Die Sanitäter können im Kinzigtal relativ ruhig ihrer Arbeit nachgehen. Zwar gebe es manchmal Probleme mit anderen Verkehrsteilnehmern, aber von Übergriffen bleiben die DRK-Kräfte verschont. Foto: Walzberg (Symbolbild)

Die Silvesternacht hat deutschlandweit für eine Debatte im Umgang mit Einsatzkräften geführt. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte wurden angegangen. Im Kinzigtal ergab sich nicht nur an Silvester ein anderes Bild.

Mittleres Kinzigtal - Mehr als 280 Übergriffe gegen Einsatzkräfte wurden in der Silvesternacht in Deutschland registriert. Während Berlin mit mehr als 100 Übergriffen trauriger Spitzenreiter ist, wurden in Baden-Württemberg nur einstellige Zahlen übermittelt. Das Kinzigtal ist dort kein Sonderfall. Unsere Redaktion hat nachgefragt, ob nur die Silvesternacht so ruhig verlaufen ist oder ob Übergriffe gegen Einsatzkräfte ansonsten häufiger vorkommen.

Das sagt die Polizei: "Das Kinzigtal ist kein Hotspot der Gewalt", stellt Wolfgang Kramer aus der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg heraus. Nicht nur an Silvester sei alles ruhig geblieben. Von 2017 bis 2021 wurden pro Jahr lediglich zehn bis zwölf Übergriffe gegen Polizisten im Kinzigtal zur Anzeige gebracht. "Hier im Ländlichen Raum ist es ruhiger als in einigen Städten. Hier ist die Welt zum Glück noch in Ordnung", fasst Kramer zusammen. Den Polizisten werde das Leben nicht schwer gemacht.

Mit dem Blick auf das gesamte Gebiet des Polizeipräsidiums sei die Anzahl der Übergriffe in Haslach beispielsweise auf dem Niveau von Gaggenau und Bühl – und damit am Ende der Tabelle.

Das sagt das DRK: Volker Halbe, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbands Wolfach, gibt für die Rettungskräfte im Kinzigtal ebenfalls Entwarnung. "Wir haben bislang keine Vorfälle mit Übergriffen gegen unser Team registriert", freut sich der DRK-Kreis-Chef. Er vermutet, dass Probleme in dem Bereich "eher weiter unten am Rhein" auftauchen.

Immer mal wieder käme es bei Einsätzen natürlich vor, dass der Rettungswagen von Verkehrsteilnehmern nicht wahrgenommen werde und so die Anfahrt behindert wird. "Wenn wir gesehen werden, machen die Leute aber auch Platz. In der Regel funktioniert das gut", so der Kreisgeschäftsführer.

Ein Grund für die friedlich ablaufenden Einsätze im Kinzigtal sieht Halbe auch in einem natürlichen Gefälle beim Thema Gewalttaten zwischen Stadt und Land. Daher seien für den DRK-Kreisverband Wolfach auch keine Dashcams geplant, um Einsätze besser zu protokollieren.

Das sagt die Feuerwehr: "Bei der Feuerwehr Haslach haben wir in dieser Hinsicht bislang noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Neugier und Wunderfitz bei der Bevölkerung sind sicherlich auch vorhanden, aber eine Behinderung unserer Arbeit dadurch gab es noch nicht. Wir profitieren hierbei möglicherweise von unserer ländlichen Lage. Auch haben wir nicht die Einsatzzahlen der Feuerwehren in den Großstädten. Da wir bislang noch keine Notwendigkeit, beziehungsweise Nutzen von Dashcams gesehen haben, wurde das Thema noch nicht diskutiert", so Markus Knupfer von der Feuerwehr Haslach.

Das sieht der Kommandant der Hausacher Wehr, Adrian Stirm, ähnlich. Auch dort hat es noch keine Gewalt gegen Einsatzkräfte gegeben. Thema seien aber immer wieder Gaffer beziehungsweise Menschen, die mit dem Handy alles festhalten wollen und ein wenig "pampig" reagieren, wenn man sie bittet, nicht zu filmen oder fotografieren.

 "Grundsätzlich finde ich hohe Strafen bei Gewalt gegen Rettungskräfte angebracht. Man muss bedenken, dass im Kinzigtal die Feuerwehrleute zu 99 Prozent freiwillig da sind. Das heißt, sie opfern ihre Freizeit, um anderen Menschen zu helfen. Wer sich hierbei blöd anmachen lassen oder Gewalt verspüren muss, der hat bald keine Lust mehr, Menschen zu helfen und das in einer Zeit, wo es immer schwieriger wird Menschen für das Ehrenamt zu begeistern", so Stirm.

 Das Thema Dashcams sieht Stirm zwiegespalten. Es sei traurig, dass man diese brauche, weil man Angst haben muss, dass Dritte Gewalt ausüben. Anderseits sei es sicher für manche Einsatzlage hilfreich, um Beweise zu sichern. Momentan ist er nicht für Dashcams, zumindest nicht, um Beweise wegen Gewalt zu sammeln. Die Feuerwehr habe im ländlichen Bereich noch ein sehr hohes Ansehen. "Das ist es auch, was jeden Feuerwehrmann motiviert", informiert Stirm.

Uwe Bähr, Kommandant der Hornberger Feuerwehr, ist sein Unverständnis für Menschen, die die Rettungskräfte anpöbeln und attackieren, im Gespräch anzumerken. Er und seine Kameraden seien zwar noch nicht behindert worden, aber für so einen Fall sei er schon für härtere Strafen.

Wolfgang Kramer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Offenburg, informiert auf Nachfrage, wie die Einsatzkräfte im Kinzigtal mit Body-Cams ausgestattet sind: "Wir sind gut ausgerüstet. Jede Streife im Revier Haslach hat eine Body-Cam dabei". Haslach sei damit auch besser aufgestellt, als andere Reviere. Es gebe vom Innenministerium keine Datenerfassung, ob Straftaten mit Body-Cams besser aufgeklärt werden. "Trotzdem bewerte ich die Kameras positiv. Sie haben eine abschreckende Wirkung und können eine Eskalation verhindern", sagt Kramer.