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Wellendingen Taten statt Lippenbekenntnisse

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Die weichen, die harmonischen Momente überwiegen in der Sitzung des Wellendinger Gemeinderats kurz vor dem Weihnachtsfest.

Wellendingen. Beginnen wir am Schluss. Bürgermeister-Stellvertreter Wolfgang Minder zieht ein positives Fazit des zu Ende gehenden Jahres. Er spricht von einem intensiven 2018, in dem vieles für die Gesamtgemeinde auf den Weg gebracht worden sei. "Darauf dürfen alle stolz sein." Weil Stillstand Rückschritt bedeute, müsse mit Blick auf die expandierenden Betriebe und die wachsende Zahl der Arbeitsplätze in der Gemeinde die Infrastruktur weiterentwickelt werden. Ein Punkt dabei sei die Erweiterung des Kinderzentrums.

Erfreulich stuft Wolfgang Minder die sanierte Kreisstraße zwischen beiden Ortsteilen ein. Er hofft, dass somit die direkte Verbindung zwischen Wellendingen und Wilf­lingen für längere Zeit bestehen bleiben sollte. Dies schließt das Binnenverhältnis der beiden charakterstarken Ortsteile mit ein, das in der jüngeren Vergangenheit eine harte Belastungsprobe (Stichwort: unechte Teilortswahl und Sitzverteilung im Gemeinderat) aushalten musste.

Wolfgang Minder bedauert es, dass es keine Annäherung beider Ortsteile gegeben habe. "Im Gegenteil." Er spricht in diesem Zusammenhang aber nicht nur den Gemeinderat, sondern auch das Vereinswesen an. "Lippenbekenntnisse helfen nicht weiter, Taten müssen folgen." Da etliche Gemeinderäte bei der Kommunalwahl im Mai nicht mehr kandidieren wollen, setzt er in gewisser Weise auf die volkstümliche Weisheit, dass "neue Besen bekanntlich besser kehren". Und er setzt gewisse Hoffnungen auf diese neuen Besen.

Minders Didaktik

Weil die Verwaltung mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet ist, scheint es didaktisch durchaus angebracht, neben dem berechtigten Lob für gute Taten auf das ein oder andere Unrunde hinzuweisen wie "eine Bebauung auf der Höhe mit Verlängerung einer Straße".

Zum versöhnlichen Finale trägt Guido Hermann mit bei, als er eine Erklärung abgibt. Der Gemeinderat der Bürgerliste Wellendingen bezieht sich auf seine Ankündigung in der November-Sitzung, Rechtsmittel gegen den Beschluss über die Sitzverteilung im Gremium einzulegen. Vor vier Wochen erhielt der Antrag über ein 10 (Wellendingen) zu 4 (Wilflingen) keine Mehrheit. Zehn zu vier spiegelt ziemlich genau das Verhältnis der Bevölkerung in beiden Ortsteilen wider. Somit bleibt es beim bisherigen neun zu fünf.

Hermanns Erklärung

Guido Hermann nimmt besagte Ankündigung zurück. Er habe sich mit seinem Rechtsanwalt beraten. Zwar sei die Sitzverteilung nach den Einwohnerzahlen der einzelnen Ortsteile vorzunehmen, allerdings lasse die Gemeindeordnung Abweichungen zu. Und es liegen, so Hermann, keine jüngeren Ge-richtsentscheidungen vor, die "den in der letzten Sitzung mit demokratischer Mehrheit gefassten Beschluss nicht zulassen würde". Deshalb verzichten er, die Bürgerliste und die SPD-Liste auf Rechtsmittel und "akzeptieren das Ergebnis".

Zwei Anmerkungen macht Guido Hermann dennoch. Einerseits findet er es schade, dass die Verwaltung auf seine Forderung nicht eingegangen sei. Er hatte gebeten, im Vorfeld beim Regierungspräsidium eine Stellungnahme einzuholen. Andererseits erinnert er an das prozentuale Verhältnis beider Ortsteile und Sitze (Wellendingen 71 Prozent Bevölkerung und 64 Prozent Sitze, Wilflingen 29 Prozent Bevölkerung und 36 Prozent Sitze) sowie an die namentliche Abstimmung vor vier Wochen mit Blick auf die Kommunalwahl Ende Mai.

Albrechts Bitte

Bürgermeister Thomas Al­brecht nimmt dies zur Kenntnis und bittet mit Blick in die Ratsrunde, nicht nachtragend zu sein. Er erinnert an viele Jahre lösungsorientiertes Arbeiten im Gemeinderat. Lebe der Gemeinderat jedoch Streit vor, dann könne man keine Wunder von den Vereinen erwarten. "Ich habe mit ihnen die Zusammenarbeit bis auf die November-Sitzung genossen."

Uneingeschränkt genießen kann die Verwaltung das Lob von Tobias Schlenker über die neue Homepage der Gemeinde, die "super" geworden sei. Hier haben sich vor allem Phillippe Liebermann und Amelie Warmbrunn Meriten erworben.

Wellendingens Zahlen

Nicht minder gehört dazu die einstimmige und zügige Verabschiedung des 2019er-Haushalts, der somit Gesetz wird. Das Werk hat ein Volumen von 13,362 Millionen Euro, aufgeteilt in den Verwaltungs- (11,697 Millionen Euro) und den Vermögenshaushalt (1,664 Millionen Euro). Zum Vergleich: Die 2018er-Zahlen lauten: 17,32 Millionen Euro, aufgeteilt in 12,44 Millionen Euro und 4,88 Millionen Euro.

Im Mittelpunkt stehen 2019 die geplante Erweiterung des Kinderzentrums, eine Straßenverlängerung und Kanalisationsarbeiten im Gewerbegebiet Bahnhof sowie das Sanierungsgebiet "Wellendingen Ortsmitte". Ebenso notiert ist im Zusammenspiel mit dem Land die Sanierung der Frittlinger Straße.

Die Gewerbesteuereinnahmen werden, mit Blick auf die gedämpfte Entwicklung im aktuellen Jahr, lediglich mit 4,0 Millionen Euro eingeplant. Für 2018 waren noch 5,0 Millionen Euro erhofft worden, diese Zahl wird aber nicht erreicht.

Liebermanns Fazit

Die 2019er-Zuführungsrate, das erwirtschaftete Geld aus dem Verwaltungshaushalt, ist mit 852 471 Euro errechnet und hilft, Investitionen, die im Vermögenshaushalt notiert sind, zu finanzieren. Eine Kreditaufnahme von 900 000 Euro ist vermerkt, ebenso eine Entnahme aus den Rücklagen von 412 133 Euro.

Den derzeitigen Schuldenstand hat der Kämmerer mit 1,738 Millionen Euro errechnet (549 Euro pro Kopf), er könnte sich in einem Jahr bei 2,09 Millionen Euro einpendeln (659 Euro pro Kopf). So verwundert es nicht, wenn das Fazit von Phillippe Liebermann mit "Die Haushaltslage im Jahr 2019 stellt sich sehr angespannt dar" beschrieben wird. Erfreulich ist dafür, dass sich der Finanzplan "ohne weitere Verschuldung in den kommenden Jahren darstellen" lasse. Und er empfiehlt, in den folgenden Jahren eine geeignete Rücklage aufzubauen.

Einstimmig genehmigt der Gemeinderat Anschaffungen für den Bauhof: einen Transporter, Marke Fiat, von der Firma Probst (Schörzingen) in Höhe von 25 780 Euro, einen Tandem-Dreiseiten-Kippanhänger von der Firma Müller-Mitteltal (Baiersbronn) in Höhe von 16 850 Euro und die Erneuerung der Lackierung des Fendt-Traktors.

Als Grund nennt Heiko Götz, Stellvertreter des Bauhofleiters, unvermeidbare Steinschläge beim Mulchen. Er regt Richtung Landwirtschaft an, Feldwege nicht mit dem Pflug zu bearbeiten. Denn: "Bis heute wächst kein Getreide auf Makadam."

Und Armin Klaiber nutzt die Gelegenheit, zu betonen, dass er in der vergangenen Sitzung nicht gesagt habe, der Bauhof pflege seine Maschinen nicht. Er habe lediglich wissen wollen, warum das Fahrzeug (mit laut Götz mehr als 2000 Betriebsstunden) lackiert werden müsse.

Roy Blacks Filme

Ohne Widerspruch werden zwei andere Tagesordnungspunkte auf den Weg gebracht: Firmenleitsystem und Ortseingangsschilder. Bei erstem soll bei den Firmen der Gemeinde der Bedarf nach diesen Hinweisschildern abgefragt werden, bei zweitem soll ein zweiter Versuch gestartet werden, im Jahr 2020 Schilder mit neuem Aussehen – jenseits der von Schultes Al­brecht so titulierten Roy-Black-und-Uschi-Glas-Filme-Optik – zu installieren, die Besucher an den Ortseingängen begrüßen und auf Veranstaltungen hinweisen.

Schmehs Beobachtung

Möglicherweise das heikelste Thema des Abends soll zuletzt genannt werden. Simon Schmeh irritiert die große Fluktuation des Kindergartenpersonals. Er spricht von 20 Erzieherinnen in zwei Jahren, die er als Vater eines Kindergartenkinds habe gehen sehen und nennt diese Zahl "ein bisschen viel". Ein Problem, dass dem Bürgermeister bekannt ist und "an dem wir arbeiten". Anfang des kommenden Jahres soll es konkreter werden.

Dass der Zeitgeist ein anderer geworden ist, ist bei den Anwesenden im Ratssaal unstrittig. Und die Epoche, als ältere Gemeinderäte einst als Jungspunde, teilweise 56 in einem Jahrgang, von vier oder fünf resoluten Damen in Schach gehalten worden sind, kommt nicht wieder.

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