Das Hesse-Museum wird saniert. Dabei läuft nicht alles nach Plan. Foto: Klormann

Dass die Kosten für die Sanierung des Gebäudes um 2,41 Millionen Euro steigen sollen, stieß im Gemeinderat erwartungsgemäß auf wenig Begeisterung. Doch auch beim Sparen taten sich manche schwer – obwohl sich eine Möglichkeit nahezu aufdrängte.

Wird alles am Calwer Hesse-Museum so ungesetzt wie bislang vorgesehen, stehen weitere 2,41 Millionen Euro Kosten unterm Strich. Und das Stand heute. Weitere Kostensteigerungen sind explizit nicht ausgeschlossen.

 

Eine hohe Summe – zumal der Preis für das gesamte Projekt ursprünglich auf „nur“ 2,85 Millionen Euro geschätzt worden war. Jüngste Kalkulationen kamen auf 8,72 Millionen Euro.

Schuld sind verschiedene Faktoren

Schuld daran sind verschiedene Faktoren. Darunter unerwartete, massive Schäden an der Bausubstanz, strenge Vorgaben in Sachen Brand- und Denkmalschutz (die sich gegenseitig erschweren) sowie allgemeine, deutliche Baupreissteigerungen der vergangenen Jahre.

Trotz dieser nachvollziehbar scheinenden Gründe zeigte sich der Calwer Gemeinderat alles anderen als glücklich über die Kostenexplosion, die zudem nicht die erste in der Geschichte dieser Sanierung ist.

Bereits in der Vergangenheit waren die potenziellen Ausgaben aus ähnlichen Gründen erst auf 4,55 Millionen Euro, dann auf 6,3 Millionen Euro nach oben korrigiert worden.

Die Unzufriedenheit

„Das ist eine sehr unglückliche Sache“, meinte Calws Oberbürgermeister Florian Kling in der jüngsten Sitzung dazu. Er sei „sehr verärgert und erbost“ über die Entwicklung. Alles im Rohbau zu belassen, sei aber keine Option.

Eine Möglichkeit, Kosten zu sparen, gebe es aber – und zwar, wenn der geplante Neubau für einen Veranstaltungssaal gestrichen werde, der aktuell mit rund 1,2 Millionen Euro kalkuliert wird. Dies, so Kling, wäre ein „wichtiges Zeichen, dass wir nicht mit jeder Kostensteigerung einverstanden sind“.

Bevor im Gremium über den Saal diskutiert wurde, machte aber zunächst Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) seinem Ärger Luft. Auch er sei angesichts der Situation „schockiert, frustriert, sowas von verärgert“ und regelrecht „fassungslos“.

„Wir verspielen damit das Vertrauen in uns Kommunalpolitiker“, echauffierte er sich. Dem Architekten des Projektes warf er vor, einen schlechten Job gemacht zu haben, „sonst hätte das nicht passieren dürfen“.

Dieter Kömpf (Freie Wähler) fügte hinzu, er habe „abenteuerliche“ Dinge vom Ablauf auf der Baustelle gehört. Kling erwiderte später, zu solcherlei Hörensagen könne er nichts sagen. Kömpf hielt grundsätzlich fest: „Da ist sicher viel, viel schiefgelaufen“, das Projekt habe sich zum Desaster ausgewachsen.

Die Saal-Befürworter

Zum geplanten Saal meinte er, für diesen habe sich das Gremium aus gutem Grund entschieden. Und wenn etwas gebaut werde und es gebe Änderungen – wie etwa der Verzicht auf den Neubau –, spare man am Ende meist weniger als gedacht.

Dass die Sanierung eines Jahrhunderte alten Gebäudes jene Probleme mit sich bringen kann, die nun auf dem Tisch liegen, hätte naheliegend sein können, räumte Peter Schaber (Gemeinsam für Calw) ein. „Vielleicht war es von uns allen ein bisschen blauäugig“, nicht gleich davon auszugehen.

Den Saal bezeichnete Schaber als Investition auf Jahrzehnte; Hesse habe zudem eine starke Strahlkraft. Und würde der Neubau jetzt nicht errichtet, werde das wohl nie geschehen.

Ralf Recklies (SPD) argumentierte unter anderem, der Vorteil des Anbaus wäre, dass dieser genutzt werden könnte, ohne das ganze Gebäude aufschließen zu müssen. Er sei für den Saal, auch wenn er sich wegen des Geldes schwer tue.

„Wir haben uns auf die falschen Fachleute verlassen“, sagte Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw). Dennoch sei das Museum „unser Leuchtturmprojekt“, wegen Hesse würden Besucher aus aller Welt kommen. Der Saal solle gebaut werden, „kurz vor dem Ziel aufzuhören“ wäre ein Fehler.

Die Saal-Gegner

Ganz anders sah das unter anderem Bernhard Plappert (CDU). „An welcher Stelle sollen wir denn dann sparen, bitte?“, entgegnete er. Der Haushalt der Stadt liege bereits „mittelschief“, auf den Anbau zu verzichten, stelle einen vergleichsweise geringen Einschnitt dar – etwa im Vergleich zum Bildungsbereich. Zudem gebe es in der Stadt auch andere Veranstaltungsräume.

Auch Gudrun Mogler (SPD) und Johannes Schwarz (Grüne) erklärten, auf den Bau verzichten zu können – erst recht wenn sich die Frage stelle, ob in Sachen Haushalt am Bau oder am Personal der Stadt gespart werde.

Gabriele Pfeifer (Linke) sah das ähnlich. Es sei ein schlechtes Signal des Gemeinderats, wenn nicht an Material, dafür aber an Menschen gespart werde. Die Stadt könne auch ein Leuchtturm als Arbeitgeber sein.

Ott schloss sich dem Tenor an. Plappert habe Recht, wo solle sonst gespart werden? Zudem sei auch unklar, ob es überhaupt bei den 1,2 Millionen Euro für den Saal bleibe; zudem könnten weitere Kosten ebenfalls steigen. Nicht zuletzt sei es wichtig, ein Zeichen des Sparens zu setzen, „auch wenn’s uns schwer fällt“.

Peter Drenckhahn (AfD) zeigte sich zudem irritiert über die ganze Debatte. Er meinte, den Saal zu streichen sei bereits bei der Haushalts-Klausurtagung Konsens gewesen.

Die Entscheidung

Der Gemeinderat entschied sich schließlich mit 15 zu elf Stimmen dafür, den Saal nicht zu bauen. Die zusätzlichen Kosten – die sich nun, abzüglich des Saales, aktuell noch auf rund 7,5 Millionen Euro belaufen – segnete das Gremium bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen ab.

Dass der Saal nicht gebaut wird, habe indes noch einen zusätzlichen Vorteil: Die Bauzeit, so bestätigte Oberbürgermeister Kling auf Nachfrage von Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw), verringere sich dadurch um acht bis zehn Monate.