Wichtig für die Geschichte von Wellendingen ist das ehemalige Schloss. Kein Wunder, dass bei Bauarbeiten Funde aus früheren Jahrhunderten auftauchten.
Das heutige Rathaus in Wellendingen hat seinen Sitz im ehemaligen Schloss des lokalen Ortsadels. Das Gebäude soll laut schriftlicher Überlieferung am Platz einer erstmalig im 14. Jahrhundert genannten Burg beziehungsweise eines Steinhauses stehen. Das Schloss im Wellendinger Dorfzentrum, unweit der katholischen Kirche gelegen, ist für die Ortsgeschichte von wichtiger Bedeutung.
Seit im Frühjahr diesen Jahres der Schlossplatz grundlegend umgestaltet wird, war es klar, dass diese Bodeneingriffe archäologisch begleitet werden mussten. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und dem Landratsamt Rottweil begleiteten die beiden langjährig erfahrenen, ehrenamtlichen Beauftragten des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Klara und Bernd Pieper aus Oberndorf a. N., diese Maßnahme von Beginn an.
Im Süden und im Osten
Hierbei konnten im ehemaligen Garten auf der Südseite des Schlosses, nicht nur die Reste einer erst nach dem Kauf des Schlosses durch die Gemeinde errichteten Gartenmauer dokumentiert werden, sondern, was wesentlich bedeutender ist, auch die Mauerzüge eines etwa zwölf Meter langen Gebäudes, welches ehemals im Schlossgarten stand.
Welche Funktion dieses Gebäude hatte, kann nur vermutet werden, allerdings muss es den Funden nach im 17./18. Jahrhundert entstanden sein und war aufgrund der geringen Mauerstärke von nur 50 Zentimetern vermutlich nicht mehrstöckig errichtet.
Spannend wurde es nochmals, als im Osten vor dem Gebäude der Parkplatz abgetragen wurde und dort ebenfalls die Reste von zwei zeitlich unterschiedlichen Mauern ans Tageslicht kamen. Die größere, massive Mauer hatte eine Breite von fast einem Meter und gehörte vermutlich zum 1839 abgebrochenen, sogenannten „Neuen Schloss“. Weitere ausgegrabene Mauerreste dürften noch älter sein und können im Moment nicht sicher zugeordnet werden.
Bemerkenswert sind die zahlreichen sichergestellten archäologischen Funde, welche einen kleinen Einblick in die teils gehobene Lebenswelt des Adels geben.
Keramik vor und nach 1700
Während die gemachten spätmittelalterlichen Keramikfunde vom 13. bis 15. Jahrhundert dem üblichen zu erwarteten Fundspektrum entsprechen, zeigen vor allem manche keramischen Funde des 17. und 18. Jahrhunderts eine höhere Qualität, als zeitlich vergleichbare Funde aus dem sonstigen dörflichen Umfeld.
Da die archäologischen Maßnahmen baubegleitend erfolgten, kam es zu keinen größeren nennenswerten Verzögerungen im Bauablauf. Selbst am Wochenende haben die beiden Ehrenamtlichen auf der Baustelle gearbeitet, um so schneller mit den Arbeiten voranzukommen.
Ausstellung angedacht
Nach einer sorgfältigen schriftlichen Dokumentation und Aufarbeitung aller Funde und Befunde durch Klara und Bernd Pieper ist es angedacht, die schönsten und interessantesten Fundstücke für kurze Zeit in Wellendingen auszustellen, um diese der Bevölkerung zu präsentieren.