Die Personalkosten sollen auf 35 Prozent gedeckelt werden, fordert die FWV. Der Sulzer Stadtkämmerer Fauser geht da mit – sieht aber andere Probleme auf die Kommune zukommen.
Die Personalkosten im Haushalt sind auf 35 Prozent zu begrenzen, ist sich die Freie Wähler Vereinigung einig.
Mit der Deckelung der Personalkosten sollen diese nicht mehr über das aktuelle Niveaus steigen – einzig Tariferhöhungen sowie tariflich bedingte Stufensteigerungen seien zulässig, heißt es in dem Antrag an den Gemeinderat. „Langfristig muss versucht werden, die Personalkosten wieder unter die 35-Prozent-Marke zu bringen“, blickt die Fraktion in die Zukunft.
Aufgaben neu bündeln
„35 Prozent sind ein Ziel, aber wenn zusätzliche Aufgaben durch den Gesetzgeber kommen, müssen wir darauf reagieren“, ordnet Jürgen Huber (FWV) den Sachverhalt ein. Und sein Parteikollege Daniel Bonanno ergänzt: „Die 35 Prozent gelten als globales Ziel – nicht jede einzelne Stelle muss dieses Soll erfüllen.“
Darüber hinaus werde die Verwaltung dazu angehalten, ihre Personalressourcen effizient einzusetzen, Doppelstrukturen zu vermeiden und Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Dazu sei es gegebenenfalls nötig, Aufgaben neu zu bündeln oder umzuschichten, heißt es in dem Antrag.
Automatisierung ermöglichen
Helfen könne dabei Künstliche Intelligenz (KI). So solle die Verwaltung auch Vorschläge erarbeiten, wie durch Digitalisierung, Prozessautomatisierung und KI der Arbeitsaufwand für die Beschäftigten reduziert und die Personalkosten langfristig gesenkt werden können.
„Wir wollen keine Leistungsverdichtung“, macht Huber die Position seiner Partei deutlich. Stattdessen solle geprüft werden, welche Tätigkeiten sich für digitale oder automatisierte Bearbeitung eigneten.
Drei statt fünf Stellen
Wichtig dafür sei seiner Meinung nach Transparenz. „Wo gibt es Einsparpotenzial, was läuft gut, wo klemmt es?“, nennt er eine Reihe von Fragen. Auch solle deutlich gemacht werden, wenn etwas geschafft wurde. „Digitalisierung spart zum Beispiel zehn Wochenstunden ein“, spricht Huber ein fiktives Beispiel an.
„Das Organisationsgutachten hat uns einen zusätzlichen Personalbedarf von fünf Vollzeitstellen gezeigt“, kommt Bürgermeister Jens Keucher auf die Personalsituation zu sprechen. Die Verwaltung habe sich hingegen nur für drei Stellen – einen Digitalisierungsbeauftragten, den Klimamanager und eine EDV-Stelle – ausgesprochen.
Arbeitsmarkt ist leer
„Solange wir personell hinter dem Gutachten bleiben, sehe ich mich bestätigt“, skizziert Keucher seine Stellen-Strategie. Der grassierende Fachkräftemangel mache es ohnehin nötig, als Kommune auf personalsparende Methoden – wie die Digitalisierung – zu setzen.
Und dass die Stadt einfach Personal ohne Ende einstellen würde – diese Gefahr sieht der Bürgermeister eher nicht. „Man kann die guten Leute nicht einfach so auf der Straße einsammeln“, spricht er die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt an. Umso mehr freue er sich jedoch, dass es für momentan zu besetzende Stellen vielversprechende Bewerbungsgespräche gebe.
Ganztag als finanzielles Problem
Zuletzt meldet sich noch Stadtkämmerer Hans-Peter Fauser zu Wort: „Ich kann mit den 35 Prozent leben“, stellt er fest. Und lenkt das Augenmerk auf ein anderes Problem – so steige die Aufgabenlast der Kommunen durch gesetzliche Vorgaben, die Finanzierung halte aber nicht Schritt.
Ein Beispiel seien etwa die Stellen für die vorgegebene Ganztagesbetreuung. „32 Prozent der Kosten bleiben an den Kommunen hängen“, schätzt Fauser. Der Gemeinderat stimmt dem Antrag bei einer Nein-Stimme mit großer Mehrheit zu.