Der frühere Weltladen und die beiden Caritas-Einrichtungen Tafelladen und das Begegnungshaus „Paradios“ haben gemeinsam unter dem neuen Namen „Fairkauf“ und mit neuem Konzept im Reibegässle losgelegt. Kritische Töne gibt es in Richtung Stadt.
„Es ist ein gemeinsamer, neuer Start“, freuten sich die beiden Caritas-Mitarbeiter Michael Vogelmann und Sieglinde Falk sowie die Ehrenamtlichen vom Weltladen Renate Müller-Djuga und Ursula Nagel wenige Tage nach Eröffnung des „Fairkauf“.
Die Caritas selbst ist mit ihren beiden Angeboten schon im September ins Reibegässle gezogen, doch die Ehrenamtlichen vom Weltladen, die ebenfalls in der Neckarstraße ihren Laden hatten, mussten erst mal schauen, wo sie unterkamen.
Mehr Unterstützung von der Stadt Horb gewünscht
„Es gab zwar einige Ideen, mit denen wir auf die Verantwortlichen der Stadtverwaltung zugegangen sind, die sich dann jedoch durch deren Schweigen oder durch zu hohe Mietforderungen von selbst erledigt haben“, erklärte Ursula Nagel zu diesem Thema. Renate Müller-Djuga fügte an, dass man sich hier mehr Unterstützung von Seiten der Stadt Horb gewünscht hätte. „Und das sowohl in finanzieller als auch individueller Hinsicht, denn Horb habe das Label Fairtrade-Stadt zu sein, ohne einen eigenen Weltladen zu betreiben“, verdeutliche Nagel.
Doch die Ehrenamtlichen des Weltladens unterstrichen, dass sie wirtschaftlich nicht so stark aufgestellt sind, dass sie sich teure Mieten oder privilegierte Standorte leisten könnten. Doch nun sind sie ihre Sorgen los. Im Reibegässle ist mit dem „Fairkauf“ zusammengewachsen, was zusammengehört.
Das sind die Ziele für den „Fairkauf“
Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit sind die beiden oberen Ziele aller Akteure im „Fairkauf“. Auf der einen Seite geling das durch fairen Handel mit Produkten aus aller Welt und auf der anderen Seite, dass man in der Textilabteilung zwar getragene, doch gut erhaltene Kleidung für kleines Geld wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückbringt.
„Es muss nicht immer die neueste Mode sein“, ist sich Caritas Fachbereichsleiter Vogelmann sicher. Die Besucher, die immer wieder im Laden vorbeischauen und sich das Angebot anschauen, gaben ihm recht. Der Grundgedanke dieses Konzeptes ist es, Verschwendung zu vermeiden.
Berechtigungsscheine benötigt man nicht mehr
Gleichzeitig möchte man aber auch aus der Schublade „Sozial-Kaufhaus“ raus, wie die beiden Caritasvertreter betonten. „Bei uns ist jeder willkommen – egal ob man ein Pfund fair gehandelten Kaffee braucht, eine neue Sommerhose sucht oder die Lebensmittel für das Mittagessen zum Mini-Preis einkaufen möchte“, so Vogelmann.
Er wies auch darauf hin, dass man für einen Einkauf in der „Lebensmittelabteilung“ keinen Berechtigungsschein – wie früher im Tafelladen – mehr benötigt. „Doch wir kennen unsere Stammkunden und setzen hier auf persönliche Gespräche, um zu vermeiden, dass dieses Angebot ausgenutzt wird“, erklärte er auf Nachfrage.
Keine Warteschlangen mehr wie vor dem Tafelladen
Auch findet er es gut, dass sich durch die längeren Öffnungszeiten gerade im Lebensmittelbereich die seiner Meinung nach menschenunwürdigen Wartezeiten entzerrt hätten. „Früher mussten die Leute Lose ziehen, bevor sie in den Tafelladen rein konnten, heute marschieren sie einfach rein und kommen in der Regel sofort dran.“
Da zu den Kunden im „Fairkauf“ auch viele Senioren gehören, die oft nicht mehr gut zu Fuß sind, ist es gut, dass man den Zugang zum Laden barrierefrei gestalten konnte. Ein Metall-Rampe führt nun in verträglicher Steigung hoch zur Eingangstür.
Begegnungs-Café ergänzt das Angebot
Sozusagen als Klammer aller drei Angebotsbereich gibt es das Begegnungs-Café. Das sind zwei Tischchen mit ein paar bequemen Sesseln drum herum, die locker im hellen und frisch renovierten Raum stehen und die man für eine Pause samt Schwätzchen oder für die Zeitungslektüre nutzen kann.
Eine Tasse Kaffee kostet gerade mal einen Euro und die Initiatoren des „Fairkaufs“ hoffen, dass dieses Angebot ebenfalls wie das ganze Konzept guten Anklang findet. „Jeden Montag ab 16 Uhr leihen zudem Ehrenamtliche vom Zentrum des Zuhörens für zwei Stunden jedem, der es wünscht, ihr offenes Ohr oder helfen beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen“, ergänzt Ursula Nagel, die nicht vergaß, nochmals zu erwähnen, dass man sich von Seiten der Stadt mehr Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Team vom „Fairkauf“ wünscht.
Ehrenamtliche Helfer gesucht
Jeder kann mithelfen
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gesucht –und jeder könnte in dem Bereich, der ihm am meisten liegt, beispielsweise im Verkauf oder als Fahrer, mithelfen. Wer Interesse hat, kann sich unter der Telefon-Nummer 0162/ 2 49 39 33 melden.
Öffnungszeiten
Geöffnet hat der „Fairkauf“ montags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 16 Uhr. An den anderen Werktagen von 10 bis 14 Uhr.