Der Kreis Calw schmückt sich seit 2025 mit dem Titel „Fairtrade-Kreis“. Fairtrade ist für den Weltladen in Bad Liebenzell schon seit mehr als zwei Jahrzehnten von Bedeutung.
Nicht nur der Landkreis Calw darf sich „Fairtrade-Kreis“ nennen. Die Einwohner in Bad Liebenzell dürfen stolz behaupten: Die Kommune trägt seit März 2023 die Auszeichnung der „Fairtrade-Town“. Was bedeutet das genau? In vielen Geschäften des Orts werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten. Darüber hinaus bemüht sich die Stadt als Ganzes um mehr fairen Handel, beispielsweise in Schulen, Kirchen und öffentlichen Einrichtungen.
Für ein „Fairtrade-Siegel“ sind bestimmte Kriterien nötig. Beispielsweise muss der Anteil der Fairtrade-Zutaten mindestens 20 Prozent betragen.
Der Weltladen in Bad Liebenzell ist ein Vorzeigemodell. Er lebt das Konzept seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Der Verein „Initiative Eine Welt Für Alle e.V.“ mit 44 Mitgliedern unterstützt seit über 30 Jahren den Fairtrade-Gedanken. Fünf Jahre nach der Gründung des Vereins, am 31. März 2001, eröffnete dieser in Bad Liebenzell den Weltladen. Bis heute trägt der Weltladen mit 16 aktiven Personen im Team zum Ansehen der heutigen „Fairtrade-Town“ bei – das zeigt auch der Sozialpreis für „ein vorbildliches bürgerschaftliches Engagement“, den der Kreisseniorenrat Calw verlieh.
Fairer Handel mit fairer Bezahlung
Kleinbauern und Handwerker in Entwicklungshilfe- und Schwellenländern sollen fair bezahlt werden – dafür bestellt der Weltladen bei unterschiedlichen Handelspartnern wie Gepa, El puente, Weltpartner, Globo, bananafair aber auch weiteren kleineren Handelspartnern. Beispielsweise unterstützt der Weltladen Bad Liebenzell „Shamwari“. Das ist eine Organisation, die Kunsthandwerk aus Simbabwe handelt. Im Geschäft finden sich handgefertigte Puppen, buntgemusterte Tischläufer oder perlengestickte Schlüsselanhänger. Das gibt denen eine Chance, die auf dem Weltmarkt der großen Konzerne nicht mithalten können.
„Ziemlich genau die Hälfte unserer Lebensmittel sind Genussmittel – Schokolade, Kaffee, Tee, Gewürze“, sagt Elfriede Heeskens vom Verein. Die andere Hälfte nehmen Schmuck, ausgefallene Geschenke und Textilien ein.
Während viele Stammkunden hier ihre alltäglichen Lebensmittel einkaufen, finden einige andere ausgefallene Geschenkideen. „Es gibt schon Leute, die ganz klar bewusst kommen und regelmäßig ihre Alltagslebensmittel Schokoladen, Kakao, Bananen und Reis bei uns kaufen“, sagt Heekens. Sie ist ein Gründungsmitglied des Vereins „Initiative Eine Welt Für Alle e.V.“
In der Sommerzeit würden vor allem Touristen den Laden besuchen. „Und dann gibt’s auch Leute, die Geschenke brauchen und spontan kommen. Der Überschuss des Ladens betrage zwischen zehn und 35 Prozent und werde in zehn ausgewählte Entwicklungshilfeprojekte ausgeschüttet. Dazu zählen etwa die bekannten Organisationen „Terre des Hommes“ und „Terre des Femmes“, aber auch kleinere Vereine wie „Pro Haiti“.
Mehr als „nur“ kleiner Laden
Auf was Heeskens sehr stolz ist: „Wir haben jeden Tag offen und auch immer neue Mitarbeiterinnen – das ist der Hammer!“ Neben dem Verkauf ist ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit der Weltläden auch Bildungsarbeit und die Beteiligung an politischen Kampagnen. Konkret heißt das: Der Weltladen stellt bei vielen Veranstaltungen der Stadt einen Stand auf, um sein Konzept zu zeigen. Raum für politische Bildung wird auch jungen Leuten geboten. Zum Programm der vergangenen Jahre gehörte beispielsweise eine Filmvorführung und anschließende Ladenführung mit Konfirmanden. „Danach kommen sie in Kleingruppen zu uns in den Laden und kriegen von uns ein bisschen was erzählt“, erklärt Heeskens. Auch Praktika sind beim Weltladen prinzipiell möglich: „Im letzten Jahr hatten wir zwei Schülerinnen für ein Tagessozialpraktikum da.“
Wie genau sehen die Fairtrade-Richtlinien aus? Der Ansatz basiert auf festgesetzten Kriterien, die durch ein Prüfsystem überwacht werden. Weltläden arbeiten eng mit den Fair-Handels-Organisationen zusammen. Diese haben transparente Handelskriterien, die der Konvention der Weltläden entsprechen. Die Organisationen werden regelmäßig geprüft.
Der Fairtrade-Gedanke rückt immer mehr in das Bewusstsein der Bürger – Nagold, Weil der Stadt und Bad Wildbad sind ebenfalls Orte mit je einem Weltladen. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, ist jederzeit willkommen. „Unsere Gründungsleute sind 80 und älter – und somit brauchen wir immer Nachwuchs“, erklärt Heeskens. Es werden auch motivierte jüngere Menschen gesucht, die den Laden früher oder später übernehmen. Heeskens Motivation für ihr langjähriges Engagement: Man solle nicht nur an sich denken: „Wenn’s mir gut geht, muss es der Kaffeebäuerin auch gut gehen, wenn ich immer Kaffee trinke.“