Handball-Weltmeister Markus Baur spricht über die Aufgabe als Sportdirektor bei Drittligist HG Saarlouis, seine Fußball spielenden Söhne und die Bundesligisten in der Region.
Er ist Handball-Weltmeister, trainierte den TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen – seit Sommer arbeitet Markus Baur als Sportdirektor bei Drittligist HG Saarlouis. Der 54-Jährige spricht über die Beweggründe, den Job zu übernehmen, und seine Ziele.
Herr Baur, wie kommen Sie klar mit der Mentalität der Saarländer?
Sehr gut, sie sind sehr gesellig und offen, versprühen gute Laune, feiern gerne und sind einfach stolz auf ihre Heimat – das Saarland.
Und wie fällt Ihr Zwischenfazit nach einem halben Jahr als Sportdirektor der HG Saarlouis aus?
Alles gut, es geht langsam voran, aber wir befinden uns auf einem guten Weg (Anm.: aktuell 18:4 Punkte), und die Aufgabe hier im Saarland macht richtig Laune. Wir wollen am Ende einen Platz belegen, der zur Teilnahme an der Zweitliga-Aufstiegsrunde berechtigt.
Was hat Sie denn bewogen, diese Aufgabe bei einem Drittligisten anzunehmen?
Das Gesamtkonstrukt. Der Verein hat eine große Strahlkraft im Saarland mit sehr vielen Mitgliedern. Zum anderen gibt es einflussreiche Menschen im Hintergrund, die schon in anderen Sportbereichen gezeigt haben, dass sie etwas bewegen können.
Speziell Pharmaunternehmer Frank Holzer, der mit Ursapharm als Sponsor die Fußballer der SV Elversberg nach oben geführt hat?
Nicht nur. Es sind viele Personen, Politiker und Firmen im Boot, die den Spitzensport im Saarland fördern. In diesem kleinen Bundesland macht nicht jeder sein eigenes Ding, davon kann ein Verein profitieren.
Hat es eine Rolle gespielt, dass Sie als Spieler schon in der Nachbarschaft beim TV Niederwürzbach am Ball waren oder dass Ihr früherer Mitspieler Christian „Blacky“ Schwarzer beim saarländischen Handballverband als Cheftrainer arbeitet?
Nein, das hat keine Rolle gespielt. Als ich Blacky gesagt habe, dass ich nach Saarlouis gehe, hat er nur gefragt: Bist du dir sicher? (lacht)
Sie werden nicht gekommen sein, um in fünf Jahren noch immer in der dritten Liga zu spielen?
Ziel ist es, Veränderungen herbeizuführen, verbunden mit gewissen Werten. Und natürlich wollen wir in die zweite Liga hoch, aber jeder weiß doch, dass es im Sport keine Garantien gibt und es Entwicklung braucht.
Höher als in der zweiten Liga spielte die HG Saarlouis noch nie. Ist die Bundesliga ein Fernziel?
Da müsste schon noch einiges passieren. Im ganzen Saarland gibt keine auch nur annähernd vergleichbare Halle wie die Porsche-Arena. In unsere in die Jahre gekommene Stadtgartenhalle passen 1700 Zuschauer rein.
Sehen Sie sich eher als Sportdirektor denn als Trainer?
Ganz klar als Sportdirektor, auch wenn die Trainerposition auch was hat. In meinem aktuellen Amt kann ich all die Dinge tun, die mich in meiner ganzen Karriere begleitet haben, ob positiv oder negativ. Diese Erfahrungen in den Verein einfließen zu lassen ist eine superinteressante Aufgabe, die mir liegt.
Als Trainer haben Sie den ehemaligen Bundesligaprofi Jörg Lützelberger geholt. Zu seiner Zeit als Coach der HSG Konstanz hat er an 365 Tagen im Jahr im Bodensee gebadet. Wo macht er das jetzt?
Vielleicht in der Saar (lacht). Keine Ahnung. Jörg ist ein Naturmensch und vor allem ein top Trainer. Er ist immer auf dem neuesten Stand in Sachen Handball und arbeitet ungemein akribisch.
Was sagen Sie zur Entwicklung Ihrer Ex-Clubs in Württemberg?
Frisch Auf Göppingen steht mit 12:10 Punkten top da. Die Spielweise ist vielleicht nicht so interessant wie die des TVB Stuttgart, doch dort stehen eben nur 4:16 Punkte zu Buche. Aber die Ausfälle beim TVB sind schon extrem. Welche Qualität sie mit voller Kapelle haben, zeigten sie am zweiten Spieltag beim Punktgewinn in Flensburg.
Ihr Sohn Mika startet bei Fußball-Zweitliga-Spitzenreiter SC Paderborn als offensiver Mittelfeldspieler so richtig durch. Wie oft sind Sie im Stadion?
Diese Saison noch gar nicht, wenn es weiter so gut läuft bei ihm, dann belasse ich es auch dabei. Aber klar freut es mich ungemein, dass seine harte Arbeit belohnt wird. Er ist demütig, fleißig, das sind ganz gute Voraussetzungen.
Wie froh sind Sie, dass er nicht Handballer geworden ist?
Zumindest wird er im Fußball nicht mit dem Vater verglichen! Bis zur C-Jugend haben übrigens beide meine Söhne auch Handball gespielt, wichtig ist, dass sie es gerne machen.
Ihr jüngerer Sohn Kimi spielt beim SC Freiburg?
Ja, im ersten Jahr in der U 19. Er ist etwas größer und wuchtiger als Mika, spielt im Sturm oder auf dem Flügel. Aber eines habe ich meinen Jungs im Fußball voraus – ich bin Linksfuß.
Sportlich ist auch Ihre Tochter Chiara, die mit Ex-Kickers-Spieler Paul Polauke liiert ist. Ist sie noch handballerisch aktiv?
Sie legt derzeit eine Pause ein, konzentriert sich auf ihr Referendariat.
Lehnen Sie sich doch mal zurück und schließen die Augen: Wann sehen wir Sie mit der HG Saarlouis in der Porsche-Arena zum Punktspiel?
Ich bin kein Träumer. Mir wäre es aber egal, ob ein solcher Auftritt in Stuttgart, Göppingen, Flensburg oder Lemgo stattfinden würde. Wenn das einmal der Fall sein sollte, dann haben wir vieles richtig gemacht.
Zur Person
Karriere
Markus Baur wurde am 22. Januar 1971 in Meersburg geboren. Er bestritt 228 Länderspiele für Deutschland, wurde Europameister 2004 und war Kapitän des Weltmeisterteams von 2007. Er spielte für den VfL Pfullingen, die SG Wallau-Massenheim, den TV Niederwürzbach, die HSG Wetzlar, den TBV Lemgo und Pfadi Winterthur (Spielertrainer). Als Coach lauteten seine Stationen TBV Lemgo, TuS N-Lübbecke, Kadetten Schaffhausen, deutsche Junioren-Nationalmannschaft, TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen. Seit 1. Juli 2025 ist er Sportdirektor bei Drittligist HG Saarlouis.
Persönliches
Baur ist verheiratet mit Marion. Das Paar hat drei Kinder, Chiara (26) spielte Handball beim HC Schmiden/Oeffingen in der Baden-Württemberg Oberliga, Mika (21) ist aktuell bei Fußball-Zweitligist SC Paderborn unter Vertrag, Kimi (17) ist für die U 19 des SC Freiburg am Ball. Hobbys: Skifahren und Tennis. (jüf)