Schwäche und schnelle Erschöpfung können zu den Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion gehören. Foto: AOK

Im Landkreis Rottweil waren im vergangenen Jahr 164 AOK-Versicherte wegen Long Covid in Behandlung – Frauen deutlich häufiger als Männer.

Schwäche und schnelle Erschöpfung, eingeschränkte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie anhaltende Atem- und Muskelbeschwerden: Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion können unterschiedliche Organsysteme betreffen und sich bei den betroffenen Personen unterschiedlich äußern. Gemeinsam haben alle Betroffenen eines – ihre Lebensqualität und ihr Alltag sind beeinträchtigt. Im Landkreis Rottweil waren laut Pressemitteilung im vergangenen Jahr 164 Versicherte der AOK wegen Long Covid in ärztlicher Behandlung – 101 von ihnen waren Frauen. „Von Long Covid scheinen Mädchen und Frauen häufiger als Jungen und Männer betroffen zu sein“, sagt Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei der AOK Baden-Württemberg.

 

„Unter Long COVID werden längerfristige, gesundheitliche Beeinträchtigungen im Anschluss an eine SARS-CoV-2-Infektion verstanden, die über die akute Krankheitsphase von vier Wochen hinaus andauern“, so die AOK-Ärztin weiter. Insbesondere nach einer schweren Infektion können die Beschwerden monatelang andauern. „Erwachsene, die wegen einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus behandelt wurden, haben häufiger Long Covid als dies bei Personen mit milden oder wenig symptomatischen Verläufen der Fall ist“, erläutert Isaksson.

Aber auch milde oder symptomlos verlaufene SARS-CoV-2-Infektionen können nach aktuellem Wissensstand Langzeitfolgen haben. Es gibt Hinweise darauf, dass eine SARS-CoV-2-Infektion als mögliche Folge zu Beeinträchtigungen der Lungen- und Nierenfunktion sowie zu einer Zunahme anderer Gesundheitsproblem führen könnte. Bei einem Teil der Betroffenen tritt eine chronische Beeinträchtigung der körperlichen und psychischen Funktionsfähigkeit auf, so die AOK. Die Ursachen für dieses Syndrom sind bislang ungeklärt, aber Immunreaktionen nach Virusinfektionen spielen eine Rolle.

Long-Covid-Richtlinie

Die Ursachen von Long Covid sind bislang nur unzureichend verstanden, was die Diagnostik und Behandlung von Langzeitfolgen erschwert. Für Betroffene ist der Hausarzt oft die erste Anlaufstelle. „Eine spezifische medikamentöse Therapie existiert aktuell leider noch nicht, sodass die Betroffenen symptomatisch behandelt und in ihrer Alltagsfähigkeit unterstützt werden“, so Alexandra Isaksson. Aufgrund der häufig mehrere Organe betreffenden Symptomatik sei eine interdisziplinäre Versorgung sinnvoll.

„Für Schwerstbetroffene oder Patienten mit komplexem Versorgungsbedarf wird eine Behandlung in Spezialambulanzen empfohlen“, so die AOK-Expertin weiter. Für eine verbesserte, bedarfsgerechte und zeitnahe Versorgung wurde Ende 2023 die Long-Covid-Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschuss veröffentlicht. Hier sind der Ablauf der Diagnostik und Behandlung sowie Regelungen für die berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung beschrieben.

Projekt zur Therapie

„Um die Versorgung von Long Covid zu verbessern, werden aktuell in Deutschland und international viele Medikamenten- und Therapiestudien durchgeführt“, so Isaksson. Die AOK Baden-Württemberg unterstütze Betroffene mit dem Programm „Long Covid Coach“ – ein Gemeinschaftsprojekt des Universitätsklinikums Heidelberg und des AOK-Bundesverbandes, mit Unterstützung der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl.

Das Programm bietet einen Überblick über die Erkrankung, Therapiemöglichkeiten und Übungen zur Linderung von Beschwerden.

Erschöpfung durch Covid

Unterstützung für Betroffene