Aktionen zum Weltfrauentag – braucht es das eigentlich (noch)? Der St. Georgener Arbeitskreis Frauen hat dazu eine ganz klare Meinung – und ein vielseitiges Programm erarbeitet.
Es geht um Kinderarmut, darum, was eigentlich „typisch Frau“ ist, um große Frauen und vieles mehr. Auch wenn sich das genaue Programm von Jahr zu Jahr unterscheidet, ist es in St. Georgen längst nichts Neues mehr, dass rund um den Weltfrauentag am 8. März eine Aktionswoche stattfindet, bei der das weibliche Geschlecht im Vordergrund steht.
Bereits seit etwa 20 Jahren ist der Arbeitskreis Frauen in der Bergstadt aktiv, schätzen Ute Scholz vom Theater im Deutschen Haus, Wirkstatt-Leiterin Antonia Musacchio Torzilli und Nikola Wangler von der Diakonie-Beratungsstelle. Die drei Frauen haben in diesem Jahr einmal mehr die organisatorische Führung übernommen. Denn auch wenn der Arbeitskreis Frauen das ganze Jahr über immer mal wieder aktiv ist, wie sie berichten, ist klar: Rund um den Weltfrauentag ist für die Gruppe eine ganz heiße Phase – die Vorbereitung für die Aktionswoche selbstverständlich miteingeschlossen.
Apropos Aktionswoche: Die bietet in diesem Jahr eine ganze Reihe von Glanzlichtern. Eines möchten Musacchio Torzilli, Wangler und Scholz ganz besonders hervorheben. In ihrem Buch „Jedes fünfte Kind“ lenkt Catrin Boldebuck den Blick auf eines der drängendsten, ungelösten gesellschaftlichen Probleme. Sie schildert, „warum Kinderarmut unseren Wohlstand und unsere Freiheit gefährdet“, wie der Untertitel verrät. Am Montag, 9. März, ist die Autorin für eine Lesung aus ihren Buch mit anschließender Gesprächsrunde in der Bergstadt zu Gast.
Kinderarmut ist ein Thema, mit dem Wangler von der Diakonie-Beratungsstelle beinahe täglich konfrontiert ist, wie sie gegenüber unserer Redaktion berichtet. Umso wichtiger ist es ihr, differenziert auf das Thema zu blicken.
Kinderarmut hat Folgen für alle
Denn viel zu oft werde Kinderarmut rein als Problemfeld betrachtet, von dem nur eine bestimmte Personengruppe betroffen ist. Dass Kinderarmut ernste Folgen für die gesamte Gesellschaft – nicht nur die direkt Betroffenen – hat, trete dabei meist in den Hintergrund, kritisiert Wangler.
Dabei sei dieses Problem heute größer denn je: Für Kinder und Jugendliche, die in Armut aufwachsen, werde es immer schwieriger, selbst im Leben Fuß zu fassen und sich aus der Armut zu befreien – aus einer Vielzahl von Gründen, welche sie nicht selbst zu verantworten haben. „Es ist wirklich ein Problem, wie viele Kinder in dieser Spirale gefangen sind, wenn man sich nicht um sie bemüht“, berichtet auch Musacchio Torzilli aus ihrer Arbeit.
Genau auf diese in der öffentlichen Debatte oft vernachlässigten Facetten von Kinderarmut soll die Lesung im Theater im Deutschen Haus die Aufmerksamkeit lenken.
Was ist eigentlich „typisch Frau“?
Wobei die Aktionswoche auch sonst noch eine ganze Menge bietet – von vergnüglichen Stunden speziell für Frauen bis hin zu einem Vortrag im Café Vielfalt, einem Kunstprojekt und einem Schnupperkurs zum Thema Frauengesundheit.
Der Frage, was eigentlich „typisch Frau“ ist, widmet sich eine Aktion, in die bereits einige Wochen Vorarbeit geflossen sind. An mehreren Stellen in der Bergstadt waren Boxen aufgestellt, in die kleine Zettel eingeworfen werden konnten. Auszufüllen waren diese mit Vornamen, Jahrgang – und eben der Antwort auf die Frage, was „typisch Frau“ ist.
Musacchio Torzilli, Wangler und Scholz sind bereits gespannt auf dei Rückmeldungen der Teilnehmer. Wer Interesse am Ergebnis hat, kann von Montag, 9., bis Freitag, 13. März, im Café Vielfalt Näheres erfahren. In dieser Zeit werden die Wortmeldungen auf den Tischen ausliegen – und sollen dort auch als Gesprächsgrundlage und -einladung dienen.
Spiel mit Geschlechter-Stereotypen
Darum, was für Frauen typisch ist, geht es übrigens auch am Samstag, 14. März, im Theater im Deutschen Haus. Bei einem Kabarettabend unter dem Titel „Die Puderdose – Weiberabend“, zu dem natürlich nicht nur Frauen willkommen sind, bedienen Claudia Schuma und Irene Weber auch Geschlechter-Stereotype – und nehmen diese aufs Korn.
Die Aktionswoche im Überblick
Weltgebetstag
Ein Gottesdienst zum Weltgebetstag eröffnet am Freitag, 6. März, ab 19 Uhr die Aktionswoche im ökumenischen Zentrum.
Phonomuseum
Eine kostenlose Führung durch das Phonomuseum erwartet interessierte Frauen am Sonntag, 8. März. Los geht es um 14.30 Uhr.
Präsentation
Unter dem Titel „Große Frauen - große Geschichten“ halten Schülerinnen der Robert-Gerwig-Schule am Montag, 9. März, ab 10 Uhr eine Präsentation im Café Vielfalt.
Lesung
Catrin Boldebuck liest am Montag, 9. März, ab 19 Uhr im Theater im Deutschen Haus aus ihrem Buch „Jedes fünfte Kind“.
Hallenbad
Ein Frauen-Nachmittag findet am Mittwoch, 11. März, zwischen 14 und 19 Uhr im Hallenbad statt.
Kunstprojekt
Künstlerisch geht es am Freitag, 13. März, von 10 bis 15 Uhr im Café Vielfalt zu: Bei einem Kunstprojekt können Teilnehmerinnen ihre individuelle „Mona Lisa“ gestalten.
Frauengesundheit
Einen Schnupperkurs zum Thema Frauengesundheit bietet das Bloom-Studio, Hauptstraße 28, am Freitag, 13. März, ab 18 Uhr an.
Kabarett
„Die Puderdose – Weiberabend“ heißt es am Samstag, 14. März, ab 20 Uhr im Theater im Deutschen Haus. Claudia Schuma und Irene Weber spielen beim Kabarett auch mit Geschlechter-Stereotypen.
Aktion „Typisch Frau“
Was ist „Typisch Frau“? Das fragt eine Aktion, bei der Wortmeldungen auf kleinen Zetteln notiert werden und in Boxen an diversen Stellen in der Stadt eingeworfen werden konnten. Sie liegen von Montag, 9., bis Freitag, 13. März, im Café Vielfalt aus.