Von ursprünglich zehn Haltestopps am Friesenheimer Bahnhof gibt es seit mehr als vier Jahren nur noch zwei – viel zu wenig, wie die Bürgerinitiative findet. Sie bleibt hartnäckig und will weiterkämpfen.
Mit viel Worten hält sich Harald Wendle mit seiner Bürgerinitiative und der Protestaktion in Friesenheim nicht auf. Vielmehr greift er die Baden-Württemberg Kampagne „The Länd“ auf. Eigentlich sollte diese Kampagne den Erfindergeist im Ländle hervorheben. Offensichtlich treffe dies jedoch auf das Verkehrsministerium nicht zu.
Morgens um 8.15 Uhr stülpt sich eine dicke Nebelhaube über das alte Bahnhofsgebäude. Sieben Fahrräder stehen unter der Überdachung auf der Ostseite. Wendle holt das neue Banner aus dem Fahrradkorb. Einige Bahnpendler wie Urte Stahl (Friesenheim), Manuel Hugelmann (Schuttern) oder Martin Henrich (Heiligenzell) sind zum Termin gekommen und beginnen etwas später mit der Arbeit. Sie alle sind von den Fahrzeiten betroffen, die vor vier Jahren gestrichen wurden.
Von zehn gestrichenen Haltestopps sind nur zwei wieder zurück. „Auf die anderen acht warten wir heute noch“, so Wendle. Gern greift er das Spiel mit dem „Denglisch“ auf und betont: „Wir machen weiter as long as it takes.“ Urte Stahl aus Friesenheim erklärt: „Sicher muss mehr in die Bahn investiert werden.“ Obwohl der Protest seit vier Jahren kontinuierlich weitergeht, denkt Wendle nicht ans Aufhören.
Nur wenige Gemeinderäte haben die Protestaktion unterstützt
Am Montagabend hatte er alle Gemeinderäte aufgerufen, die Kampagne der Bahnpendler zu unterstützen. Gekommen sind lediglich Leon Rottler und Charlotte Schubnell. „Die Kommunalwahlen sind vorbei“, stellt Wendle ernüchternd fest.
Vor vier Jahren hat das Verkehrsministerium für die Hauptverkehrszeiten den Fahrplan am Friesenheimer Bahnhof ausgedünnt. „Wir wollen lediglich unseren Halbstundentakt wieder“, so Wendle und ergänzt: „Es kann nicht sein, dass man Züge rausnimmt, um mittags um 15 Uhr und abends 21 Uhr Löcher zu stopfen.“ Dass die Kapazitäten nicht ausreichten, um Randzeiten und Hauptverkehrszeiten durchzutakten, leuchte ein. Wenn jedoch ein Verkehrsminister möchte, dass mehr auf die Bahn umgestiegen wird und das Auto zuhause bleibt, müsse zumindest der Status Quo vom Frühjahr 2020 wieder hergestellt werden, fordert Wendle für die Pendler.
Das Verlangen aus dem Ministerium nach mehr Umstieg auf ÖPNV vergleicht er mit Obst und Süßigkeiten: „Wenn ich möchte, dass die Menschen mehr Obst essen, darf ich es ihnen nicht aus den Regalen wegräumen.“ Ergo müsste in die Hauptverkehrszeiten mit mehr Haltestopps investiert werden. In Friesenheim am Bahnhof sprechen nicht nur die vollbelegten 40 Fahrradboxen für eine hohe Anzahl von Pendlern. Der Parkplatz auf der Westseite ist morgens ebenfalls von parkenden Fahrzeugen gesäumt. Unterstellplätze für Fahrräder und Motorroller sind zudem gut belegt.
Fahrplanänderung
Am 15. Juni 2020 trat ein neuer Fahrplan für den Bahnhof in Friesenheim in Kraft. Zehn Haltestopps wurden gestrichen. Mit Protestbriefen haben sich Bahnpendler an das Ministerium gewandt. Seit dem 14. Dezember 2020 gibt es wieder den Haltestopp um 7.03 Uhr und seit dem 12. Dezember 2021 den Haltestopp um 8.03 Uhr. Nach wie vor fehlen die einst acht weiteren Haltestopps, vor allem in den Abendstunden von 15.30 Uhr bis 19 Uhr. Im Juni dieses Jahres hat Harald Wendle zur Unterschriftenaktion aufgerufen, um den Bahnprotest noch stärker in die Bevölkerung zu tragen. Immer wieder entrollen die Bahnpendler ein Protestplakat, um auf ihre Not von mangelnden Haltestopps aufmerksam zu machen.