Warum Frauen sich in der in der Kommunalpolitik selbst engagieren sollten statt Machtlosigkeit zu beklagen, verrät die Kolumnistin. Jetzt ist Gelegenheit dazu: Am 9. Juni werden die Kommunalparlamente gewählt – und ist wäre eine Chance für Frauen, einfach mal Frauen zu wählen. Zur Abwechslung.
Weltfrauentag und Equal-Pay-Day innerhalb einer Woche mit den entsprechenden Veranstaltungen überall im Zollernalbkreis: Wir Frauen bekommen einmal jährlich zu hören, dass wir mehr Geld verdienen sollten, ungerecht behandelt werden und für unsere Rechte immer noch kämpfen müssten, während sich die Männer gegenseitig die gut bezahlten Posten und die nötige Unterstützung für noch mehr Gehalt und Macht zuschanzten.
Macht ist das Stichwort für die nahende Kommunalwahl am 9. Juni, wenn überall in Baden-Württemberg die Kreistage, die Gemeinde- und Ortschaftsräte neu besetzt werden. So sicher, wie alljährlich das Klagelied zum Weltfrauentag und zum Equal-Pay-Day angestimmt wird, so sicher laufen sich die Fraktionsvorsitzenden alle fünf Jahre die Hacken ab, um genug Kandidaten und vor allem Kandidatinnen für ihre Listen zu finden.
Warum nicht einfach mal streiken? Die Männer im Haus dürfen auch etwas tun!
Letztere sind besonders schwer zu gewinnen, das ist hinlänglich bekannt. Warum? Weil die Männer am Feierabend Zeit haben, sich mit der Stadtpolitik zu beschäftigen, während die Frauen Wäsche waschen, Kinder ins Bett bringen, die bettlägrige Oma pflegen und zwischen Abendbrottisch und Gutenachtgeschichte noch schnell den Wischmopp schwingen.
An dieser Stelle wird es Zeit für die Frage, warum sie das tun und ihre Ehemänner und Lebensgefährten sich nicht ebenbürtig am Haushalt beteiligen, wofür es übrigens ebenso viele Beispiele gibt wie Gegenbeispiele, denn unter den Männern des 21. Jahrhunderts gibt es längst nicht mehr so viele Machos wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Dort, wo noch welche wohnen, wird es sie geben bis zu jenem Tag, an dem ihre Frauen einfach mal damit anfangen, nur noch Blusen und Kleider zu waschen anstatt Anzughosen und Hemden.
Zumindest die Single- und Karrierefrauen müssten doch die Listen stürmen!
Nehmen wir nun an, es wäre bereits überall so weit und in allen Haushalten des Zollernalbkreises wäre die Haus- und Pflegearbeit gerecht zwischen den Geschlechtern aufgeteilt. Hieße das dann, dass die Fraktionsvorsitzenden einen Ansturm an Kandidatinnen auf die besten Plätze ihrer Listen erleben dürften? Wohl kaum, denn läge der Kandidatinnenmangel tatsächlich alleine an der Doppelbelastung, müssten sich ja wenigstens die berufstätigen Single- und Karriere-Frauen, von denen es auch genug gibt, um die vorderen Ränge streiten. Aber auch das passiert nicht.
Um es übrigens zum 153. Mal zu erwähnen: Im wahlfähigen Alter sind Frauen in der Mehrzahl, und wenn sie nur Frauen wählten, säße kein einziger Mann in auch nur einem Ortschaftsrat, Gemeinderat, Kreistag, Bezirkstag, Landtag, Bundestag oder Europaparlament. Aber auch Frauen wählen gerne Männer, und die Emanzipierten in beiden Geschlechtern warten sehnlichst auf den Tag, an dem alle Wahlberechtigten nur noch jene Personen wählen, die sie für die fähigsten halten – unabhängig von ihrem Geschlecht.
Freiwillige vor! Frauen tun den Gremien gut!
Noch stehen nicht in allen Gemeinden alle Gemeinderats- und Ortschaftsratslisten. Also, Ladies: Freiwillige vor! Denn tatsächlich täten solchen Gremien mehr Frauen gut. Schon allein deshalb, weil Männer in der Regel viel weniger praktisch denken, wenn sie über Ausgaben entscheiden, weil Frauen – Ausnahmen bestätigen die Regel – sparsamer wirtschaften, besser zuhören und damit oft fundierter entscheiden können.
Im Gemeinderat Albstadt ist die Hälfte der Fraktionen übrigens bis vor kurzem von einer Frau geführt worden, bis Susanne Feil von Bündnis ’90/Die Grünen das Gremium verlassen und Jürgen Kiefer die Fraktionsführung übernommen hat. Und wahrlich: von Frauen, die den Mut haben, Tacheles zu reden. Übrigens alle berufstätige Mütter und ehrenamtlich engagiert. Geht doch!