Turm hoch – Turm runter: Der Baumwipfelpfad in Bad Wildbad ist Ort eines Weltrekordversuchs. Foto: Erlebnis Akademie AG

Für Tanja Höschele fällt am 24. März um 6 Uhr der Startschuss: Dann will sie auf dem Bad Wildbader Baumwipfelpfad mindestens 2480 Höhenmeter zurücklegen. Zwölf Stunden hat sie dafür Zeit.

31 Mal den Bad Wildbader Baumwipfelpfads rauf und runter: Das will Extremläuferin Tanja Höschele am Montag, 24. März, schaffen und damit einen neuen Weltrekord aufstellen. Von 6 bis 18 Uhr wird sie unterwegs sein. Ihr bisher letzter Rekord stammt von Oktober 2024. Damals rannte die Schwannerin 129 Mal den Himmelsglück-Turm in Schömberg hoch. Im Interview mit unserer Redaktion berichtet Höschele, wie sie auf die Idee zum neuerlichen Versuch kam, und was sie sonst noch alles vorhat.

 

Endspurt: Am Montag wollen Sie Ihren elften Weltrekord aufstellen. Wie sind Sie auf die Idee für diesen Rekordversuch gekommen?

Ja, am Montag geht’s an den nächsten Rekord (hoffentlich) – dieses Mal hat mich der Rekord eines Sportlers aus Siegen inspiriert, den dieser im April letzten Jahres aufgestellt hat.

Und warum ausgerechnet auf dem Baumwipfelpfad?

Weil er wunderschön ist und die Voraussetzungen für diese Rekord-Kategorie erfüllt – ein aufsteigender Weg, nicht Treppe! Das ist bei diesem Rekord der Unterschied zu meinem Turm-Rekord in Schömberg.

Nicht zu schnell anfangen

Was gibt es jetzt am Wochenende noch an Vorbereitungen zu tun?

Verpflegung richten, Wechsel-Klamotten packen, Powerbank und Uhr aufladen und vor allem Beine hochlegen ...

Was ist am allerwichtigsten, damit der Rekord gelingen kann?

Nicht „überpacen“ ... nicht zu schnell starten – von Anfang an in moderatem Tempo hoch und locker runterlaufen.

Wie groß ist denn dieses Mal die Herausforderung: Schließlich nehmen Sie ja immer wieder am „Mount Everest Treppenmarathon“ in Radebeul teil. Dort müssen die Läufer in maximal 24 Stunden 8848 Höhenmeter bewältigen. Ist das nicht viel schwieriger?

Doch, Radebeul ist so ziemlich das härteste Rennen das ich je gemacht hab, allein schon wegen des Schlaf-Entzugs. Das hab’ ich bei so einem Zwölf-Stunden-Rekord ja nicht, somit macht das die Sache schon etwas einfacher ...

In Kandel will sie wieder Spenden sammeln

Beim jüngsten Weltrekordversuch in Schömberg haben Sie Spenden für den Kinderhospizdienst Sterneninsel gesammelt. Laufen Sie dieses Mal auch wieder für einen guten Zweck?

Dieses Mal nicht, die Vorlaufzeit war etwas zu knapp, und es kommen 2025 noch ein paar Events, die ich nutzen möchte, um Spenden zu sammeln. Insbesondere im September der „Backyard“ in Kandel (dabei geht es darum, so viele Runden zu laufen, bis kein Sportler mehr übrig ist, Anm. d. Red.) eignet sich hervorragend, um die Menschen zum Spenden zu animieren.

Nach dem Rekordversuch ist vor dem Rekordversuch: Was kommt denn nach Bad Wildbad?

Im April wird’s international: Da geht’s in die Schweiz, um dort mit Lauf-Freundin Priska Gruber einen Zwölf-Stunden-Laufband-Team-Rekord aufzustellen – das wird für mich sehr hart, da ich ja eher eine langsame Läuferin bin und wir im Team in zwölf Stunden 136 Kilometer schaffen müssen. Dafür geht’s dann ab nächster Woche los mit verstärktem Laufband-Training.

Was treibt Sie an?

Die Freude daran sich zu bewegen, in der Natur unterwegs zu sein, aber am meisten dieses „Ziel stecken – Ziel erreichen“. Immer wieder die Erfahrung, was der Körper im Stande ist zu leisten, vielleicht auch ein Stück weit Menschen zu motivieren, ihre Ziele zu verfolgen, und das gilt ja für viele Lebensbereiche, nicht nur im Sport ... Es können kleine Ziele sein, dran bleiben, ein Ziel verfolgen, sich darauf fokussieren und das gute Gefühl, wenn man es am Ende schafft!

Zurück zum Montag: Auf was freuen Sie sich am meisten?

Auf das Ziel. Es gilt 31 Runden zu absolvieren, dann hab ich den Rekord – wenn es gut läuft, bin ich vielleicht schon gegen Mittag/Nachmittag „fertig“, und dann geht’s einfach nur noch um den Genuss: den Turm und die Aussicht genießen. Es ist eine unglaublich schöne Location, und ich bin total happy, dort den Rekord machen zu dürfen.

So läuft der Rekordversuch ab

Rekord Tanja Höschele lässt ihre Rekorde vom Rekord-Institut für Deutschland (RID) anerkennen. Zu dem Rekord, den Höschele am Montag knacken möchte, schreibt das RID auf seiner Internetseite: „Erstaunlich viele Weltrekordkategorien befassen sich mit der Fortbewegung zu Fuß. Egal ob Treppe, Laufband oder quer durch Deutschland: Hauptsache, die Beine machen nicht schlapp. Dies galt am 20. April 2024 auch für Hobbysportler Anthony Peter Konrad aus Siegen-Eiserfeld (D). Denn an diesem Tag wollte dieser in zwölf Stunden möglichst viele Höhenmeter zu Fuß auf- und anschließend wieder absteigen – auf einen Aussichtsturm.“ 2924 Höhenmeter hatte Konrad damals geschafft. Als Frau muss Tanja Höschele 80 Prozent davon erreichen, um einen Damenrekord aufzustellen. Das wären 31 Runden oder etwa 2480 Höhenmeter auf dem Turm des Bad Wildbader Baumwipfelpfads. Tatsächlich hat sich die 53-Jährige aber vorgenommen, bestenfalls auch die 2924 Höhenmeter zu überbieten.

Besuch
 Für Besucher des Baumwipfelpfads gelten am 24. März die regulären Öffnungszeiten von 9.30 bis 17 Uhr. Kassenschluss ist um 16 Uhr. Allerdings besteht am Montag die Möglichlichkeit, Tanja Höschele beim Zieleinlauf zu begleiten. Von 17 bis 17.15 Uhr öffnet die Betreiberin des Baumwipfelpfads, die Erlebnis Akademie AG, dafür am Ausgang den Zugang zum Turm. Der Eintritt für Interessierte, die die letzten Meter der Rekordläuferin miterleben wollen, ist dann frei. Der Weltrekordversuch endet um 18 Uhr offiziell.