Eine Erweiterung der Ganztagskapazitäten zur Betreuung von Grundschulkindern in Schwanau ist aufgrund des geringen Bedarfs laut Elternrückmeldungen nicht notwendig.
Um dem Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern zu ermöglichen, hatte sich der Schwanauer Gemeinderat bereits im März auf eine Übergangslösung geeinigt. Solange die geplante neue Grundschule noch nicht steht, sollten die Schwanauer Kinder im Hort im Kinderhaus Regine Jolberg betreut werden. Bereits im Januar hatte der Hort zugestimmt, bei Bedarf seine Kapazitäten ab kommendem Schuljahr zu verdoppeln und bis zu 20 Plätze mehr anzubieten, wenn genügend Eltern den Rechtsanspruch geltend machen würden.
In der Sitzung am Montagabend verkündete Bürgermeister Marco Gutmann nun Neuigkeiten zur Thematik – im Februar waren an alle Eltern von Kindern, die nach den Sommerferien die erste Klasse in Schwanau besuchen werden, Fragebögen verschickt worden. Insgesamt betrifft dies 53 Kinder, von 34 ihrer Eltern erhielt die Gemeinde Rückmeldung.
„Ich finde es sehr schade, dass sich nur knapp zwei Drittel zurückgemeldet haben“, erklärte Gutmann in der Sitzung. „Das stimmt einen etwas nachdenklich, besonders weil uns das Thema politisch so viel beschäftigt.“ Durch die eher geringe Rücklaufquote sei auch die Umsetzung schwieriger. Ebenfalls einen Fragebogen zu ihrer geplanten Nutzung des Rechtsanspruch erhielten die Eltern, die ihre Kinder aktuell bereits im Hort betreuen lassen. Von den 20 gebuchten Hortplätzen meldeten sich zunächst zwölf Eltern zurück, durch mündliche Befragungen lagen zum Zeitpunkt der Sitzung dann aber doch die Ergebnisse von allen vor.
Zwei der zukünftigen Erstklässler werden den Rechtsanspruch nutzen – für beide Familien ist allerdings eine Betreuung von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr ausreichend, die erweiterten Zeiten bis spätestens 16.45 Uhr wollen sie nicht nutzen. Die Eltern der 32 übrigen Kinder gaben an, von ihrem Rechtsanspruch keinen Gebrauch machen zu wollen – auch nicht im Rahmen der Ferienbetreuung. Diese sieht vor, dass zehn Ferienwochen im Schuljahr abgedeckt sein müssen, jeweils für acht Stunden täglich. Der Hort im Kinderhaus Regine Jolberg hatte sich bereiterklärt, auch hier seine Kapazitäten bei Bedarf zu erhöhen.
Die beiden Kinder, deren Eltern den Rechtsanspruch während der Schulzeit nutzen wollen, planen dies laut Ergebnissen des Fragebogens auch in den Ferien. Eine Familie möchte ihren Anspruch für vier Wochen geltend machen, die andere gab an, alle zehn Wochen nutzen zu wollen. Andreas Biegert (CDU) hakte im Rat nach: „Ist es denn rechtlich erlaubt, sein Kind das ganze Jahr über betreuen zu lassen? Ein Kind sollte doch auch mal Urlaub haben“. Gutmann entgegnete, dass dies nicht möglich sei – auf dem Fragebogen habe es aber erst einmal die Möglichkeit gegeben, alle Ferienwochen anzukreuzen.
Von den 20 Kindern, die aktuell bereits den Hort besuchen, werden im kommenden Schuljahr zwölf weiterhin das Angebot nutzen – neun von ihnen im vollen Umfang und drei das verkürzte Angebot. Hinzu kommen die beiden Erstklässler, die ihren Rechtsanspruch nutzen wollen.
Ganztagsbetreuung wird 2027 erneut im Rat besprochen
Daraus ergibt sich, dass von den aktuell 20 Hortplätzen, die bei Bedarf auf 40 hätten erweitert werden können, nach den Sommerferien nur 14 genutzt werden. Den übrigen Eltern von Schwanauer Eltern genüge die Betreuung im Rahmen der verlässlichen Grundschule. Da der Rechtsanspruch nun in jedem Schuljahr auf einen weiteren Jahrgang der Grundschule ausgeweitet wird, soll das Thema im kommenden Jahr erneut von der Verwaltung angegangen werden.
„Es hat sich bewährt, dass wir bei diesem Thema auf Sicht gefahren sind“, merkte Dagmar Frenk (SPD) an. Erst einmal den Bedarf der Eltern zu ermitteln, bevor die Kapazitäten des Horts voreilig erweitert wurden, habe sich als gute Strategie herausgestellt. „Es ist aber auch gut zu wissen, dass wir irgendwann eine schöne Grundschule haben. Für mich ist die aktuelle Lösung immer noch ein Provisorium – aber eines, dass wir gut hinbekommen haben“, so Frenk.
Weitere Anmeldungen möglich
Der Saarländische Schwesternverbund, Träger des Horts im Kinderhaus Regine Jolberg, gibt an, durch die Anmeldungsergebnisse einen Spielraum von sechs freien Plätzen zu haben. Dadurch könne man auch auf Eltern reagieren, die nachträglich noch Bedarf anmelden.