30 Tage auf dem Laufband: Für Extremsportlerin Tanja Höschele aus Straubenhardt rückt der Weltrekord immer näher. Unsere Redakteurin fragte nach, wie es ihr denn momentan geht.
Straubenhardt-Schwann/Neuenbürg - Tanja Höschele hat das Bergfest hinter sich, jetzt kommt der Endspurt bei ihrem Weltrekordversuch. Noch bis 27. September versucht die Extremsportlerin aus Schwann, täglich etwa 63 Kilometer auf dem Laufband zurückzulegen. Schafft sie das 30 Tage am Stück, sind es insgesamt 1872 Kilometer. Das wäre Weltrekord.
Tanja Höschele beißt sich durch. Noch eine Woche, dann ist der Rekordversuch vorbei – und der Rekord bestenfalls aufgestellt. Wie es ihr bisher ergangen ist und wie wahrscheinlich die Bestleistung ist, berichtet sie im Interview.
Das Bergfest haben Sie hinter sich. Wie geht’s Ihnen?
Eigentlich sehr gut. Klar, es zwickt an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig und von Tag acht bis etwa Tag elf, zwölf hatte ich auch etwas größere Probleme mit einer Entzündung am Schienbein aufgrund der Überlastung. Daher musste ich drei bis vier Tage "nur" gehen, an Laufen war nicht zu denken, aber an Aufgeben dachte ich auch nicht. Aus der Ultra-Lauf-Erfahrung weiß ich: Ganz oft kommt ein Schmerz und geht dann aber auch irgendwann wieder – man hört in sich rein und versucht zu spüren, wie massiv das "Problem" ist... An Tag zwölf konnte ich dann wieder laufen, es war wieder gut.
Und wie läuft’s?
Es läuft sehr gut, ich glaube der Körper hat sich allmählich daran gewöhnt. Ich spüre natürlich eine gewisse Ermüdung, aber es wird nicht schlimmer. Irgendwie hat es sich eingespielt.
Wie verkraftet Ihr Körper denn die Belastung?
Erstaunlich gut, die ersten paar Tage war ich abends wirklich platt, aber jetzt, wo es auch nicht mehr ganz so heiß ist, geht es wieder besser. Die Müdigkeit in der Muskulatur ist da, steigert sich aber nicht weiter – vielleicht hat der Körper aufgegeben und sich damit abgefunden (lacht). Oder es liegt daran, dass alles drumherum stimmt. Ich kann abends gut und schnell regenerieren, versuche die Speicher aufzufüllen und gehe früh schlafen.
Was war bisher die größte Herausforderung?
Definitiv die Hitze. Im Studio ist es zwar klimatisiert, aber es war trotzdem extrem warm dort, und man konnte gar nicht genug nachfüllen, was der Körper durch das Schwitzen verloren hat.
Seit gut einer Woche arbeiten Sie wieder, davor hatten sie frei: Wie lässt sich der Weltrekordversuch mit der Arbeit vereinbaren?
Das ist recht anstrengend, da ich erst gegen Mittag aufs Laufband komme und somit erst spät am Abend fertig bin - da fällt die Regeneration etwas zu kurz aus, aber ist machbar. Andererseits ist es auch eine schöne Abwechslung, mal wieder im Büro zu sein.
An Tag 15 haben Sie die 1000-Kilometer-Marke geknackt. Wenn es so weitergeht, ist der Rekord in Greifweite. Wie geht es weiter, falls die 1872-Kilometer-Marke vor Tag 30 erreicht sein sollte?
Das wird eher nicht der Fall sein, da ich mit den notwendigen Durchschnittskilometern von 63 pro Tag schon meist am Limit bin, also werde ich wohl nicht mehr schaffen. Außerdem liege ich noch etwa acht Kilometer zurück durch die Tage, an denen ich nur walken konnte – das muss ich auch erst noch reinholen... Von daher hoffe ich einfach, am Tag 30 – sprich am Dienstag, 27. September – fertig zu sein, und es bis dahin zu schaffen. Man weiß nie, was noch Gravierendes dazwischenkommt. Aber die Unterstützung durch meine Familie und durch meinen Laufpartner Frank Götze ist riesengroß – von daher sollte es....
Info: Der Rekordversuch
Tanja Höschele steht 30 Tage lang, vom 29. August bis 27. September, auf dem Laufband im Fitness-Forum Neuenbürg. Insgesamt möchte sie mindestens 1872 Kilometer laufen. Das wäre ein Weltrekord, den vorher noch keine Frau aufgestellt hat. Damit er erreicht wird, muss die Extremsportlerin durchschnittlich 63 Kilometer pro Tag zurücklegen. Die 50-jährige Schwannerin will sich die Bestleistung, wenn sie gelingt, vom Rekord-Institut für Deutschland bestätigen lassen. Dieses Mal ist sie nicht nur deshalb unterwegs, sondern auch für einen guten Zweck. Sponsoren bezahlen für jeden von Höschele gelaufenen Kilometer einen Euro. Der Erlös geht an die Sterneninsel, den ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche in Pforzheim und dem Enzkreis.