Die Experten Jutta Breitschwerd (von rechts), Markus Schoor und Matthias Weber diskutierten eifrig mit den acht anwesenden Bürgern. Foto: Decoux

Von Städtebau über Mobilität bis zum Naturschutz: Ettenheim hat nach einer nun ausgewerteten Umfrage zu einer Bürgerwerkstatt unter dem Motto "Ettenheim aktiv gestalten" eingeladen. Erschienen waren allerdings nur acht Ettenheimer.

Ettenheim - Die acht anwesenden Bürger, darunter sechs Frauen, wunderten sich im Bürgersaal des Rathauses selbst über die geringe Beteiligung an der Bürgerwerkstatt, die fachlichen Akteure focht das nicht an. Neben Jutta Breitschwerd vom "Institut für kommunikatives Handeln", die auch moderierte, waren das Matthias Weber von der "Kommunalkonzept-Sanierungsgesellschaft" und Ettenheims Bauamtsleiter Markus Schoor. Es war dazu eingeladen worden, besonders zu den Schwerpunktthemen Städtebau, Mobilität, soziale Infrastruktur sowie Naturschutz, Nachhaltigkeit und Energie zu diskutieren.

Zuvor hatte Breitschwerd ausführlich die Ergebnisse der nun ausgewerteten Bürgerumfrage präsentiert. An der hatten 142 Bürger teilgenommen, davon 72 aus der Innenstadt – mit vielen interessanten Meinungen. Das sei natürlich nicht repräsentativ, dennoch aufschlussreich (wir werden noch ausführlich berichten).

Viele neue Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität

Wegen der überschaubaren Teilnehmerzahl war auf die geplante vorherige Bildung von Arbeitsgruppen verzichtet und stattdessen gleich im Plenum diskutiert worden. In weit über einer Stunde entwickelten die Bürger dabei Punkt für Punkt viele teils neue Ideen samt konkreten Vorschlägen zur gezielten Verbesserung der Lebensqualität in Ettenheim. Etwa zur Stärkung der bisherigen Bürgerbeteiligungs-Bemühungen. Über die müsse mehr informiert werden, einschließlich verstärkter Werbung und persönlichen Ansprachen sogar per Info-Ständen. Für ein Entwicklungskonzept bis 2040 wurde aufgelistet, dass bei Bebauungsplänen auch für Mischgebiete mehr an Strukturen gedacht werden solle, auch mit mehrstöckigen Nutzungen.

Mehr Infos zum Thema Wohnraum und Generationenwohnen erwünscht

Dann das Thema Wohnraum: Da sollen mehr Anreize geschaffen und zum Generationenwechsel samt Umzugshilfen beraten werden, auch durch Architekten oder Mehrgenerationenhäusern.

Und die Wirtschaft? Da müsse man das Dienstleistungsangebot stärken, um bessere Nahversorgung und mehr Arbeitsplätze bemüht sein, fanden die Anwesenden.

Beim Abarbeiten von weiteren Themen wurden die Vorschläge immer zahlreicher – etwa zur Innenstadt. Da möge man doch andenken, die Fußgängerzonen autofrei zu machen oder zumindest den Durchgangsverkehr fernzuhalten, etwa in dem man Umfahrungsmöglichkeiten schaffe oder Leihfahrräder anbiete. Hinterfragen müsse man die Nahversorgung im Zentrum: Was gäbe es da an besonderen Angeboten, damit die Kunden nicht zum den Internet-Handel abwandern?

Und die Mobilität? Da sei weiterhin eine bessere Anbindung an den Orschweierer Bahnhof samt besser getakteten Bussen gefragt, die auch mal auf verspätete Züge warten. Auch in Puncto Verkehr häuften sich die Merkzettel an den Tafeln, etwa mit Radweg-Vorschlägen, Barrierefreiheit, Tempo 30 in der Otto-Stoelcker-Straße und vielem mehr.

In Sachen Klimaschutz wollen die Bürger auf mehr Begrünung und Photovoltaik in der Innenstadt setzen. Zudem wurden Dachbegrünungen, Windkraftanlagen angeregt.

Bei der Infrastruktur kam besonders die Jugend zur Sprache. Für die brauche es Treffpunkte, sogar autonome, die man auch über Schülerumfragen ermitteln sollte.

Anregungen werden an den Gemeinderat weitergegeben

Den acht Bürgern war klar, dass manche ihrer Vorschläge an Grenzen stoßen, so durch gesetzliche Regelungen oder Finanzierungsprobleme. Das sei dann Sache von Experten und des Gemeinderats als entscheidendes Gremium. Dennoch, machte Breitschwerd ihnen Mut, solle ohne solche Tabus weiter gedacht werden. Sie jedenfalls habe an diesem Abend weitere Anregungen mitgenommen, die dem Gemeinderat vorgetragen werden. Vielleicht könne die Bürgerbeteiligung mit weiteren Workshops noch mehr Druck ausüben. Vor dem hatte Bauamtsleiter Schoor keine Angst. Er verwies darauf, dass die Stadt viele Probleme schon selbst erkannt habe und angegangen sei. Dennoch freue man sich über eine möglichst aktive Bürgerschaft.