Mehrfachblutspender aus der Gemeinde Wellendingen werden von Bürgermeister Thomas Albrecht (links) und DRK-Kreisbereitschaftsleiter Michael Häring (rechts) ausgezeichnet: Matthias Mager und Marcus Stotz (für je 25 Blutspenden) sowie Ismail Celik, Erzsebet Gedö, Tobias Hugger und Udo Leibold (für je zehn). Foto: Pfannes

Zwei längere Vorträge mit Informationsgehalt unterschiedlicher Art bereichern die Wellendinger Gemeinderatssitzung: der jährliche zur Blutspenderehrung mit neuen Nuancen und eine Einführung in die örtliche Stromversorgung.

Wellendingen - DRK-Kreisbereitschaftsleiter Michael Häring versieht die Ehrung der Mehrfachblutspender mit ernsten und launigen Anmerkungen. Dank seinen Erfahrungen und seines Wissens zieht er – wie an diesem Abend – die großen Linien bis ins Mittelalter (Aderlass), aber auch in die fernöstliche Wissenschaft, wo durchaus die Blutgruppe bei der Partnerschaftswahl eine Rolle spiele.

Doch wie bei jeder Studie scheint nicht alles eindimensional zu sein. So werden Menschen mit der häufigsten Blutgruppe als introvertiert, schüchtern und zurückhaltend beschrieben. Zweifel an der Studie kommt bei Anwesenden auf, als sich Armin Klaiber als besagter Typ A zu erkennen gibt. Häring beschreibt jedoch weiter: Typ A brauche länger, bis er auftaue, er begegne seinem Umfeld mit Vorsicht, habe er Vertrauen gefasst, sei er loyal, ehrlich und übernehme gerne Verantwortung. Und dies relativiert sofort die durchaus nicht unwahrscheinliche Spontaneinschätzung im Ratssaal von eben.

Tendenz Erdkabel

Mit handfesteren Informationen wartet Jens Schwarz (Netze-BW, Regionalmanager Verteilnetz), der zusammen mit Netze-BW-Kommunalberater Karsten Lüdke in die Sitzung kommt, auf. Als Stromnetzbetreiber ist Netze-BW mit der Gemeinde Wellendingen verbunden. Zusammen mit der Kommune gelte es, "die Energiewende gemeinsam voranzubringen, um eine sichere, zukunftsfähige Infrastruktur zu gewährleisten", wie Bürgermeister Thomas Albrecht in der Sitzungsvorlage formuliert hat.

Aus der Vielzahl der Botschaften ist zu erwähnen, dass es 79,7 Kilometer Stromleitung in der Gemeinde gebe (20,1 Mittelspannung, 59,6 Niederspannung). Der Trend gehe weg von Freileitungen zum Erdkabel (nach und nach, wenn es von der Bundesnetzagentur genehmigt werde – so mit Blick auf die Kosten). Der Verkabelungsgrad habe sich bei der Mittelspannung von 64,3 (2019) auf 70,1 Prozent (2021) verbessert und bei der Niederspannung von 59,4 auf 61,1 Prozent.

Die Versorgungssicherheit

Gut für die Gemeinde sei, dass es drei Versorgungsleitungen gebe, nicht nur eine. Dies spreche für die Versorgungssicherheit. Falle einmal eine aus, werde es nicht dunkel und kalt. Überhaupt der Stromausfall: Im Durchschnitt seien es 5,2 Minuten im Jahr gewesen, berichtet die Statistik, die Schwarz dabei hat. Zum Vergleich: 10,7 Minuten seien es in Deutschland gewesen, 63,5 in Frankreich und 115 in den USA.

Derzeit neun Prozent

Es gebe 115 Photovoltaikanlagen in der Gemeinde, ein leicht steigender Wert seit 2014. Von 2,6 Millionen Kilowatt-Stunden ist dabei die Rede, der Jahresverbrauch liege bei 28 Millionen Kilowatt-Stunden. Dies bedeute, dass etwa neun Prozent des Bedarfs in Wellendingen eingespeist werden.

Beim Blick auf die Kosten wird Thomas Schaubers Einschätzung, das Netzentgelt werde sich künftig wesentlich erhöhen, nicht widersprochen. Schließlich sollen es ja nicht nur neun, sondern mehr als 90 Prozent im Jahr 2040 werden, im Jahr der Klima-Neutralität. Und dies sei dann der Faktor bei der Stromrechnung, so Schauber. Mit Betonung auf das Wörtchen "der".

Nicht direkt geht der Netze-BW-Mitarbeiter auf Armin Klaibers Frage ein, ob das Erreichen dieses besagten Ziels realistisch sei oder lediglich Schöndenken. Jens Schwarz spricht von einer "politischen Entscheidung" und "extrem großen Herausforderungen". Für Armin Klaiber ist dies jedoch eine deutliche Antwort.

Immerhin: Die großen Masten bei Neufra sollen stehen bleiben. Masten, die seit Jahrzehnten Strom transportieren.

19 + 23 hier, 2129 dort

Weitere Zahlen sind bezeichnend. Ladestationen gebe es 16 in der Gemeinde, 19 E-Autos, 23 Hybridfahrzeuge und 2129 mit Verbrennungsmotor. Aber auch die Anmerkung von Frank Friesch, dass es derzeit ja Mangel an so vielen benötigten Teilen gebe, dass die Lieferzeiten für Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen durchaus zwölf Monate betragen würden, stimmen nicht so optimistisch, wie die Stimme des Netze-BW-Experten klingt.

Es bleibt länger dunkel

Ein Zeichen in Sachen Energieeinsparung setzt dann gleich anschließend die Gemeinde. Die Straßenbeleuchtung geht früher aus: wochentags bleibt es dunkel von 23.30 bis 4.30 Uhr (bisher: 1 bis 4.30 Uhr), von Freitag auf Samstag 1 bis 4.30 Uhr (bisher: 2 bis 4.30 Uhr) und von Samstag auf Sonntag 1 bis 6 Uhr (bisher: 2 bis 4.30 Uhr).

Wenn der Bauhof zimmert

Um die Bücherhäuschen darf sich der Bauhof kümmern und zwei haltbare mit Satteldach selber zimmern. Vorbild ist eine Variante, die Armin Klaiber in Hausen ob Rottweil entdeckt hat. Ein weiterer Vorschlag einer Schreinerei aus Rangendingen (nach jenem, der in der Mai-Sitzung zur Sprache kam), der pro Häuschen 3000 Euro kostet, wird als schön, aber zu kostbar für diesen Zweck gewertet. Standorte könnten am überdachten Eingang des Bürgerhauses in Wellendingen und unter der Überdachung des Feuerwehrhauses in Wilflingen sein.

Ein Wettbewerb kommt

Um die Neugestaltung des Brunnenwasens und des Schlossplatzes hat sich der Gemeinderat während seiner Klausurtagung Anfang Juli Gedanken gemacht. Fazit damals und nun einstimmig Beschluss geworden: Die Steg (Stadtentwicklung Südwest) soll einen Planungswettbewerb mit Bürgerbeteiligung in die Wege leiten.

Jochen Hermanns Fragen

Die Frage von Bürger Jochen Hermann, ob der Schlossplatz autofrei gestaltet werden könne, schätzt Bürgermeister Albrecht als unrealistisch ein. Allein deswegen, weil ja das Rathaus Stellplätze für die Mitarbeiter vorhalten müsse.

Eine weitere Frage des umtriebigen Bürgers betrifft Pfarrer Paul, der vor dem Abschied aus Wellendingen steht. Thomas Albrecht berichtet, dass er dem Bischof einen längeren, teils persönlich gehaltenen Brief geschrieben habe. Darauf habe er lange keine Antwort erhalten. Auf Nachfrage, ob sein Schreiben angekommen sei, habe er schließlich eine Antwort, mehr oberflächlicher Natur, bekommen. Albrechts Fazit: Die Kirche lasse sich in ihre Personalpolitik nicht hineinreden. Doch dies würde er, Albrecht, bei seiner im Rathaus auch nicht wollen.

Ein Nachmittag an Ostern

Gedanken über die künftige Gestaltung des Seniorennachmittags folgen am Ende der Sitzung. Wegen der Corona-Pandemie wird erneut auf einen Nachmittag im Advent verzichtet. Geschenke wie im Dezember 2021 soll es dafür geben. Angedacht ist ein Seniorennachmittag um Ostern herum. Dann sei es nicht zu heiß wie im Sommer. Eine Anregung von Anne-Kathrin Wagner.