Der Förderverein zum Erhalt der Trillfinger Wendelinskapelle hat eine wichtige Entscheidung getroffen: er will die zwischen 1764 und 1767 erbaute Kapelle in seinen Besitz übernehmen – vorausgesetzt Landratsamt und Denkmalschutz stimmen zu.
Die Genehmigung der Kreisbehörde steht nämlich noch aus, damit der Verein die Kapelle aus dem Besitz der Stadt Haigerloch übernehmen und so restaurieren kann, dass das derzeit für Publikumsverkehr gesperrte Gotteshaus am höchsten Punkt Trillfingens wieder begehbar ist.
Kreisbehörde hakt bei der Stadt nach
In der Hauptversammlung des Fördervereins wurde zwar nicht über die Lösung der offenen Fragen gesprochen, bis die Sache in trockenen Tüchern ist, aber der derzeitige Sachstand scheint zu sein, dass die Kreisbehörde von der Stadtverwaltung etwas genauer erklärt haben möchte, warum sie dem Förderverein das Gebäude – bis heute Schauplatz des traditionellen Trillfinger Schäferjahrtags – als Eigentum überlassen möchte.
Um die endgültige Zustimmung des Landratsamtes für die Übertragung zu erlangen, geht es für die Stadt nun offenbar darum, der Behörde plausibel zu machen, dass dies aus ihrer Sicht die kostengünstigere Lösung ist.
Fachbüro hat Wendelinskapelle schon 2020 untersucht
Tatsächlich hat das Ingenieurbüro Grau aus Bietigheim-Bissingen im Dezember 2020 das Dachtragwerk der Kapelle gründlich untersucht und die Schäden seinerzeit in einer 28-seitigen Expertise zusammengefasst. Dabei kamen Sanierungskosten von brutto über 393 000 Euro zusammen.
Rechnet man weitere erforderlichen Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten hinzu, dürften sich die Sanierungskosten mittlerweile auf 500 000 Euro summieren – das war zumindest der im Oktober 2024 vermeldete letzte Stand.
Sehr viel Geld und in der schwierigen aktuellen Haushaltlage ist eine Sanierung der Wendelinskapelle für die Stadt auf absehbare Zeit nicht finanzierbar.
Förderverein hat selbst Angebote eingeholt
In diese Bresche will der vor drei Jahren gegründete Förderverein springen. Sein Ziel: Geld sammeln und mit Hilfe einer finanziellen Unterstützung der Stadt die Kapelle zumindest so zu ertüchtigen, dass sie wieder geöffnet werden kann. Erste Kostenvoranschläge für die Erneuerung der Träger-Pfetten und Sicherung der Fußpunkte der Turmstützen sowie die Innen- und Außensanierung der Nord-, Süd- und Westseite der Kapelle hat der Förderverein bereits eingeholt und diese Angebote liegen zusammengerechnet im fünfstelligen Bereich (Stand: Kostenaufstellungen Frühjahr 2024).
Die Aufgabe scheint also machbar, auch wenn zu den genannten für den Förderverein Positionen Arbeiten wie die Verstärkung der Kapellen-Fundamente auf der Südseite oder die Ertüchtigung des Vordachs über dem Eingangsportal dazukommen.
Stadt gewährt Förderverein Sanierungszuschuss
Damit das alles möglich ist, steht dem Verein inzwischen ein Guthaben von rund 32500 Euro zur Verfügung, das aus Aktionen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden zusammengekommen ist. Dazurechnen muss man einen Zuschuss der Stadt Haigerloch in Höhe von 55 000 Euro.
Das war die Summe, auf die sich der Gemeinderat einigen konnte, obwohl der Förderverein eigentlich gerne 75 000 Euro gehabt hätte. Angesichts vieler zur Haushaltskonsolidierung gestrichener Investitionsprojekte war Ortsvorsteher Horst Henle jedoch heilfroh, dass selbst dieser Betrag nicht in Frage gestellt wurde und immer noch im Haushaltsentwurf der Stadt für 2025 steht.