In zwei Jahren will die Zellerschule die Baustellenzeit hinter sich haben. Aktuell liegen die Schülerzahlen bei den Fünftklässlern deutlich unter der Prognose. Foto: Heiko Hofmann

Fast bei allen weiterführenden Schulen in Nagold bleiben die Anmeldezahlen hinter den Erwartungen zurück. Dabei hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen entwickelt wie angenommen. Was sind also dann die Gründe, dass man den Prognosen hinterherhinkt?

Alle Schulen befinden sich mittlerweile in einem Konkurrenzkampf. Nicht jeder Schulleiter mag das so offen aussprechen oder zugeben. Doch letztlich ist es so. Und das gilt nicht nur für die Nagolder Schulen untereinander.

 

Zwei Nagolder Schulen haben zum Beispiel ganz explizit unter der Anziehungskraft von Bildungseinrichtungen in benachbarten Kommunen zu leiden. Unter den Erwartungen aber sind bis auf die Burgschule alle weiterführenden Schulen in der Stadt Nagold geblieben.

Die Zahlen des aktuellen Schulberichts sprechen eine deutliche Sprache. Der Blick gilt den Fünftklässlern im vergangenen Schuljahr. Statt prognostizierten 104 Schülern kamen vergangenes Schuljahr nur 93 neue Fünfer in die Christiane-Herzog-Realschule. 92 neue Realschüler kamen in diesem Schuljahr an die CHR. Am OHG waren 169 Fünfer prognostiziert – 156 kamen wirklich, in diesem Schuljahr haben sich gar nur 149 fürs OHG angemeldet. Die Burgschule Nagold blieb als einzige über der Prognose: Statt 67 stieg dei Zahl der Anmeldungen im vergangenen Schuljahr auf 75 und in diesem Jahr sind es 67.

Problemkind Zellerschule

Wirklich problematisch ist die Entwicklung an der Zellerschule, der Nagolder Gemeinschaftsschule. Die Prognose ging für das Schuljahr 2023/24 von 39 Fünftklässlern aus, nur 30 waren es dann wirklich. Und in diesem Schuljahr sank die Zahl der angemeldeten Fünftklässler laut städtischer Schulverwaltung sogar auf 20. Das hat Folgen: Statt der bisherigen Zweizügigkeit, ist der neue Fünferjahrgang nur einzügig.

Im Schulbericht kommt die Stadt zu der Analyse: „Bereits in den vergangenen Jahren hatten wir eine hohe Abwanderungsquote an die benachbarten Gemeinschaftsschulen Jettingen und Ebhausen zu verzeichnen. Im aktuellen Schuljahr ist die sehr niedrige Anmeldezahl vermutlich auch noch auf die anstehende Baumaßnahme zurückzuführen.“

Ziel müsse es sein, die Familien trotz der Neubauphase von der Qualität der Schule und einer gut funktionierenden Interimslösung zu überzeugen. Weiter stagnierende Anmeldezahlen würden sich ansonsten durch die Folgejahre ziehen, „auch wenn die Zellerschule bereits in neuem Glanz erstrahlt“.

Unter guten Angeboten in der Nachbarschaft leidet auch die Realschule in Nagold. Im städtischen Schulbericht heißt es dazu: „Darüber hinaus wandern auch Schüler aus dem Nagolder Einzugsgebiet für die Realschule in die umliegenden Schulen ab. Unter anderem die guten Busverbindungen bieten den Familien hier mehr Spielraum, sich auch für andere Schulangebote zu entscheiden.“ Das Problem dabei: Nicht nur die Schüler wandern ab, sondern natürlich auch die Sachkostenbeiträge des Landes.

Ziel intensiv weiterverfolgen

In dem Schulbericht schreibt die Stadt: „Das Ziel, einen guten Schulstandort zu bieten muss nach wie vor intensiv weiterverfolgt werden. Neben einem guten Schulkonzept ist dafür auch die Ausstattung der Schulen ausschlaggebend.“

Bei der Zellerschule sind hier natürlich viele Erwartungen mit den nun gestarteten Neu- und Umbauarbeiten verknüpft. Doch bis dahin will man Eltern und Schüler trotz der aktuellen baustellenbedingten Übergangslösung mit Klassenzimmer-Containern und Ausweichklassenzimmern in der Nachbarschaft von der Qualität der Schule überzeugen, um „weitere stagnierende Anmeldezahlen zu verhindern“. Denn die Prognose ist eigentlich gut und liegt auch in den nächsten Jahren bei 40 bis 50 Schüler in der 5. Klasse, was eine dauerhafte Zweizügigkeit bedeuten würde.