360 Liter Sahne, rund 100 Kilo Mehl, 95 Kilogramm Kirschen, 60 Litern hochprozentiges Schwarzwälder Kirschwasser und vieles mehr: Am 1. August 1999, vor 25 Jahren, geschah in Enzklösterle Geschichtsträchtiges – die damals weltgrößte Schwarzwälder Kirschtorte entstand. Die Protagonisten erinnern sich.
Der 1. August dürfte in Enzklösterle wetterbedingt der heißeste Tag des Sommers 1999 gewesen sein. Aber nicht nur vom Wetter her gesehen, sondern auch mit dem Einsatz des seinerzeitigen Hauptamtsleiters und Kurgeschäftsführers von Enzklösterle und heutigen Mitglieds des Bundestages (CDU) Klaus Mack sowie von Fritz Haag, dem einstigen Bäckermeister in Enzklösterle-Nonnenmiß mit seinem Team.
Rekord Und bei was? Bei der Kreation der weltgrößten Schwarzwälder Kirschtorte mit einem nachfolgenden Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde des Jahres 2001 auf der Seite 201 sowie mit einem Auftritt der beiden Initiatoren bei einer Fernsehsendung im bayerischen Fernsehen, bei der Klaus Mack sogar als Bäcker bezeichnet wurde.
Idee entsteht beim „Löwen-Stammtisch“
Das war heute taggenau vor 25 Jahren im Rahmen des von der Gemeinde- und Kurverwaltung Enzklösterle veranstalteten Fleckenfestes. Wie es dazu kam, haben wir in Gesprächen mit Klaus Mack in seinem Abgeordneten-Büro an der Bad Wildbader Kernerstraße und mit Fritz Haag in Enzklösterle erfahren. In gewisser Regelmäßigkeit haben sich die beiden zu jener Zeit beim „Löwen-Stammtisch“ in Enzklösterle getroffen.
Idee Mit immer wieder neuen Themen und Ideen, und dabei auch mit einem Gespräch über die Produktion einer großen Schwarzwälder Kirschtorte im Südschwarzwald, angeschnitten von Olympiasieger und Weltmeister Jörg Thoma. „Das gilt es zu übertreffen“, war der sogleich vom seinerzeitigen Kurgeschäftsführer und von Fritz Haag als damaligem Betreiber einer Bäckerei in Nonnenmiß gefasste Vorsatz. “In launiger Runde“, erinnert sich Fritz Haag heute noch. Wobei die beiden wohl kaum ahnen konnten, mit welch einem großen personellen und sächlichen Aufwand die Realisierung eines solchen ehrgeizigen Projekts verbunden sein könnte.
Voll Eifer und Elan
Immerhin wagten sie es und gingen voller Eifer und Elan an die Vorbereitungen aller Details. Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde Enzklösterle schon damals nicht viel Geld hatte, seitens Klaus Mack mit der Gewinnung von Sponsoren und mit der Werbung für das große Event und seitens Fritz Haag mit der handwerklichen Vorbereitung zusammen mit seinem Team in der Backstube. Erfahrungen in der Vorbereitung und Abwicklung einer großen Veranstaltung hatte der seinerzeit 25-jährige Kurgeschäftsführer schon bei der von seinem Vorgänger Axel Singer initiierten ersten Europa-Meisterschaft im Mannschaftsmähen mit der Sense vom 13. bis 16. August 1998 sammeln können.
Herausforderung Als eine große logistische Herausforderung bezeichnet Klaus Mack rückblickend das Super-Event in Enzklösterle, das nur in mustergültiger Zusammenarbeit habe gelöst werden können. Insbesondere mit gastronomischen Betrieben, die in den Tagen zuvor mit der Kühlung der Zutaten mit eingeschaltet waren. Waren doch in der Bäckerei Haag in etwa 30 Arbeitsstunden 180 Rouladen-Böden und 155 Mürbteigböden herzustellen gewesen. Schließlich folgte der Aufbau des großen und mit einer leistungsfähigen Kühleinrichtung ausgestatteten Zeltes auf dem Platz vor der Festhalle, in dem unter der Leitung von Fritz Haag die heiße Phase der Tortenproduktion schon morgens um drei Uhr begann. Dabei wurde die große Torte in mehreren Teilen hergestellt und um die Mittagszeit auf einem von einem stabilen Untergestell getragenen großen Tisch zusammengefügt, so dass sich ein Tortendurchmesser von etwa 5,10 Metern mit einer Oberfläche von 20,4 Quadratmetern und damit eine Fläche von 360 konventionellen Kirschtorten ergab. Die ersten der insgesamt rund 4500 Tortenstücke, geschnitten und gereicht von der seinerzeitigen „Miss Schwarzwald“, konnten der seinerzeitige Bürgermeister Manfred Wägerle zusammen mit dem damaligen Landrat Hans-Werner Köblitz genießen. Danach startete der Sturm der Besucher auf die Mega-Torte, die mit großzügig zugeschnittenen Stücken zum Preis von jeweils 2,50 DM verkauft wurde und binnen eineinhalb Stunden auch ausverkauft war. Ein Teil des Erlöses wurde der damals laufenden Aktion „Sorgenkind“ gespendet.
Hergestellt wurde die größte Schwarzwälder Kirschtorte mit 360 Litern Sahne, mit rund 100 Kilogramm Mehl, mit 95 Kilogramm Kirschen aus der Ortenau, mit 60 Litern hochprozentigem Schwarzwälder Kirschwasser, mit weit mehr als 1000 Eiern, mit 14 Kilogramm Schoko-Deko, mit 50 Kilogramm Zucker und mit zehn Kilogramm Marmelade.
Megacooles Event
Klaus Mack bezeichnete im Gespräch mit unserer Redaktion die Aktion als ein „mega-cooles Event“, das nur in Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde- und Kurverwaltung, der Bäckerei Haag, der örtlichen Gastronomie und mit vielen weiteren helfenden Händen habe bewältigt werden können. Der ganze Ort sei auf den Beinen gewesen, so Klaus Mack. Und auch die Parkplätze seien sehr schnell belegt gewesen, habe doch die intensive und großräumige Werbung für das Event ihre Wirkung nicht verfehlt und den Kurort Enzklösterle mit vielen Medienberichten weithin bekannt gemacht.