Foto: Zoller/„School Sisters“

Von Schwarzach in die Welt und nach Bad Herrenalb: Die „School Sisters“ tagen nach ihrer Gründung vor mehr als 150 Jahren erstmals in Deutschland. Es ist eine Spurensuche.

Es ist eine Geschichte, die wie ein Drehbuch für einen historischen Kinofilm klingt: Drei junge Frauen aus Baden, konfrontiert mit politischer Verfolgung und Armut, verlassen ihre Heimat mit nichts als ihrem tiefen Glauben und lediglich 70 US-Dollar, die sie heimlich in ihre Gewänder eingenäht haben. 150 Jahre später kehrt die daraus entstandene weltweite Ordensgemeinschaft der „School Sisters of St. Francis“ (Schulschwestern des Hl. Franziskus) zu ihren Wurzeln zurück.

 

Spurensuche Für ihr Generalkapitel, das nur alle vier Jahre einberufen wird, hat sich die Gemeinschaft einen symbolträchtigen Ort ausgesucht: Erstmals in der Geschichte des Ordens tagt das höchste Gremium 2026 in Deutschland, genauer gesagt im „Haus der Kirche“ in Bad Herrenalb. Für die Teilnehmerinnen, die aus Indien, Lateinamerika und den USA angereist sind, ist dies weit mehr als eine organisatorische Konferenz. Es ist eine Spurensuche.

Zur Einstimmung auf die Beratungen begaben sich die Schwestern auf eine Reise zu den Ursprüngen. Sie besuchten jene Orte in Baden, an denen ihre Gründerin, Mutter Alexia, gelebt und gewirkt hat, bevor sie im 19. Jahrhundert den mutigen Schritt über den Atlantik wagte. In einer Zeit, in der religiöse Gemeinschaften in Deutschland oft mit Nachwuchssorgen kämpfen, wirkt die Präsenz dieser internationalen Gruppe wie ein lebendiger Gegenentwurf: Aus dem kleinen Samenkorn der drei mutigen Auswanderinnen ist eine weltumspannende Organisation gewachsen, die sich bis heute der Bildung und der Hilfe für Benachteiligte verschrieben hat.

Das „Haus der Kirche“ in Bad Herrenalb Foto: Zoller

Zukunft In Bad Herrenalb werden nun die Weichen für die Zukunft des Ordens gestellt. Doch der Geist der Gründerinnen, die damals mit eingenähten Dollarscheinen in die Ungewissheit aufbrachen, ist in den Tagungsräumen des „Haus der Kirche“ deutlich spürbar. Die Rückkehr nach Baden ist für die Schwestern nicht nur ein Blick zurück, sondern eine Kraftquelle für die Aufgaben der kommenden Jahre.

Radikale Entscheidung Alles begann im beschaulichen Schwarzach. Dort kümmerte sich eine kleine franziskanische Gemeinschaft um Waisenkinder. Unter ihnen war die 1838 in Bühlertal geborene Franziska Höll, die als Schwester Alexia bekannt wurde. Doch die Idylle trügte: Die politische Großwetterlage im jungen Deutschen Kaiserreich der 1870er-Jahre, der sogenannte Kulturkampf, zwang katholische Ordensleute in die Knie. Wer seine Berufung leben wollte, musste entweder das Ordenskleid ablegen oder das Land verlassen. Während ein Teil der Gemeinschaft blieb, trafen Alexia und ihre Mitschwestern Alfons und Clara eine radikale Entscheidung. Ein Jahr lang arbeiteten sie unermüdlich, stickten Messgewänder und verkauften Handarbeiten, um das Geld für die Überfahrt nach Nordamerika zusammenzubekommen. 1873 traten sie die beschwerliche Reise in die Ungewissheit an, motiviert von der Vision, den deutschen Auswanderern in den USA Bildung und eine geistige Heimat zu schenken.

Triumph und Rückschläge Am 28. April 1874 schlug die Geburtsstunde der Kongregation in New Cassel, Wisconsin. In einem einfachen Schulhaus legten die drei Frauen ihre Gelübde erneut ab. Aus Schwester Alexia wurde Mutter Alexia, die Gründungsfigur einer Bewegung, die sich nicht kleinhalten ließ. Ihr Weg in den USA war geprägt von eisernem Willen. Als ein Bischof in Minnesota versuchte, die Kontrolle über die Gemeinschaft zu übernehmen und die Aufnahme weiterer europäischer Frauen untersagte, bewies Mutter Alexia ihren legendären Mut: Sie packte mitten in der Nacht ihre Koffer und verließ den Ort, um in Milwaukee einen Neuanfang zu wagen. Selbst ein verheerender Brand, der den dortigen Konvent 1891 völlig zerstörte, konnte sie nicht stoppen. „Der heilige Josef hat mir einen Denkzettel gegeben, aber er hat es gut gemeint“, kommentierte sie den Schicksalsschlag und baute das heutige St. Joseph’s Center auf, das noch heute das Herz der Kongregation bildet.

Rückkehr Mutter Alexia vergaß ihre Heimat nie. Trotz der schwierigen politischen Lage kehrte sie 1895 nach Deutschland zurück und kaufte das Sanatorium Erlenbad in Sasbach. Es war ein kühnes Zeichen des Neubeginns. Da Ordensgemeinschaften in Baden noch immer verboten waren, wich man über Luxemburg und Straßburg aus, bis 1926, acht Jahre nach Alexias Tod, endlich das Kloster Erlenbad bezogen werden konnte.

Rund 5000 Schwestern Heute, mehr als 150 Jahre nach dem Aufbruch der drei mutigen Frauen, ist die Kongregation mit rund 5000 Schwestern in Ländern auf der ganzen Welt verteilt, um sich sozial zu engagieren. Wenn die Schwestern nun in Bad Herrenalb zusammenkommen, feiern sie nicht nur ein Jubiläum, sondern das Erbe einer Frau aus dem Schwarzwald, die bewiesen hat, dass Glaube und Entschlossenheit keine Grenzen kennen. Es ist eine Rückkehr zu den Anfängen einer weltumspannenden Reise, die in der Stille eines badischen Waisenhauses ihren Anfang nahm.