Sie kann Musik und Literatur: Irmgard Kolbe aus Ratshausen bringt mit "Die poetische Hausapotheke" ihr erstes Buch heraus. Foto: Kolbe

170 Gedichte hat die Kabarettistin und Musikerin Irmgard Kolbe in ihrem Buch "Die poetische Hausapotheke" zusammengetragen – gepflegter Nonsens und blitzgescheite Dummheiten.

Ratshausen/Balingen - Die schrägen Lebensweisheiten der Ratshausenerin passen in vier Zeilen. "Mein Hirn ist mit Gedanken voll, das finde ich nicht immer toll. Kaum wird der eine munter, wach… zieht er Millionen andre nach." Das ist eines der 170 Gedichte. Sie beleuchtet hunderte Lebenssituationen mit bissigem Witz und gut verpackter Philosophie in gerne auch mal derben Versen.

Ein Buch schreiben? "Das hatte ich ganz bestimmt nicht vor", lacht Irmgard Kolbe. Aber dann sei es eben so passiert. Ihre Karriere als Kabarettistin hat sie an den Nagel gehängt, ohne Bedauern, es war einfach die Zeit für Neues gekommen. Wie so oft im Leben der quirligen Frau.

"Coole Vierzeiler"

Sie arbeitet wieder in ihrem ursprünglichen Beruf, ist bei einem Bildungsträger im internationalen Bereich tätig. Dort hilft sie freiwilligen Rückkehrern. Wie einem Mann aus Nigeria. Er will eine Hühnerfarm in seiner Heimat auf die Beine stellen. Kolbe vermittelte den Kontakt zum Steinefurth Hof, organisierte Kurse.

Die Musikerin hatte aus ihren Programmen Texte und Fragmente übrig, auch diese finden sich im Buch wider. "Ich kann sie nicht singen, die passen in kein Programm." Die Vierzeiler haben eines Tages aus dem Nichts bei Kolbe angeklopft. Sie findet sie cool. Und hat dann einfach so, ohne Sinn und Zweck, vor sich hingeschrieben, als nichts mehr ging draußen in der Welt und alles still stand im vergangenen Jahr.

Teils derb und bitterböse

Mehr als 500 solcher Texte sind "einfach so passiert". Manche sind derb, andere bitterböse. Die einen kommen zum Lachen daher, bei den anderen schnürt es einem die Kehle zu. Kolbe, die Mitglied im Migrationsbeirat ist – unter anderem, man fragt sich unwillkürlich, was die Autorin nicht macht – sagt: "Die Texte dürfen gerne auch nachdenklich machen." Man merkt jedenfalls, dass sie Spaß an der Sprache hat. Sie gibt unter anderem Deutsch-Kurse bei der Volkshochschule. "Ich unterrichte gerne." Überhaupt scheint sie alles, was sie macht, mit Leidenschaft zu tun und hadert auch nicht, wenn etwas vorüber ist.

Buch illustriert

Die Gigs mit der Band, die Kabarettauftritte. All das passt zur Irmgard Kolbe von heute nicht mehr. Dafür aber gibt es so viel Neues zu entdecken und zu erleben, was ja auch irgendwie auf dem Alten, dem Vergangenen aufbaut. Das Cover des Buches zum Beispiel. Das stammt aus ihrem letzten Bühnenprogramm. "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Klappentext und fragen Sie Ihren Buchhändler oder Ihre Buchhändlerin." In diesem Fall beim Balinger Buchhändler Jürgen Rieger, der das Buch vorrätig hat. Alternativ kann es beim Verrai-Verlag bestellt werden. Und natürlich überall dort, wo es Bücher gibt, vor Ort oder virtuell.

Zu entdecken gilt es nicht nur die Texte. Das Buch ist durchgehend illustriert. Auch hier hat Kolbe auf eine ihrer Kernkompetenzen zurückgegriffen: das Netzwerken. Beruflich hatte sie mit Sybille Liedtke zu tun. Und da Kolbe gerne kleine Illustrationen haben wollte, sprach sie die studierte Germanistin an. Liedtke sagt über ihre Zeichnungen: "Kunst ist Kunst, wenn die Künstlerin sagt, dass es Kunst ist."

Scharfe Beobachterin

Eine Kunst war es übrigens auch, diejenigen Vierzeiler auszuwählen und passend zu illustrieren, die der Leser nun in der poetischen Hausapotheke genießen kann. Eine fitzelige Arbeit. Kompliziert auch für den Verlag. Kolbe hat geackert. Unterstützt von ihrem Mann, der sie als Offset-Drucker gut beraten konnte.

Kolbe ist eine scharfe Beobachterin. Seit mehr als 20 Jahren ist das Schwabenland die Heimat der Oberbayerin. Längst ist sie angekommen in Ratshausen, hat ihre Kinder dort groß gezogen und die Festtage mit allen gemeinsam genossen. Mit einem liebevollen Augenzwinkern nimmt sie vierzeilig die Leute aus dem Ländle aufs Korn: "Im Schwabenland der Mythos lebt, dass man dort grüßt, was sich bewegt. Steht dagegen etwas still, der Schwabe es dann putzen will."

Krimi in Arbeit

Zum Schluss des Interviews rezitiert sie mit warmer, bühnengeformter Stimme ihr Lieblingsgedicht: "Der Jäger tot, die Trauer groß. Im Revier ist nichts mehr los! Beim Hasen Tränen fließen, wer soll uns jetzt erschießen?"

Vielleicht der Protagonist aus dem Krimi, den Irmgard Kolbe schreibt. Vielleicht, vielleicht kommt aber auch eine ganz andere Idee um die Ecke, auf die sie sich dann voller Freude und Energie einlässt.