So eine Sitzung des Wellendinger Gemeinderats muss nicht unbedingt abendfüllend gestaltet werden – und ist es auch selten. Fallen dann doch mehr Worte als erwartet, spielen Frauen eine nicht unwesentliche Rolle.
Da stellt sich zum Beispiel die Frage nach Straßennamen für das Gebiet des Bebauungsplans „Auf dem Altberg – 2. Erweiterung“. Drei sind es.
Weil Gewann-Namen, wie jüngst üblich in der Gemeinde, Verwirrung stiften könnten (zu „Am Altberg“ würde sich dann „Auf dem Altberg“ hinzugesellen), wird angeregt, die Reihe mit Dichternamen fortzuführen, die bereits in der Nachbarschaft existieren.
Weimarer Klassik und mehr
Topographisch tiefer, beherbergen Schillerstraße, Uhlandweg und Goethestraße möglicherweise Liebhaber des gehobenen Versmaßes. Nun könnten Mörikeweg, Hölderlinstraße und Droste-Hülshoff-Straße diesen Reigen fortführen.
Doppelnamen-„Drama“
Dies geschieht schließlich auch, obwohl ausgerechnet des Bürgermeisters Hommage an die Weiblichkeit (Annette von Droste-Hülshoff) so ihre Tücken hat. Ein Doppelname, den ein weibliches Mitglied des Ratsgremiums mit Doppelnamen zu der Überlegung führt, ob da nicht das Schreiben einer Adresse mit zwei Doppelnamen zu komplex ausfallen könnte.
Schlüssigere Alternativen auf die Schnelle, die im beginnenden 19. Jahrhundert von Kalliope (Epische Dichtung), Erato (Liebesdichtung), Melpomene (Tragödie) oder Thalia (Komödie) so innig geküsst wurden, dass sie 200 Jahre später noch ein Begriff sind, lassen sich trotz Internet nicht finden. So bleibt es bei der Verfasserin der „Judenbuche“.
Nein zum „Altberg“-Plan
Abgelehnt wird das Vorhaben eines Schuppengebiets nördlich von „Auf dem Altberg – 2. Erweiterung“. Mit Bedacht in einer ruhigen Nacht, so Schultes Thomas Albrecht, sei sein Entschluss gereift, die Planungen abzubrechen. So ein mächtiges Gebiet (vier Siebenerreihen, also 28 Plätze) in unmittelbarer Nachbarschaft des Wellendinger Baugebiets der Zukunft scheint nicht der wahre Jakob zu sein. Vehement, entschlossen und ohne viel Zeit beim Sinnieren zu verlieren, dafür Armin Klaiber („Das wäre die größte Dummheit“).
Da es jedoch einst sechs oder sieben Anfragen gegeben hat – aktuell möglicherweise jedoch deutlich mehr aus den Reihen derer, die eine Unterstellmöglichkeit für ihren Wohnwagen benötigen, was wiederum nicht der Sinn eines Schuppens in einem Schuppengebiet sei –, soll das Vorhaben Schuppengebiet nicht zu den Akten gelegt werden.
Ein weiterer Versuch
Die besondere Landschaft auf Wellendinger Gemarkung mit ihrer Vielzahl an sensiblen Arealen – so FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat), die dem Schutz gefährdeter Lebensräume sowie gefährdeter Tier- und Pflanzenarten dienen – hat bereits zu vielen Absagen geführt.
Nun will sich der Bürgermeister erneut mit dem Landratsamt in Verbindung setzen und über einen Platz hinter dem Bauhof sprechen, der bereits einen Schuppen beherbergt und für ein Schuppengebiet in Frage kommen könnte.
Ein diffiziles Thema
Ähnlich diffizil könnten Gespräche mit manchen Eltern von Kindertagesstättenkindern abgelaufen sein. Dieser Eindruck entsteht, bevor auf Wunsch des Leitungsteams des Kinderzentrums Wellendingen über eine Änderung der Benutzungsordnung für diese Einrichtungen abgestimmt wird.
Festgeschrieben werden neben anderen Punkten bei „Aufgaben“ das Kennenlernen der Vereine, Brauchtümer und Geschichte der Gemeinde, bei „Aufsicht“ das 9-Uhr-Diktum und bei „Betreuungszeiten“ im Kindergarten Ü 3 der Oktober als einziger Monat im Jahr für eine Änderung (bisher ist es der September).
Flexibilität vermisst
Als Yvonne Skarlatoudis diese Passage als unflexibel ansieht und eine Beratung im Kinder- und Jugendausschuss anregt, kombiniert mit den verschiedenen Fährnissen, die das Leben mit Kleinkindern bereithalten kann, können durchaus Erlebnisse aus der Tiefe der Erinnerung bei denjenigen auftauchen, die Elternabende in Kindergarten und Schule besucht haben und deren Stärke nicht unbedingt ein zielgerichtetes Lösen von echten und anderen Problemen war.
Da gerade die lange praktizierte flexible Note im Rathaus das Gefühl verstärkt hat, dass es Zeitgenossen gibt, die so manches ausnützen, soll nun an der bereits praktizierten konsequenteren Note nicht gerüttelt werden. Bürgermeister Albrecht erklärt: „Wir müssten das Personal im Rathaus für die Bearbeitung und im Kinderzentrum zum Vorhalten möglicher Eventualitäten aufstocken, wollten wir alle Wünsche erfüllen.“
Bei einer Gegenstimme wird schließlich die Benutzungsordnung geändert.
Blick in den Haushalt
Zur Kenntnis genommen wird der Haushaltszwischenbericht nach dem vierten Quartal. Er beinhaltet neben anderen Zahlen Gewerbesteuereinnahmen von 3,933 Millionen Euro. Somit mehr als Ansatz (3,7 Millionen Euro) und 2023er-Ergebnis (3,197 Millionen Euro).