„Best – Haushalt, Küche und Genuss“ schließt ab Ostern seine Türen – damit setzt sich eine Entwicklung fort, die es nicht nur in Haslach gibt. Foto: Kron

Traditionsgeschäfte in Haslach machen dicht – und stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die vielen Sorgen bereitet. Die Gründe sind vielfältig, doch das Ergebnis ist immer dasselbe.

Die Entscheidung fiel ihnen nicht leicht, sie tun es nicht gerne: Mechtild Bender und Rosemarie Stolzer schließen ihr Fachgeschäft „Best – Haushalt, Küche und Genuss“ in der Innenstadt. Am Karsamstag gehen die Türen ein letztes Mal auf, seit Januar läuft der Ausverkauf. Und mit diesem Schritt sind sie nicht alleine.

 

Zum Jahreswechsel schloss die Haslacher Stadtapotheke, seit April hat das Kunst- und Modegeschäft „Balu“ nicht mehr geöffnet (wir berichteten). Am Tee- und Naturkostladen „Bei Ölmayer’s“ hängt ein Schild: „Nach 22 Jahren schließen wir für immer.“ Nach drei Generationen gehe dort eine Ara zu Ende, heißt es. „Das bedeutet erstmal einen großen Verlust für die Haslacher Innenstadt, wenn diese Geschäfte nicht mehr da sind“, erklärt Marvin Polomski vom Handel- und Gewerbeverein auf Anfrage unserer Redaktion. Der Verein und die Inhaber würden, wenn möglich und sinnvoll, immer nach einer Nachfolge suchen. Die sei aber in vielen Fällen nicht zu finden. Dabei gibt es manche der Geschäfte schon seit Generationen.

Die Gründe für die Schließungen ähneln sich

So auch „Best Haushaltswaren“. Gegründet wurde es 1952 von den Eltern der beiden heutigen Geschäftsführerinnen und Schwestern – damals noch unter anderem Namen. Vor 13 Jahren zogen Bender und Stolzer in den heutigen, etwas verkleinerten Bereich im Zentrum, davor nahm das Geschäft die ganze Fläche des Gebäudes ein. „Es tut uns in der Seele weh“, sagt Mechtild Bender. „Wir haben so viele treue Kunden, das hat immer Spaß gemacht.“ Die beiden Geschäftsführerinnen betonen, wie viel Herzblut in ihrem Laden steckte: „Wir waren regelmäßig auf Messen, haben unser Sortiment aktuell gehalten und sind mit der Zeit gegangen.“

Die Gründe, warum momentan immer mehr Leerstände drohen, ähneln sich: Das Alter der Inhaber, fehlende Nachfolger sowie die wirtschaftliche Situation. Hinzu kommen die Herausforderungen des digitalen Zeitalters: Onlinehandel, große Ketten, verändertes Konsumverhalten.

Haslach verliert damit im Moment gute Fachgeschäfte“, so Polomski. Auch er sieht das Alter vieler Inhaber als häufigsten Grund. „Wir wissen um die Situation und sind mit viel Engagement dabei, mögliche Nachfolger zu finden. Aber das ist leider oft nicht erfolgreich – trotz aller Bemühungen.“ Sowohl die Eigentümer selbst als auch der Gewerbeverein und die Stadt versuchen, frühzeitig Lösungen zu finden. Sie hätten die Situation im Blick und wüssten, wer demnächst in Rente geht, so Polomski.

Aber trotz der Schließungen sei Haslach keineswegs leer oder unattraktiv, findet Polomski: „Wir haben noch viele starke Betriebe, zum Beispiel Mode Gießler, Optiker oder das Studio K.“

Man versuche frühzeitig nach Lösungen zu suchen

Die Stadt und der Gewerbeverein würden mit Nachdruck daran arbeiten, die aktuelle Entwicklung – wie sie in so vielen Städten zu sehen ist – zu stoppen. „Wenn man sieht, dass schon große Städte mit dem Problem zu kämpfen haben, ist es klar, dass auch Haslach sich dem stellen muss“, erklärt Polomski.

Die Stadt und der Handels- und Gewerbeverein setzen auf Aktionen und Veranstaltungen, um die Innenstadt zu beleben – so beispielsweise mit dem „Kulinarische Wintermarkt“ oder dem Frühlingsfest. Der Wintermarkt etwa locke zahlreiche Besucher in die Innenstadt, zu einer Zeit, in der die Frequenz normalerweise nicht unbedingt so hoch sei, erklärt Polomski. Er ist überzeugt: „Die Attraktivität von Haslach ist da.“

Deutschlandweiter Trend

Laut Handelsverband Deutschland (HDE) mussten im Jahr 2023 etwa 9000 Geschäfte in Deutschland ihre Türen schließen. Damit setze sich eine Entwicklung fort, die schon die Jahre zuvor geprägt habe. Während der Corona-Pandemie gab es einen deutlichen Anstieg des „Ladensterbens“, doch auch in den Jahren davor lies sich ein Negativtrend beobachten, so HDE. Die Gründe seien ähnlich wie in Haslach.