Mehr Menschen als je zuvor dürften am Sonntag den Bus genutzt haben, um die Region zwischen Lahr und Rust zu erkunden. Der Grund: die Breisgau-Spritztour, die zu sechs Weinorten führte und bei der sich 24 Winzer aus dem ganzen Breisgau präsentierten. Es gab 96 Weine und Sekte zu kosten.
„Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Sonne scheint und wir sind ausverkauft“, erklärte Claudia Handke, Geschäftsführerin der Breisgauer Wein GmbH, am Sonntag zur Begrüßung. Sie hatte das Konzept, dass Besucher einen Tag lang mit dem Bus von Weingut zu Weingut reisen und dort Erzeuger aus dem ganzen Breisgau vorfinden und ihren Wein versuchen können, zusammen mit den Kommunen erstellt. Das Ziel dahinter: die Weinregion Breisgau vorstellen und als Marke stärken. Denn, so betonte Handke: „Unsere Weinwirtschaft und der Breisgau müssen sich nicht verstecken“. Mit einem großartigen Muskateller auf dem Weingut Wöhrle in Lahr wurde die Spritztour mit allen Verantwortlichen eröffnet. Mit dabei waren Rolf Mauch, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Kippenheim-Mahlberg-Sulz, die Bürgermeister Matthias Gutbrod (Kippenheim), Kai-Achim Klare (Rust), Pascal Weber (Ringsheim), Lahrs OB Markus Ibert und CDU-Bundestagsabgeordneter Yannick Bury. Auch die Badische Weinkönigin Julia Noll und die Breisgauer Weinprinzessin Jenny Ringwald waren vor Ort – und später auch bei den anderen Weingütern anzutreffen. Noll, die Marketing studierte, erklärte, dass sie solche Zusammenschlüsse wie die bei der Breisgau-Spritztour für großartig halte, nur gemeinsam könne man beim Weinbau erreichen – das gelte auch für den gesamten badischen Weinbau.
So lief es mit dem Bus ab: Im Stil eines Hop-on-Hop-off-Busses ging es von Weinort zu Weinort: Das Tempo, mit dem es weiter ging, bestimmten dabei die rund 600 Teilnehmer selbst. Etwa alle 20 Minuten hatte man die Möglichkeit, den jeweiligen Aufenthaltsort wieder zu verlassen – oder, wenn es einem dort gut gefiel, auch länger zu bleiben und auf den nächsten oder übernächsten Bus zu warten. Das klappte sehr gut – nur beim Weingut Bieselin brauchten die Busfahrer all ihre Manövrierkunst und kennzeichneten schließlich mittels eines Eimers, wer gerade oben war, damit sich auf der schmalen Straße nicht zwei Busse begegneten. Je nach Ansturm waren die Busse teils sehr gut gefüllt, so dass manche Teilnehmer stehen mussten. Da auch die Bahnhöfe in Lahr und Ringsheim angefahren wurden, konnten Gäste, die von weiter weg kamen, teilnehmen, ohne bei der Anreise zwangsläufig das Auto zu nutzen.
So war es an den sechs Weinorten: Jeder der sechs Weinorte bot seine Besonderheit. Das Weingut Markus Wöhrle in Lahr punktete mit seinem schönen Ambiente. Beim Kippenheimer Bürgerhaus erwarteten ab Mittag die „Blechhüffe“ die Gäste mit Musik und die Kippenheimer Weinkönigin Stefanie Dorner war durchgehend vor Ort. Beim Weingut Weber waren es hingegen DJ-Klänge, die das dortige Lounge-Feeling untermalten. Beim Weingut Bieselin erwartete die Gäste inmitten der Reben ein fantastischer Blick auf die südliche Ortenau. Ringsheim feierte an diesem Tag auch Patrozinium, so dass bis zum frühen Nachmittag die Musikkapelle spielte. In Rust hingegen wurde bei der Wasserwelt Rulantica die Breisgau-Spritztour mit dem Midsommer-Havenfest kombiniert.
So viel war los: Wer kein Busticket ergattert hatte, konnte auch vor Ort mitfeiern, indem er sich ein Tagesticket für die jeweilige Station erwarb. Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber schätzte im Gespräch mit unsere Redaktion, dass zu den 600 Teilnehmern noch einmal rund 400 Tagesgäste dazugekommen sein dürften. Die endgültigen Zahlen sind aber noch nicht ausgewertet. Die Tische bei den jeweiligen Stationen waren jedenfalls gut gefüllt – und die Stimmung dort beseelt.
So war das Angebot: An den jeweiligen Standorten in Lahr, Kippenheim, Ettenheim, Ringsheim und Rust fanden sich nicht nur die Hausherren wieder. Auch Winzer aus weiter entfernten Regionen des Breisgaus waren angereist – eine ungeheure Vielfalt. 96 Weine und Sekte konnten getestet werden. Die dazugehörige Broschüre der Breisgau-Spritztour gab darüber Auskunft, welches Angebot die Gäste an dem jeweiligen Standort erwartete und ob der angebotene Rebensaft eher als trocken, feinherb, fruchtig oder lieblich einzustufen war. Dabei waren auch Rebsorten vertreten, die dem Nicht-Weinkenner vielleicht nicht so geläufig wie andere sind – wie etwa Auxerois, Sauvignon Blanc oder Pinot Noir Blanc des Noirs. Bei den Sekten und Seccos fanden sich auch ungewöhnliche Kreationen: etwa ein alkoholfreier Apfel-Quitten-Secco oder der „Sonnja Rosé“ des Badischen Winzerkellers, der mit einem Geschmack von Grapefruit, Himbeere und Ingwer auf sich aufmerksam machte. Auch an diejenigen die keinen Alkohol trinken wollten, war gedacht worden: Elf der angebotenen Weine und Sekte waren alkoholfrei. Wer ein neues Lieblingsgetränk gefunden hatte, konnte das im Prospekt zur Spritztour vermerken, in dem sich auch die Bestellkontakte des jeweiligen Weinguts fanden. Aber nicht nur die Weine auch das Essensangebot war vielfältig und lecker. Vom Flammenkuchen über allerlei Käse- und Wildvariationen bis hin zu Spargelsuppe, Schäufele, Wurst oder Eis. Jede Station bot ihr besonderes Angebot, so dass für wirklich jeden etwas dabei gewesen sein dürfte.
So kam es an: Ziel der Breisgau-Spritztour war es auch, ein jüngeres und bisher nicht-weinaffines Publikum anzusprechen und für den Weingenuss zu begeistern. Das gelang durchaus. Viele 20- bis 30-Jährige waren unter den Teilnehmern. Insgesamt aber war es eine Veranstaltung für alle Altersgruppen – unter denen gute Laune herrschte. So genossen manche das Erlebnis in Gruppen unterwegs zu sein, andere waren einzeln oder in Paaren vor Ort und ließen sich von den Winzern die einzelnen Weine und ihre Besonderheiten detailliert erklären oder genossen einfach die Atmosphäre. Das bestätigt auch Claudia Handke: „Die Breisgau-Spritztour ist sehr, sehr gut angekommen. Alle waren begeistert und beseelt. Es war ein sehr entspannter Tag. Die Teilnehmer waren glücklich über das Angebot die Winzern darüber, ihre Produkte zu präsentieren.“ Der geplanten Wiederholung im nächsten Jahr dürfte also nichts im Wege stehen.
Wunsch nach einer Wein- und Sekt-Bar
Bei der Eröffnung in Lahr war auch OB Markus Ibert zugegen. Die Idee der Breisgau-Spritztour sei bei ihm auf absolut fruchtbarem Boden gefallen. Schließlich sei der Wein absolut wichtig für Lahr – und das neue Konzept als „Genuss-Stadt“. Im Hinblick darauf, dass in sechs Monaten Weihnachten sei, habe er bereits einen Wunsch: die Eröffnung einer Wein- und Sekt-Bar in Lahr. „Wir haben dafür Räumlichkeiten frei – sprechen Sie uns an“, meinte er augenzwinkernd und spielte auf die Leerstände in der Innenstadt an. Bevor es aber so weit sei, hoffte er bei der Breisgauer Weintour auf viele Weingespräche und Fachsimpeleien sowie auf Freude und Begegnungen unterwegs. Die sollte es geben – kurz nach der Begrüßung kam bereits der erste vollbesetzte Bus von Bahnhof Lahr zum Weingut, lud die Fahrgäste dort ab und sammelte neue auf, um sie zur nächsten Station nach Kippenheim zu bringen. Auch Ibert machte die Tour mit. „Es war eine sehr gut vorbereitete und sehr gut durchgeführte Veranstaltung“, dankte er am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion den Veranstaltern. Er wünsche sich mehr solcher Veranstaltungen in Lahr. Dafür gelte es „auch einmal über den Tellerrand hinauszuschauen“. Auch die Bürgermeister anderer Gemeinden zeigten sich begeistert: „Es ist wirklich toll geworden“, bilanzierte Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Der Zulauf war super“, freute er sich. Speziell am Kippenheimer Bürgerhaus, wo am Nachmittag auch Musik spielte, sei die Stimmung sehr gut gewesen. „Die Menschen kamen über den Wein mit anderen ins Gespräch. Ich ziehe ein durchweg positives Fazit“, so der Rathauschef weiter. „Es war eine wunderbare Werbung für den Wein und die Region.“„Das können wir im nächsten Jahr genauso wieder machen“, blickte Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare in die Zukunft. Er absolvierte große Teile der Tour mit seinem Ringsheimer Amtskollegen Pascal Weber. „Es war wirklich toll“, zeigte sich auch Klare am Montag überzeugt.