Der Spatz verschwindet heimlich, still und leise aus Städten und von Feldern. Zum Weltspatzentag zeigt der Nabu Wege aus der Krise – und auch wie jeder einzelne helfen kann.
Ob in der Stadt beim Brotkrumen picken oder auf Äckern und Feldern – ein Spatz ist eigentlich nie weit. Doch während Tauben sich in manchen Regionen teils unkontrolliert vermehren, so sieht es bei Haus- und Feldsperling ganz anders aus. Nun gehen die Bestände drastisch zurück. Warum das so ist und was dagegen unternommen werden kann, erklärt der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg zum Weltspatzentag am 20. März.
Fröhliches Gezwitscher, Zirpen und Trillern hält schon in den frühen Morgenstunden des Frühlings Einzug in Städte, Dörfer, Wiesen und Felder. Amsel, Singdrosseln und Rotkehlchen begleiten die Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule. Einer, der sich beim „Tschilpen“ auch gerne einmal sehen ließ, war der gesellige kleine Spatz – inzwischen benötigt der kleine Kerl allerdings Hilfe.
Sowohl der Haussperling als auch der Feldsperling stünden derzeit auf der Vorwarnliste der Roten Liste für Baden-Württemberg, weil ihr Bestand zurückgehe, so eine Mitteilung des Nabu.
Ein dramatischer Bestandseinbruch
Doch während der Haussperling immer noch in vielen Städten und Dörfern präsent sei, befinde sich sein naher Verwandter, der Feldsperling, derzeit im freien Fall. Der Bestand des Feldsperlings habe sich laut Auswertungen des Nabu-Vogelschutzzentrums in den vergangenen zehn Jahren halbiert – sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg.
„Der Feldsperling ist in kürzester Zeit aus weiten Teilen unserer Kulturlandschaft verschwunden. Einen solch dramatischen Bestandseinbruch beobachten wir bei kaum einer anderen Vogelart“, betont die Ökologin Christine Mödinger vom Nabu-Vogelschutzzentrum.
Anders als der bekannte Haussperling lebe der Feldsperling vor allem am Rand von Dörfern und in der Agrarlandschaft, so die Mitteilung. Doch durch den hohen Pestizideinsatz und den Rückgang von artenreichen Wiesen und Feldern werde ihm die Nahrung knapp. Auch die ausgeräumte Landschaft, also Agrarlandschaften, in denen die Strukturvielfalt weitgehend verloren gegangen sei, trage zu diesem Problem bei, spezifiziert Julia Hiller, Teilprojektleiterin des Nabu-Projekts „Artenschutz an Gebäuden“.
Zudem mangele es laut Mitteilung zunehmend an Nistplätzen. Deshalb seien etwa ungenutzte Randstreifen, Brachen oder Blühflächen, die Insekten und Wildpflanzen Platz und damit auch Nahrung für Feldsperlinge bieten, von so großer Bedeutung.
„Landwirt-schaf(f)t Lebensraum“
Auch dem Haussperling sei es in Baden-Württemberg über viele Jahrzehnte schlecht gegangen. Erst seit 2010 gebe es eine leichte Trendumkehr. Um diese Trendumkehr zu unterstützen, sei laut Mödinger vor allem eines wichtig: „Damit der Spatz seinen Platz in unseren Gärten findet, braucht er geeignete Brutplätze und ausreichend Nahrung.“
Daher gilt für beide Sperlingsarten: Je vielfältiger die Lebensräume, je mehr Insekten, Wildkräuter und Strukturen sie zum Brüten und Verstecken finden, desto besser. Es sollte daher ein Lebensraum mit heimischen Hecken, Blühflächen und Nistplätze an Gebäuden geschaffen werden, rät die Ökologin.
Mit dem Nabu-Projekt „Landwirt-schaf(f)t Lebensraum – Refugialflächen für die Artenvielfalt“ soll genau dieser Lebensraum wieder geschaffen werden. Dabei steht vor allem der Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt auf Acker- und Grünlandflächen in Baden-Württemberg im Vordergrund. „Wir wollen Landwirte für die Bedeutung hochwertiger Refugialflächen sensibilisieren und für deren Anlage werben“, erklärt Hiller.
„Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“
Ein ähnliches Projekt zur Unterstützung der kleinen gefiederten Tiere ist „Mensch.Natur – natürlich.zusammen.leben“. Der Nabu unterstützt im Rahmen dieses Unterfangens die Kommunen im Südwesten sowie Bürger dabei, Städte und Dörfer wieder naturnaher zu gestalten.
Der Fokus liege dabei auf Bewusstseinsbildung und Qualifizierung bei verantwortlichen Akteuren sowie der Sensibilisierung der interessierten Öffentlichkeit, erläutert Hiller. „Es werden zum Beispiel Schulungen zum Thema ‚Artenschutz am Gebäude‘ für Architekten oder Vorträge für Gartenbesitzer angeboten, in denen erläutert wird, wie man seinen Garten naturnah gestalten kann.“
Die unterschiedlichen Akteure erhielten unter anderem durch Online-Seminare Handlungsmaßnahmen vermittelt, wie beispielsweise Nisthilfen umzusetzen und dadurch zusätzliche Habitate für Feld- und Haussperlinge zu schaffen, so Hiller – mit der Hoffnung, dass der Spatz im Siedlungsraum bald wieder eine gute Zukunft habe.