In den Rottweiler Weinbergen laufen derzeit die Vorbereitungen. Die Vereinsgründung soll noch vor der Fastnacht erfolgen.
Kommt er nun, oder kommt er nicht? War er doch nur eine nicht realisierbare Idee, der Bürgerweinberg, der bis zur Landesgartenschau (LGS) im Jahr 2028 bereits Wein liefern soll? In der Stadt wird über das Thema eifrig und kontrovers diskutiert.
Wir haben bei den Verantwortlichen, LGS-Geschäftsführerin Ines Gaehn, Michael Grimm, Elke Hugger und Thomas Lippert, nachgefragt. Sie zeigen sich von den Zweifeln überrascht. „Die Arbeiten an den ganzen unterschiedlichen Stellen laufen auf Hochtouren.“ Jüngst wurden die historischen Weinbergflächen am Höllenstein und am Schwarzen Felsen freigestellt und bis zum Jahresende sollten die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis zum März sollen dann die Flächen, nach der Bearbeitung durch einen speziellen Landschaftsgärtner für Weinberganlagen, zur Pflanzung bereit sein.
„Um einen Weinberg anlegen zu können, bedarf es vieler Genehmigungen“, zum Beispiel der des Regierungspräsidiums, wie Ines Gaehn weiß. Und die brauchen Zeit.
Über das Prozedere, welches das Anlegen eines Weinbergs mit sich bringe, informiert Elke Hugger. „Man darf nicht einfach Wein anbauen, sondern bis ein Weinberg angelegt werden darf, gibt es im Vorfeld hohe bürokratische Hürden“, weiß sie aus Erfahrung. Pflanzrechte etwa könnten nur erworben werden, wenn anderswo ein Weinberg aufgegeben werde, da die Weinbauflächen in der EU begrenzt sind. Darüber hinaus brauche es dann eine gewisse Zeit, bis der Weinberg auch Trauben liefert. Es war klar, dass die Hürden zu meistern sind, aber eben alles einen gewissen Vorlauf benötigt. Daher war auch das frühzeitige „ok“ des Gemeinderates fast vier Jahre vor der LGS so wichtig.
„Die Pflanzrechte haben wir inzwischen und werden einen Teil im kommenden Frühjahr und einen weiteren Teil der Reben im Jahr 2026 pflanzen. Rebstöcke kauft man nämlich nicht wie Rosenstöcke im Gartencenter, sondern sie werden in spezialisierten Rebschulen auf Vorbestellung für uns produziert, “ und dies nehme je nach Sorte bis zu ein Jahr in Anspruch, erklärt Hugger.
Die Rottweiler Weinberge werden die höchsten Weinlagen in Baden-Württemberg sein, weiß Thomas Lippert. Und für die besonderen klimatischen Bedingungen würden die Erfahrungen noch fehlen, daher stehen die drei im fachlichen Austausch mit verschiedenen Forschungsanstalten für Weinbau. „Wir werden nicht eine Sorte, sondern einen Mischsatz pflanzen – das heisst mehrere rote und weiße Rebsorten. Das ist eine uralte Weinbautradition“, klärt Grimm auf.
Man wolle hier nicht experimentieren, sondern gezielt, die optimalen Sorten aussuchen, die mit dem Klima zurechtkommen, guten Ertrag bringen und mit möglichst minimalem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln klarkommen, fügt er an. Hier habe es in den zurückliegenden Jahren in der Rebenzüchtung große Fortschritte gegeben. In Kürze werden gemeinsam mit dem Weinbauberater des Regierungspräsidiums dann die endgültigen Entscheidungen getroffen.
Im Zeitdruck bezüglich der Landesgartenschau sei man aber keinesfalls. Wir werden bis zur Landesgartenschau 2028 auf jeden Fall Wein haben“, sagt Elke Hugger. „Zwar noch nicht vollen Ertrag, aber eine gewisse Menge auf jeden Fall“, ergänzt Lippert.
Vor der Fasnacht werde dann noch der gemeinnützige Verein für den „CIVITIS-Bürgerweinberg“ gegründet. Die Satzung liege laut Michael Grimm noch zur Prüfung beim Anwalt. Dann könne es losgehen.
Landesgartenschau-Geschäftsführerin Annette Stoll-Zeitler freut sich auf das Weinbauprojekt, zeigt aber auch Verständnis für Skepsis. „Das kenne ich schon von der Landesgartenschau in Öhringen. Da war das Prozedere mit Rottweil vergleichbar“, berichtet sie und weist darauf hin, dass Weinberge bei Landesgartenschauen nichts Neues sind. „In Öhringen war der Weinberg bei der LGS ein Highlight und die ‚Hohenloher Scheune‘ ist bis heute eine gute Adresse und Treffpunkt in den Sommermonaten“, sagt sie. Die Scheune wurde 2015 für die Gartenschau erbaut und war die Heimat der Brenner, Landfrauen und von weiteren regionalen Partnern. Seit 2017 wird sie von regionalen Weingütern weiter betrieben. Von Mittwoch bis Sonntag gibt es regionale Weine und kleine Mahlzeiten. Das könnte auch ein Modell für Rottweil sein. Die Ideen gehen hier jedenfalls nicht aus und die Akteure freuen sich, wenn es mit den Pflanzarbeiten endlich losgehen kann.
Gesucht werden zudem alte Rottweiler Weinstöcke, die seit Jahrzehnten oder gar noch länger an Rottweiler Fassaden emporklettern oder durch manchen Garten ranken. „Wer solche Reben hat, der kann sich gerne bei mir melden“, lädt Michael Grimm ein. „Man kann hiervon Stecklinge machen, auf diese Weise wieder neue – Rottweiler – Reben züchten und vielleicht eine ganz eigene Rottweiler Sorte kreieren“, sagt Thomas Lippert.