar auf. Und die hatte einen kuriosen Grund.

Großer Andrang herrschte bei der Jungfernfahrt der Hesse-Bahn am 31. Januar. Foto: Felix Biermayer

Wie das Landratsamt Calw damals auf Anfrage unserer Redaktion erklärt hatte, war der Triebfahrzeugführer des Zugs in Calw kurz ausgestiegen, um am Bahnsteig eine routinemäßige Kontrolle vorzunehmen.

Dabei fiel die Tür des Führerstands ins Schloss und verriegelte sich – während sich der Schlüssel noch im Inneren befand. In modernen Zügen wiederum ist der Führerstand aus Sicherheitsgründen nicht ohne Weiteres zugänglich. Und so musste ein Kollege von einem anderen Standort mit einem Ersatzschlüssel anrücken. Bis dahin stand die Bahn still.

„Äußerst seltenes Szenario“: Reservefahrzeug fällt aus

Die zweite Panne legte am 15. März, einem Sonntag, zeitweilig den Betrieb lahm. Laut DB Regio kam es an diesem Tag zu einem „äußerst seltenen Szenario“: Eine technische Störung, die sofort überprüft werden musste, brachte eines der regulär eingesetzten Fahrzeuge zum Stillstand.

Eigentlich kein Problem. Dafür gibt es ein Reservefahrzeug. Dummerweise hatte dieses zeitgleich ebenfalls eine Störung gemeldet und konnte nicht zur Hilfe anrücken.

Kurz vor Ostern kam es zur dritten Panne, berichtet Geschäftsführer von Meißner im Gespräch. Weil der Mast einer Telekom-Leitung bei Weil der Stadt nachgegeben habe, hing diese Leitung plötzlich auf Zug-Höhe.

Die Hesse-Bahn riss sie ab – und das Schienenfahrzeug musste erst mal auf mögliche Schäden untersucht werden, bevor es weiter Passagiere transportieren durfte.

Der vierte und bislang letzte bekannte größere Zwischenfall trug sich schließlich am 10. April zu. Ein Handwerker, der eigentlich zum Hesse-Bahn-Tunnel bei Althengstett wollte, hatte sich im Wald bei Calw verfahren.

Befürchtung: Fahrzeug stürzt auf Schienen der Hesse-Bahn

Oberhalb des Tunnels zwischen Calw und Hirsau, am Hang nahe des Tunnelausgangs am Welzberg bei Calw, blieb er mit seinem Fahrzeug auf einem Waldweg stecken, der überhaupt nicht für normale Fahrzeuge geeignet ist. Die rechte Seite des Autos hing teils in der Luft – in Richtung Gleise der Hesse-Bahn.

Weil die Befürchtung bestand, dass das Fahrzeug auf die Schienen stürzen könnte, durfte die Hesse-Bahn an dieser Stelle nur auf Sicht fahren, bis die Feuerwehr das Auto gesichert und die Strecke wieder freigegeben hatte – also so langsam, dass sie im Bedarfsfall noch bremsen könnte. Der Fahrplan geriet entsprechend durcheinander.

Am positiven Fazit des Geschäftsführers von Meißner ändern die Vorfälle indes nichts. Abgesehen von den genannten Zwischenfällen und kleineren Verzögerungen laufe der Betrieb insgesamt rund „und zuverlässig wie ein Uhrwerk“.

Fahrpläne und Ausflugstipps: www.Hermann-Hesse-Bahn.de unter der Rubrik Fahrplan.