Unfälle und medizinische Notfälle können immer und überall auftreten. Schnelles Eingreifen ist dann essenziell. Was Ersthelfer beachten müssen, verrät Uwe Bertsch, Vorsitzender des DRKs in Neuried, anlässlich des heutigen Welt-Erste-Hilfe-Tags.
Schnelles Handeln kann in kritischen Momenten über Leben und Tod entscheiden.
Am heutigen Welt-Erste-Hilfe-Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden.
Uwe Bertsch, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Neuried, verrät im Gespräch mit unserer Redaktion, welche Maßnahmen jeder kennen sollte, was die größten Erste-Hilfe-Mythen sind und was man in einem Notfall auf keinen Fall tun sollte.
Herr Bertsch, was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste an der Ersten Hilfe?
Strukturiertes Abarbeiten einer Notfallsituation in den drei Schritten Erkennen, Überlegen und Handeln. Man muss zuerst erkennen, was passiert ist, wer beteiligt ist und wie viele Verletzte es gibt. Dann sollte man überlegen, welche Gefahr für den Verletzten droht und welche Gefahr für einen selbst als Ersthelfer droht. Dann folgt das Handeln mit Notruf und Sofortmaßnahmen laut vorgefundener Situation.
Was halten Sie davon, dass der Ersten Hilfe ein ganzer Tag gewidmet wird?
Das finde ich großartig. Eine zeitnahe Ersthelferaktivität entscheidet maßgeblich den weiteren Genesungsverlauf des Betroffenen.
Welche Maßnahmen sollte jeder kennen und ausführen können?
Die Seitenlage, die Schocklage, bedrohliche Blutung stillen, Herz-Lungen-Wiederbelebung und das Anlegen eines Defibrillators.
Und welche Maßnahmen sollte man lieber den Profis überlassen?
Die Rettung aus großen Tiefen oder Höhen, die Rettung aus einem brennenden Haus und auch erweiterte rettungsdienstliche Maßnahmen. Nichts tun ist tabu. Jeder kann auf seine Art irgendwie helfen.
Was raten Sie Menschen, die Angst haben, etwas falsch zu machen?
Sie sollten einen Notruf abgeben. Die Disponenten sind für solche Situationen geschult und leitet den Ersthelfenden dann entsprechend an. Außerdem rate ich, ab und zu wieder einen Erste-Hilfe-Kurs oder einen Auffrischungskurs zu besuchen.
Ist die Gesellschaft ausreichend geschult, was Erste Hilfe angeht?
Nein. Seit die Erste-Hilfe-Kurse nicht mehr staatlich unterstützt werden, mussten die Kursgebühren angehoben werden. Nicht jeder kann sich regelmäßig, beziehungsweise mehrmals den Kurs leisten. Es sollten mehrere Erste-Hilfe-Kurse geben oder auch eine verpflichtende Auffrischung der Verkehrsteilnehmer in einem gewissen Abstand.
Was sind die größten Mythen über die Erste Hilfe?
Zum Einen: Ich kann auf Grund meiner geleisteten Erste-Hilfe-Maßnahmen im Nachhinein belangt werden. Zum Anderen: Ich kann kein Blut sehen. In den Notfallsituation wird im eigenen Körper so viel Adrenalin ausgeschüttet, das Höchstleistungen im Menschen hervorbringt und zu Taten animiert.
Sie sind Vorsitzender im DRK-Ortsverein Neuried. Wie viel Arbeit bringt so ein Amt mit sich?
Das Amt des Bereitschaftsleiters, das ich davor 23 Jahre inne hatte, ist wesentlich arbeitsintensiver. Das Amt des Vorsitzenden dreht sich mehr um rechtliche Aufgabenbereiche. Meine Herausforderungen als Vorsitzender sind hauptsächlich ein stabiler Haushalts- und Investitionsplan und die Zukunftsausrichtung des Ortsvereins.
Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer Zeit beim DRK, das Sie besonders geprägt hat?
In den 80 Jahren häuften sich die Symptome des plötzlichen Kindstods. Außerdem werde ich die erste begleitende OP im Rahmen einer rettungsdienstlichen Ausbildung nie vergessen.
Welche Einsätze sind beim Ortsverein Neuried besonders häufig?
Da wir für unsere Bevölkerung den HVO-Dienst eingeführt haben, werden wir im Durchschnitt jährlich zu 300 Notfällen alarmiert. Bei diesem Dienst gibt es Helfer vor Ort, die bei lebensbedrohlichen Notfallsituationen von der Leitstelle Ortenau zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert werden, wenn wir dadurch das therapiefreie Intervall, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, verkürzen können.
Hat sich die Arbeit im DRK in den vergangenen Jahren geändert?
Die Qualität der Ausbildungen hat sich gesteigert. Die Aufgabenbereiche in den sozialen Bereichen haben zugenommen. Die Schnittstellen zum LRA – das sind die Katastrophenschutzstellen – wurden besser ausgebaut. Er gibt mittlerweile für fast jede Begabung entsprechende Arbeitskreise, so dass jeder sich im DRK wiederfinden kann.
Warum sind Einrichtungen wie das DRK wichtig?
Das DRK ist in Konfliktsituationen, bei Naturkatastrophen oder Pandemien und gesundheitlichen oder sozialen Notlagen nicht mehr wegzudenken. Es ist das Rote Kreuz, das humanitäre Hilfe leistet und medizinische Versorgung bereitstellt, um das Leben der betroffenen Menschen zu retten. So ein Bindeglied stellt jede DRK-Bereitschaft, also die Ortsvereine, in der Organisation dar.
Zur Person
Uwe Bertsch ist seit 1978 im DRK. Zunächst war er zehn Jahre stellvertretender Bereichsleiter im Ortsverein Neuried, anschließend 23 Jahre Bereitschaftsleiter. 2021 übernahm der 62-Jährige das Amt des Vorsitzenden. Er ist derzeit im engagierten Vorruhestand.