Zum Weltfrauentag informierten Volkshochschule und Familienzentrum über oft verborgene Schicksale. Erschreckend: Schätzungen rechnen mit einer dreifachen Dunkelziffer an Opfern.
Es ist nur eine Auswahl, doch schon diese erschreckt und bewegt. Am Samstagvormittag standen im Kreuzungsbereich der Gartenstraße und der Abtsmatten in Wyhlen unzählige rote Schuhe verteilt. Daneben standen Bilderrahmen mit den Namen von ermordeten Frauen und Mädchen. Während die Schuhe nur symbolisch hingestellt wurden, gehören die Namen zu echten Schicksalen, echten Menschen – die durch ihre Angehörigen umgebracht wurden.
Femizide kommen in allen Schichten vor
„Es sind zu viele“, sagt eine Frau mit Tränen in den Augen, während sie sichtbar um Fassung ringt. Eine andere Dame vergisst bei Lesen der Namen ganz, dass sie ihr Fahrrad mitten auf der Kreuzung abgestellt hat. Birgitt Kiefer vom Familienzentrum Rheinfelden und Melanie Penningers, Leiterin der Volkshochschule Grenzach-Wyhlen stehen für Fragen bereit, haben weiteres Informationsmaterial auf einem Tisch gerichtet und sind selbst immer wieder bewegt. „Wir haben hier auch eine Birgit und eine Melanie gefunden, als wir aufgebaut haben“, berichten die beiden berührt. Penningers fügt hinzu, dass es eben nicht nur in Großstadtsiedlungen vorkommt, dass Frauen durch ihre Partner oder Mädchen durch ihre Angehörigen getötet werden. „Die Morde kommen in allen Schichten, Orten, Nationalitäten und Bildungsständen vor“, warnt sie vor Vorurteilen. Dabei vermuten Experten hohe Dunkelziffern. Birgitt Kiefer sagt, dass schätzungsweise das der dreifache Wert vorliegen könnte.
Blutrote Schuhe als Zeichen
Die Wanderausstellung wurde vor einigen Jahren vom Lörracher Frauenhaus zusammengestellt. „Gewalt gegen Frauen ist leider deren Kerngeschäft. Die Auswirkungen bekommen sie täglich mit“, weiß Kiefer. „Zapatos Rojos“ – Blutrote Schuhe - heißt die 2009 entwickelte Aktion der mexikanischen Künstlerin Elina Chauvet. Ihre Schwester starb durch die Schläge ihres Mannes, wurde also Opfer eines Femizids. Jedes Paar Schuhe steht für eine Frau, die lediglich wegen ihres Geschlechts ermordet wurde.
Eine Passantin erzählt Birgitt Kiefer, dass sie das direkt ihren Töchtern in Großstädten geschickt habe, weil sie es toll findet, dass sogar im kleinen Wyhlen auf diese Tragödien aufmerksam gemacht wird. Ein älterer Herr erkundigt sich nach dem Hintergrund der Aktion und geht dann sichtlich geschockt weiter. So wie ihm geht es über den Vormittag über vielen Menschen. Penningers und Kiefer sind deutlich länger als geplant durchgehend im Austausch. „Einige Menschen haben sich dann mit anderen Passanten dazu ausgetauscht. Weitere werden zuhause sicher noch dazu ins Gespräch kommen“, freut sich Birgitt Kiefer über die gelungene Aktion zu den traurigen Schicksalen. „Wir haben Denkanstöße verursacht. Dass sich durch die Schuhe am Straßenrand das Ortsbild veränderte, hat einige Menschen fasziniert“, ergänzt Melanie Peningers. „Mit der Installation werden den Zahlen der Statistik in ein Bild umgewandelt. Das bringt die Botschaft noch deutlicher rüber.“
Hilfe bei gewalt
Frauenhaus:
Unter Gewalt an Frauen nennt das Frauenhaus Lörrach: „Psychische, physische, sexualisierte, digitale und ökonomische Gewalt sowie Stalking und Zwangsheirat. Bei uns gibt es keine Beweispflicht, wir glauben Ihnen. Die Adresse des Frauenhauses ist aus Sicherheitsgründen geheim.“
Kontakt:
Notfallnummer des Frauenhauses Lörrach, Tel. 07621/493 25 (24h/7), www.frauenhaus-suche.de oder www.fhf-loerrach.de