Die Hits der Bietigheimer Band Pur füllen jetzt auch ein Musical. Am Sonntag ist im Düsseldorfer Capitol die Show „Abenteuerland“ gestartet. Zu den Gästen bei der Weltpremiere zählte natürlich auch Hartmut Engler.
Petra und Robert Schirmer, die sich vor vielen Jahren geschworen haben, sich treu zu bleiben, bis der Tod sie scheidet, sitzen unter Bäumen auf jener Bank, auf der sie einst die Liebe fanden, die ihnen nun irgendwie abhanden gekommen ist. Ins Holz haben sie damals ihre Initialen geritzt: Petra und Robert – oder kurz „PUR“. Als Robert die verschrammten Buchstaben betrachtet, wird er nostalgisch: „Etwas abgerockt, aber immer noch da. So wie wir.“
Wehmut, Warmherzigkeit, Selbstironie
Szenen wie diese gibt es viele im Musical „Abenteuerland“, das am Sonntag im Capitol in Düsseldorf Premiere gefeiert hat. Schließlich macht genau dieser Mix aus Wehmut, Warmherzigkeit, Glückseligkeit und Selbstironie den Markenkern der aus Bietigheim stammenden Band aus. Dem möchte Martin Flohr, der die Show produziert hat, mit dem Musical gerecht werden. Und das gelingt ihm. Nach rund drei Stunden gibt es am Sonntagabend von den 1100 Besuchern Standing Ovations für die Show, den Cast und die Macher von „Abenteuerland“. Während des Finales mit dem Song „Funkelperlenaugen“ und dem anschließenden Medley aus Hits wie „Lena“ oder „Hab mich wieder mal an dir betrunken“ applaudieren auch Hartmut Engler (61), Rudi Buttas (68) und Joe Crawford (60) von der Band Pur.
3 Generationen, 30 Songs
Der Zweiakter erzählt von den Schirmers, die einem wie ein Ableger von „Diese Drombuschs“ und anderen Musterfamilien aus längst vergangenen seligen TV-Zeiten vorkommen. Die Ehe von Petra (Carolin Soyka) und Robert (Hannes Staffler) hat in den vergangenen Jahren an Glanz verloren. Während sie sich um den Haushalt und die Pausenbrote der schon fast erwachsenen Kinder Anna (Mascha Volmershausen) und Alex (Johann Zumbült) kümmert, steckt er in einer Midlife Crisis, hat er nur noch Zeit für seine Arbeit und sein Rennrad und vergisst sogar Petras Geburtstag.
Fast ein bürgerliches Trauerspiel
Der Schirmer-Nachwuchs hat derweil ganz andere Probleme: Die 16-jährige Anna wird an der Schule gemobbt, der 18-jährige Alex träumt von einer Karriere als Popstar. Und dann gibt es noch Lena (Regina Venus), die Großmutter, die zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes wieder auf Partnersuche geht und online Karl (Harrie Poels) kennenlernt: Für eine neue Liebe ist es nie zu spät
Von all den Sorgen und Nöten, Hoffnungen und Träumen der drei Generationen erzählt das Musical – anfangs noch etwas holprig, doch vor allem im zweiten Akt mit immer größerem Tempo und Einfallsreichtum. Und obwohl die Geschichte sich zwischendurch fast in ein bürgerliches Trauerspiel verwandelt, bei dem es auch um Untreue, einen Selbstmordversuch, ein schwules Coming-Out und ungewollte Schwangerschaft geht, dürfte es kaum jemand wundern, dass am Ende auf alle Beteiligten und das Publikum ein furioses Happy End wartet.
„Abenteuerland“ ist ein so genanntes Jukebox-Musical, weil sich die Story an insgesamt 30 Pur-Stücken entlang hangelt und sie in die Handlung einbaut. Und während anfangs die Geschichte der Schirmers noch wie eine Krücke wirkt, um die Darstellerinnen und Darsteller Lieder wie „Drachen sollen fliegen“ oder „Herzbeben“ singen zu lassen, wachsen einem die Schirmers und ihre Probleme nach und nach ans Herz – vor allem die von Oma Lena und ihrem neuen Verehrer, die am Ende mit dem Motorrad über die Bühne brausend den Hit „Lena“ singen.
Crusade, Opus, Pur, Bietigheim
Pur-Fans dürfen sich außerdem in „Abenteuerland“ über einige Anspielung auf die Geschichte und die Herkunft ihrer Lieblingsband freuen. Die Gruppe, die Alex mit seinem Freund Tom gründet, heißt Crusade, und der Club, in dem sie bei einem Bandwettbewerb auftreten, Opus. Bevor Pur Pur hießen, nannte sich die Band erst Crusade und dann Opus. Und als sich die Handlung von „Abenteuerland“ mal in einen Bahnhof verirrt, erfährt man auf der Anzeigetafel, wann die nächste S3 nach Bietigheim fährt – in Anspielung an den schwäbischen Heimatort der Musiker, in dem sie im Jahr 1975 die Band gründeten.
Premiere mit Stargästen
Unter den Premierengästen am Sonntag im extra für das Musical umgebauten Capitol waren neben den Pur-Musikern auch der Schauspieler Sky du Mont, die Schauspielerin Bettina Zimmermann und der Sänger Max Giesinger. Da Pur laut Hartmut Engler vor allem in Nordrhein-Westfalen eine große und treue Fanbase haben, hatte man sich dafür entschieden, das Capitol zur „Abenteuerland“-Heimat zu machen.
Pur und das Musical „Abenteuerland“
Band
Roland Bless und Ingo Reidl gründeten als Schüler im schwäbischen Bietigheim-Bissingen die Band im Jahr 1975 unter dem Namen Crusade. Seit 1985 heißt sie Pur. Hartmut Engler ist seit 1976 dabei. Das Album „Abenteuerland“ erschien im Jahr 1995 und war das erste Nummer-ein-Album von Pur. Es hat sich über zwei Millionen Mal verkauft und wurde mit vierfachem Platin-Status ausgezeichnet.
Show
Das Musical „Abenteuerland“ wird bis zum 10. März 2024 im Capitol in Düsseldorf gespielt. Aufführungen sind dienstags, donnerstags und freitags um 19.30 Uhr, mittwochs um 18.30 Uhr, samstags um 15 und 19.30 Uhr und sonntags um 14 und 18.30 Uhr. Es dauert insgesamt etwa 150 Minuten (einschließlich einer 20-minütigen Pause). Weitere Informationen gibt es unter www.abenteuerland-musical.de.