Ob Jubiläum, Ehrung oder Abschied: Auch im Kinzigtal gibt es jede Menge Anlässe zum Verschenken. Jede Kommune setzt dabei auf Präsente mit lokalem Bezug.
Verabschiedungen, Besuche von Politikern und Prominenten, Ehrungen oder einfach Zeichen der Anerkennung – Gelegenheiten zum Überreichen von Präsenten gibt es viele, auch in den Gemeinden des Kinzigtals. Jede Kommune versucht dabei, den Gaben eine persönliche Note zu verleihen – nicht nur, damit sich die Empfänger freuen, sondern auch als bleibende Erinnerung. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufmerksamkeiten in den einzelnen Orten.
Mühlenbach: Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner nennt eine ganze Reihe von Präsenten: Radierungen, Kunstwerke wie die „Mühlenbacherin mit Rollenkranz“ von Sebastian Wehrle, Wein, Blumen, den Mühlenbach-Gutschein, heimische Erzeugnisse wie Schnaps, Gin und Honig, Bücher sowie Werbeartikel wie Handtücher oder Trinkflaschen. Zur Geburt wird zudem ein hochwertiges Kinderbesteck von WMF überreicht.
Diese Aufmerksamkeiten erhalten Mitarbeiter bei Ehrungen oder beim Ausscheiden aus dem Dienst, ebenso Gemeinderäte und Feuerwehrleute bei Beförderungen. Gäste von außerhalb bekommen sie etwa zu Geburtstagen, bei Geburten, zur Kommunion, zur Einschulung, bei Ehrungen oder beim Frühjahrsempfang. „Festgelegt wird dies von mir gemeinsam mit der Verwaltung“, erklärt Wössner. Wichtig sei stets der örtliche Bezug: Die Produkte stammen möglichst aus Mühlenbach oder von einheimischen Betrieben. „Um unterschiedlichen Wünschen gerecht zu werden, habe ich den Mühlenbach-Gutschein eingeführt“, so Wössner. Bezogen werden die Artikel – soweit möglich – bei lokalen Unternehmen wie Bäckerei, Pizzeria, Blumengeschäft oder Getränkehändler sowie aus der Raumschaft. Auch Werbeartikel der Lebenshilfe finden Verwendung. Das Bürgerbüro kümmert sich um die Beschaffung; manches liegt im Rathaus auf Vorrat, anderes wird anlassbezogen gekauft.
Steinach: In Steinach regelt ein Gemeinderatsbeschluss, zu welchem Anlass welche Aufmerksamkeit überreicht wird. „Grundsätzlich erhalten Ehe- oder Altersjubilare ein Präsent von der Gemeinde – sofern sie einem Gratulationsbesuch zustimmen“, erläutert Nicole Schmider von der Verwaltung. Urkunden des Staatsministeriums, des Landratsamts und der Kommune werden beantragt und durch Gemeindevertreter übergeben.
Auch langjährige aktive Vereinsmitglieder werden – abhängig von der Dauer ihres Engagements – gewürdigt, ebenso neu ernannte Ehrenmitglieder. Sportler mit besonderen Leistungen und Mehrfach-Blutspender erfahren ebenfalls Anerkennung. Bei Betriebsjubiläen, der Ernennung zum Ehrenkommandanten der Feuerwehr sowie bei internen Anlässen wie Ruhestand, Begrüßung neuer Mitarbeiter, Dienstjubiläen, Geburtstagen oder Hochzeiten gibt es ebenfalls Präsente. Alle Zuwendungen haben einen Bezug zur Gemeinde und stammen von lokalen Künstlern oder Anbietern aus dem Kinzigtal beziehungsweise dem Schwarzwald. Das Sekretariat des Bürgermeisters organisiert die Beschaffung.
Haslach: Eine feste Ordnung für Zuwendungen gibt es in Haslach nicht. „Wir versuchen stets, individuell das Passende je nach Anlass und Empfänger zu finden“, berichtet Martin Schwendemann vom Kulturamt. Häufig überreicht werden Wein oder Sekt. „Die Anlässe sind so bunt wie das Leben selbst: vom Geschenkkorb bei Altersjubilaren über Weihnachtsdankeschöns für Ehrenamtliche bis hin zu Dienstjubiläen“, sagt Schwendemann. Besonders wichtig sei das jährliche Weihnachtsessen mit dem Bürgermeister für die Kapellenpfleger. „Der persönliche Austausch steht dabei oft mehr im Vordergrund als das Essen selbst.“
Als Bezugsquellen nennt er unter anderem den städtischen Hansjakobverlag, der passende Publikationen bereithalte, sowie die Lebenshilfe. Viele Artikel tragen einen klaren Ortsbezug, etwa Weinkartons mit Stadtwappen, Schlüsselanhänger, Pins, Tassen mit Haslach-Spruch, Trinkflaschen oder gebrandete Vesperdosen. Die Organisation übernehmen vor allem Sekretariat des Bürgermeisters, Personalgeschenke wie Dienstjubiläen und Verabschiedungen in den Ruhestand das Personalbüro.
Hausach: In Hausach ist die Auswahl ebenfalls vielfältig: Rot- und Weißwein mit städtischem Signet oder Motiven von Rathaus und Burg, Regenschirme, Buchstützen und Stifteköcher aus heimischer Produktion, Porzellantassen mit Skyline, bestickte (Gäste-)Handtücher, Glaswappen sowie Bücher örtlicher Autoren.
Ulrike Tippmann und Susanne Scheffel aus der Verwaltung kümmern sich um die Beschaffung. Altersjubilare erhalten ab dem 80. Geburtstag Wein und Honig, ab dem 90. und 100. Geburtstag einen Vesperkorb. Langjährige Gemeinderäte bekommen gemäß Ehrenordnung Ehrenmedaille oder Ehrenteller, verabschiedete Stadträte personalisierte Weingläser. Teilnehmer am Stadtradeln erhalten einen Heimatkärtle-Gutschein. Alle Artikel haben einen klaren lokalen Bezug: Etiketten, Holzarbeiten und Lebensmittel stammen aus der Region. Ein Teil der Präsente wird vorrätig gehalten, anderes bei Bedarf bestellt.
Fischerbach: Beim Frühjahrsempfang zeichnet die Gemeinde Fischerbach verdiente Bürger mit Medaillen in Gold, Silber oder Bronze aus. „Damit würdigen wir besonderes Engagement für unsere Gemeinde“, erklärt Lisa-Marie Mauer von der Verwaltung. Über die jeweilige Auszeichnung entscheidet der Bürgermeister.
Hofstetten: Zum 80., 85. und 90. Geburtstag sowie für den ältesten Mann und die älteste Frau der Gemeinde gibt es in Hofstetten Aufmerksamkeiten – ebenso zu Ehejubiläen. Frauen erhalten laut Bürgermeister Martin Aßmuth einen Blumenstrauß sowie wahlweise ein Präsent aus dem Haslacher Weltladen oder Wurst von einem Hofstetter Landwirt.
Das Bürgerbüro besorgt die Gaben jeweils anlassbezogen. „Es gab auch schon Jahre mit mehreren Jubiläen in einer Familie. Dann haben wir abwechslungsreich entschieden“, berichtet Aßmuth. Bei Familienzuwachs gibt es einen 25-Euro-Gutschein für ein örtliches Lokal.
Wolfach: In Wolfach legt die Ehrenordnung fest, welche Auszeichnungen bei planbaren Anlässen – etwa für Medaillen – vergeben werden. „Darüber hinaus entscheiden wir situationsbezogen“, erläutert Bürgermeister Thomas Geppert. Was Gäste erhalten, wird im Vorzimmer des Bürgermeisters abgestimmt. Überreicht werden unter anderem Pralinen, Bücher heimischer Autoren, Bilder oder Stadtansichten. Abgeordnete dürfen sich zudem ins Jahrbuch der Stadt eintragen. Bestimmte Artikel wie Bücher sind im Rathaus vorrätig, anderes wird passend zum Anlass besorgt.
Whiskey-Affäre
Nicht überall sorgen Geschenke seitens der Gemeinde nur für Freude. Anfang des Jahres sorgte die „Whiskey-Affäre“ in Appenweier für Schlagzeilen. Bei der Planung des neuen Haushalts fielen dem Gemeinderat von Appenweier eine Ausgabe in Höhe von knapp 2000 Euro für „Präsente“ aus dem Jahr 2024 auf. Konkret ging es dabei um eine Bestellung über 50 Flaschen Whiskey aus der Nachbargemeinde. Vier waren verschenkt worden, auf die Frage nach dem Verbleib der anderen 46 verweigerte Bürgermeister Viktor Lorenz die Auskunft. Er bestritt, dass die restlichen Spirituosen unauffindbar seien. Sie seien weder „abhandengekommen“ noch „verschwunden“. Der Gemeinderat legte Beschwerde beim Landratsamt ein.