Unter dem Motto „Kids save Lives“ wurde den Schülern der siebten Klasse an der Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule gezeigt, wie man Leben retten kann. Ein Projekt, dass flächendeckend ausgerollt werden soll.
Viele Menschen verdrängen allzu gerne, dass der plötzliche Herztod auch sie selbst ereilen kann. Die Siebtklässler der Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule (HIP RS) haben gelernt, dass dieses Schicksal uns alle treffen kann, egal wie alt oder jung wir sind. Nur wenn beim Herzstillstand unverzüglich geholfen wird, kann man überleben.
Nun startete eine Aktion, die unter dem Motto „Kids save Lives“ in die gesamte Region ausstrahlen wird. Die gute Nachricht: „Diese Hilfsmaßnahmen zu lernen, ist kinderleicht.“
Vor einem TV-Millionenpublikum
Das Beispiel des dänischen Fußballers Christian Eriksen ist noch vielen in Erinnerung. Am 15. Juni 2021 brach der dänische Nationalspieler bei der Fußball-Europameisterschaft vor einem TV-Millionenpublikum zusammen. Er erlitt in der 41. Minute den plötzlichen Herztod.
Das geschockte Publikum im Stadion erlebte mit, wie durch beherztes und richtiges Eingreifen der Helfer an Ort und Stelle der Fußballstar zurück ins Leben geholt wurde. Eriksen kickt heute wieder.
Die Calwer Realschüler lernten, was zu tun ist, wenn ein Mensch zusammenbricht. Als erste Schule überhaupt im Schulamtsbezirk Pforzheim/Calw war die HIP-Realschule Gastgeber einer Auftaktveranstaltung zu einem gemeinsamen Projekt.
Die „Stiftung für die Region Sparkasse Pforzheim/Calw“ und das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Calw initiierten das Projekt „Wiederbelebung an der Schule im Landkreis Calw“. Es soll nun in sämtlichen siebten Klassen aller weiterführenden Schulen durchgeführt werden.
Mindestens 70 000 Menschen sterben
Da die Veranstaltung laut Rektorin Claudia Hein-Lutz als eine mit „Strahlkraft in den gesamten Schulamtsbezirk hinein“ gilt, kamen Gäste mit Schlips und Kragen ins Forum am Schießberg. Mit dabei Calws Oberbürgermeister Florian Kling, Norbert Weiser (stellvertretender Präsident des Calwer DRK-Kreisverbandes), Thomas Seeger (Kreisgeschäftsführer DRK Calw) sowie DRK-Koordinatorin für Schularbeit, Michaela Läpple, um gemeinsam mit den Schülern die lebensrettenden Maßnahmen in der Praxis kennenzulernen und zu üben.
Die Geschäftsführerin der Sparkassen-Stiftung „Mit Herz und Hand“, Katrin Zauner, wies im Gespräch mit der Redaktion darauf hin, dass in Deutschland jährlich mindestens 70 000 Menschen an einem plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand sterben. Der Appell an die Politik ist, flächendeckend jährlich eine Doppelschulstunde pro Jahr anzusetzen. „Kinder lernen durch das regelmäßige Training angstfrei zu helfen.“
10 000 Leben zusätzlich gerettet
Wäre Wiederbelebung in Deutschland so selbstverständlich wie in den skandinavischen Ländern, könnten so jährlich mindestens 10 000 Menschenleben zusätzlich gerettet werden. Seit in Dänemark Wiederbelebungsunterricht für alle Schüler gesetzlich festgeschrieben ist, überleben dort dreimal mehr Menschen den plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand.
Der aus Köln angereiste Referent Bernd Böttiger hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema in das Bewusstsein aller Menschen zu transportieren. „Wiederbelebung kann man in einer Minute lernen“, so die Message des Mediziners und Bundesarztes des Roten Kreuzes.
In diesem Alter am besten geeignet
Gründe genug für Stiftung, DRK und Schulen, um eine flächendeckende und nachhaltige Ausbildung der gesamten Bevölkerung voranzutreiben. Denn man hat erkannt, dass Kinder gerade in diesem Alter am besten geeignet sind, diese Maßnahme zu lernen.
Gemeinsam mit Jovin Bürchner vom DRK-Landesverband, zuständig für die Schularbeit, machte Böttiger den jungen Realschülern Lust, eine Herzdruckmassage (zur Erinnerung: Diese rettete Eriksen das Leben) auszuprobieren.
25 Übungspuppen
Die Kinder lernten das Einmaleins der ersten Hilfe, das jeder Menschen kennen sollte, sobald ein solcher Notfall vorliegt: „Prüfen (Atmung, Reflexe) – Rufen (Rufnummer 112) – Drücken.“ Letztendlich sind es dann die „drei H“ (Hauptsache heftige Herzmassage), die unerlässlich sind.
Bürchner hatte 25 Übungspuppen mitgebracht. Mit großem Eifer wurde in Zweiergruppen geübt, um sich immer wieder abwechseln zu können. Denn eine Pause darf nicht entstehen. „Kein Druck heißt kein Sauerstofftransport an das Gehirn.“ In der Minute 120 mal drücken, entpuppte sich als körperliche Herausforderung. Doch ist sie unverzichtbar, bis der gerufene Rettungsdienst eingetroffen ist.
„Ihr seid nun wichtige Multiplikatoren“
Auch der Calwer OB Kling drückte mit und war sichtlich froh, als er nach einer Minute vom DRK-Repräsentanten Norbert Weiser abgelöst wurde.
Einen Rat hatte das Stadtoberhaupt für die Schüler parat: „Ihr könnt nur eines falsch machen: Das ist, wenn ihr gar nicht handelt. Alles andere, was ihr macht, ist richtig.“ Böttiger gab den 50 Schülern eine Hausaufgabe auf: „Ihr gebt das, was ihr heute gelernt habt, zehn anderen Menschen weiter. Denn ihr seid nun wichtige Multiplikatoren.“
„Das DRK wird nun alle weiterführenden Schulen im Bezirk anschreiben, damit auch dort diese Schulung durchgeführt werden kann“, so das Ziel von Katrin Zauner und ihrer Stiftung.